kolumneGbureks Geld-Geklimper: Von der Umverteilung zur Enteignung

14. März 2013
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist auf den Zug der Debatte um überzogene Managergehälter aufgesprungen. Quelle: dpaBild vergrößern
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist auf den Zug der Debatte um überzogene Managergehälter aufgesprungen. Quelle: dpa
Kolumne von Manfred Gburek

In der jetzt beginnenden heißen Phase des Wahlkampfs zum Bundestag geht es um Managergehälter, eine Aktienrechtsreform und sonstigen Populismus. Derweil hängen über der Altersvorsorge immer dickere Wolken.

Das muss man Angela Merkel lassen: Normalerweise gelingt es ihr, weder zu früh noch zu spät, sondern im richtigen Augenblick auf Stimmenfang zu gehen. So wie auch in diesem Fall: Kaum hatte EU-Kommissar Michel Barnier versprochen, Managergehälter zu kappen und bis zum Jahresende entsprechende Vorschläge zu unterbreiten, da meldete sich die Kanzlerin mit einem Appell gegen die Maßlosigkeit zu Wort, die „in einer freien und sozialen Gesellschaft“ nicht sein dürfe. Also wohl abgewogene Wahlkampfrhetorik, und zack, schon zog sie dank Barnier-Hilfe in Sachen Soziales mit ihrem Herausforderer Peer Steinbrück gleich.

Anzeige

Damit nicht genug, die schwarz-gelbe Koalition will – scheinbar wahlkampftaktisch geschickt - noch im Sommer, kurz vor der Bundestagswahl am 22. September, Vorschläge zur Reform des Aktienrechts unterbreiten. Knackpunkt: Anstelle des Aufsichtsrats soll die Hauptversammlung (HV) über das Salär des Vorstands entscheiden. Doch Taktik hin oder her, hier beginnt der Unfug. Denn wer auch nur ein Mal erlebt hat, wie sogar Vorstandsversager mit einer Mehrheit entlastet wurden, die an die Abstimmungsergebnisse in der ehemaligen DDR erinnert, wird der HV nie und nimmer mehr Kompetenz zutrauen als dem Aufsichtsrat – und der ist in der Regel bereits total überfordert, schließlich wird er ja von der HV gewählt.

Anleihen Gläubiger haben Sicherheiten, Sparer gehen leer aus

Anleger bekommen bei Zinspapieren kaum noch einen Ausgleich fürs Risiko. Warum Anleihen trotzdem besser als Festgeld sind und wie Investoren eine Rendite über der aktuellen Inflationsrate schaffen.

Anleihen: Gläubiger haben Sicherheiten, Sparer gehen leer aus

Aktionäre haben keine Lobby 

Die Neiddebatte ist in vollem Gang, da kommt es offenbar nicht auf solche nachweisbaren Fakten an, sondern nur noch darauf, welche Partei mit populistischen Parolen eine möglichst hohe Zahl an Wählerstimmen für sich gewinnt. Dabei bleibt neben einer durchgreifenden Reform des Aktienrechts - anstelle des erwähnten HV-Unfugs – viel mehr auf der Strecke: Aktionäre haben keine Lobby, die diese Bezeichnung verdient, und weder sogenannte Aktionärsschützer noch das Deutsche Aktieninstitut unternehmen etwas Substanzielles dagegen. Als Instrument zur Altersvorsorge führen Aktien ein Schattendasein. Sie unterliegen der Doppelbesteuerung, aber niemand kümmert sich wirklich um diese schreiende Ungerechtigkeit. Und nicht etwa die frühere rot-grüne, sondern die schwarz-rote Koalition sorgte dafür, dass diese Ungerechtigkeit Anfang 2009 um die Abgeltungsteuer ergänzt wurde; SPD-Kandidat Steinbrück will diese sogar erhöhen.

Wer nach weiteren Instrumenten der Umverteilung und Enteignung sucht, findet sie – trotz wieder einmal gesunkener Inflationsrate - bekanntermaßen in den negativen Realzinsen von Spar- und Tagesgeldkonten, Bundesanleihen und Geldmarktfonds. Besonders brisant sind allerdings Versicherungen, und zwar wegen ihrer gigantischen, überwiegend auf Geldwerte und damit Enteignung gestützten Kapitalanlagen: Erstversicherer verwalteten nach den zuletzt von der Finanzaufsicht BaFin veröffentlichten Zahlen, Stand Jahresende 2011, ein Vermögen von 1,185 Billionen Euro. Darin sind Anlagen der Rückversicherer, Depotforderungen und fondsgebundenen Lebensversicherungen nicht einmal enthalten.

Anzeige
Kommentare | 8Alle Kommentare
  • 14.03.2013, 07:40 Uhrskyjellyfetty

    Hier werden soziale Ungleichheiten als Neiddebatte diffamiert und sozialer Ausgleich wird nur aus taktischen Gründen in Erwägung gezogen, solange bis die öffentliche Aufmerksamkeit wieder weitergewandert ist.Für diese lernresistente neoliberale Mischpoke sind Menschen da, um benutzt zu werden, nicht um fair behandelt zu werden.Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht.Schön gemacht, Herr Gburek!

  • 14.03.2013, 10:28 Uhrmietmaul

    jeder der heutzutage bei ner zeitung oder nem magazin arbeitet,schreibt mit jedem beitrag um seine existenz,denn um sich herum sieht er immer weniger selbstdenker,die normalerweise geräuschlos entsorgt werden.

    in so einem klima entstehen so ne artikel,die billigste propagande beinhalten.

    son mann ist schon zu bemitleiden vor allem wenn ihm ausdrücklich unbestechlichkeit attestiert wird.hätten gabor oder tichy zugeschlagen ,hätts den potentiellen werbekunden noch besser gefallen

    wenn einer wie gburek nach eigenen angaben 40 - 50 jahre in der vemögensberatung unterwegs ist und immer noch schreiben muß,besitzt er mein mitleid

  • 14.03.2013, 12:56 Uhrzeitwirds

    Immer wieder werden gerade j e t z t die Versicherungen im negativen Sinne genannt. Was soll z. B. meine Ergo oder Provinzial denn nach Ansicht von "Experten" unter den derzeitigen, massgeblich von der Politik in USA und Europa mit beeinflussten Schwächen am Finanzmarkt (gegenüber der Zeit vor dem Fall der Türme und Einführung des Euros, ESM usw.) besser machen ? Dazu immer wieder die Analysen der Comerzbank die es tatsächlich,wie auch immer fertig gebracht hat, mein Aktienkapital in nur fünf
    Jahren um ca. 95 % zu vermindern. Nun, bei diesen derzeitigen Zuständen Schwamm drüber, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
    Tipp: lasst die Versicherungen in Ruhe, kritisiert mehr die
    Politik und das ehabe der "systemrelevanten" Banken.

Alle Kommentare lesen
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.