Gbureks Geld-Geklimper: Warum Anleger es leichter haben als Notenbankchefs

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Warum Anleger es leichter haben als Notenbankchefs

Kolumne von Manfred Gburek

Die einen brauchen nur die eigenen Ziele zu verfolgen, die anderen können es niemandem recht machen. Anleger, die spekulativ vorgehen, können am Ende nur gewinnen.

Wenn Börsianer wie in dieser Woche wieder gebannt jede Lippenbewegung der Notenbankchefs Mario Draghi und Ben Bernanke verfolgen, sollten Sie sich diese beiden Sätze des Mathematikers und Ökonomen Benoit B. Mandelbrot einprägen: „Das Finanzwesen befindet sich heute in dem primitiven Zustand, der die Naturgeschichte vor drei Jahrhunderten kennzeichnete. Ihre Begriffe und Werkzeuge sind beschränkt.“ Zum selben Thema sagt der Erfolgsautor Rolf Dobelli noch kritischer: „Notenbanker und Wirtschaftsminister spielen auf einer ganzen Klaviatur von Placeboknöpfen. Dass die Knöpfe nicht funktionieren, sieht man seit 20 Jahren in Japan und seit einigen Jahren in den USA. Und doch lassen wir den Wirtschaftslenkern die Illusion – und sie uns.“

Moment mal, die Herrscher des Geldes hinken drei Jahrhunderte hinterher und spielen mit Placebos, um wie viel schlimmer muss es da den Anlegern ergehen, deren Geldgeschäfte – wie man uns immer wieder einreden will – angeblich so sehr von den Handlungen der Spieler abhängen? Eine typische Fehlinterpretation! Denn im Gegensatz zu Anlegern sind die Chefs von Notenbanken und Regierungen mit ihren Aufgaben total überfordert: Abgesehen davon, dass sie untereinander so gut wie nie einig sind, müssen sie es Unternehmern und Verbrauchern, Bankern und Kreditnehmern, Lobbyisten, Wählern und je nach Bedarf auch vielen weiteren Zielgruppen mit zum Teil gegensätzlichen Interessen recht machen. Demgegenüber brauchen Anleger nur abzuwägen, ob, in welcher Höhe und wann sie ihr Erspartes in Tagesgeld, Anleihen, Aktien, Edelmetalle oder gegebenenfalls in die eigenen vier Wände investieren oder ob sie es konsumieren sollen.

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Aufmacher Geldflut Notenbanken Quelle: WirtschaftsWoche Online

Greenspans nichtssagende Show

Im Lauf der vergangenen Jahrzehnte hat sich um das Thema Geld und Börse etwas herausgebildet, was man mit sehr viel Phantasie und noch mehr an gutem Willen als neue Geldkultur bezeichnen könnte, realistischerweise jedoch lieber als überflüssiges Beiwerk abstempeln sollte. Erinnert sei nur an die große Show, die Alan Greenspan, der frühere Chef der US-Notenbank Fed, immer dann besonders gern abzog, wenn er nichts zu sagen hatte. Die Anleger hingen an seinen Lippen, obwohl er kaum etwas dafür konnte, dass die Konjunktur während seiner Amtszeit gut lief. Es war die Zeit der Kreditverbriefungen, der Derivate und sonstigen undurchsichtigen Geldinstrumente.

Diese Zeit ist noch nicht zu Ende; sie wurde lediglich 2007/08, zu Beginn der seit über sechs Jahren anhaltenden Wirtschafts- und Finanzkrise, und dann noch einmal aus Anlass der 2010 einsetzenden Eurokrise unterbrochen. Beide Krisen sind längst nicht ausgestanden. Ihr Ende ist kaum abzusehen, weil es immer noch marode Banken, Billionen an uneinbringbaren Forderungen in Euro, Dollar, Pfund Yen und Schweizer Franken gibt, darüber hinaus Rettungstöpfe zugunsten südeuropäischer Euroländer und millionenfach Derivate, deren Funktionsweise nicht einmal Banker verstehen.

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