Gbureks Geld-Geklimper: Was wir von Alibaba lernen können

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Was wir von Alibaba lernen können

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Mitarbeiter gehen in Hangzhou im Hauptquartier des Internet-Unternehmens Alibaba über einen Flur. Der chinesische Internet-Riese plant den wohl größten Börsengang aller Zeiten.

Kolumne von Manfred Gburek

Der chinesische Konzern Alibaba sorgt für Schlagzeilen. Dahinter verbirgt sich ein Geschäftsmodell, das sogar amerikanischen Konkurrenten gefährlich werden kann – und deutschen Banken.

Als Apple zu Wochenbeginn die beiden neuen iPhones 6 und 6 Plus vorstellte, gingen die Pläne des Konzerns zum Zahlungssystem Apple Pay im Jubel seiner eingeschworenen Fans fast unter. Zu Unrecht, denn da bahnt sich etwas ganz Großes an: die Zahlung mittels Fingerabdruck, unter anderem in Kooperation mit Visa, Mastercard und American Express, führenden Anbietern von Kreditkarten.

Der hauseigene Sensor für Fingerabdrücke gilt unter Branchenexperten als herausragend, und von daher gesehen dürfte das Ziel auf dem Umweg über Apple Pay vor allem im Absatz von möglichst vielen iPhones bestehen, der eigentlichen Apple-Domäne, wenn es darum geht, möglichst viel Geld zu verdienen.

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Großes bahnt sich auch in China an. Von dort aus versucht der Internethändler Alibaba gerade die Welt zu erobern, um seine Aktien in der kommenden Woche in New York zu platzieren. Geht der Plan auf, wird es sich mit geschätzten 24,3 Milliarden Dollar um den bisher größten Börsengang aller Zeiten handeln. Sogar die ansonsten mit Unternehmensthemen sparsam umgehende ARD-Tagesschau fand das in der vergangenen Woche berichtenswert.

Was Sie über Alibaba wissen müssen

  • Wie groß ist Alibaba?

    Die relative Unbekanntheit von Alibaba hierzulande täuscht über die Bedeutung des Konzerns in China mit seinen 1,35 Milliarden Einwohnern hinweg. Das Unternehmen mit rund 300 Millionen Kunden und 25.000 Beschäftigten wickelt rund 80 Prozent aller privaten Internet-Einkäufe in der Volksrepublik ab, die dieses Jahr auf ein Volumen von knapp 300 Milliarden Euro anschwellen dürften. Über Alibaba-Portale werden damit weitaus mehr Waren verkauft als bei Amazon und Ebay zusammen. Technologie-Experte Duncan Clark vom Pekinger Beratungsunternehmen BDA fasst es so zusammen: "Alibaba hat faktisch in Alleinregie bestimmt, wie Internet-Handel in China funktioniert."

    Quellen: rtr/dpa/Unternehmen

  • Was sind die wichtigsten Teile des Unternehmens?

    Der Konzern besteht mittlerweile aus einem ganzen Geflecht von Geschäftssparten: Auf dem Marktplatz "Taobao" können Privatpersonen und Kleinunternehmer Waren an ihre Kunden verkaufen. Anstatt wie eBay eine Verkaufsgebühr zu verlangen, müssen Verkäufer auf Taobao für Werbung bezahlen. Dagegen ähnelt die Sparte "Tmall.com" eher Amazon - hier bieten etwa Konzerne wie Nike und Gap ihre Kleidung feil und müssen beim Verkauf eine Kommission zahlen. "Alibaba.com" ist eine der weltgrößten Plattformen für den Handel zwischen Firmen; hinzu kommen noch zahlreiche weitere Töchter. Eine Verbindung zwischen diesen Sparten bildet der Online-Bezahldienst "Alipay", der mit eBays Paypal vergleichbar ist und etwa die Hälfte aller Internet-Zahlungen in China abwickelt.

  • Wie will Alibaba wachsen?

    Trotz seiner gigantischen Größe hält Alibaba das Ende der Fahnenstange noch lange nicht für erreicht. Wie Vizechef Joe Tsai der Nachrichtenagentur Reuters erklärte, will Alibaba noch zahlreiche andere Branchen umkrempeln. Geplant seien derzeit Expansionen in die Bankenwelt, die Reise- und Unterhaltungsindustrie sowie ins Erziehungswesen. Seinen Vorstellungen zufolge werden die Kunden bald mit Alibaba-Apps für Smartphones in Fonds investieren, Alibaba-Versicherungen für ihre Wohnungen abschließen und virtuelle Alibaba-Kreditkarten für den Internet-Einkauf in den USA einsetzen. "Unsere Vision ist es, ein größerer Bestandteil vom Leben der Menschen zu werden und ihre gesamten Bedürfnisse zu befriedigen", erklärt der Absolvent der US-Eliteuni Yale, der als Chefstratege von Alibaba gilt.

  • Was sind die größten Gefahren für das Unternehmen?

    Wie Alibaba zuletzt feststellen musste, schläft die Konkurrenz nicht, sondern holt selbst im Kerngeschäft des Giganten mit großen Schritten auf. So gewann zuletzt etwa JD.com Marktanteile im Online-Handel. Viele Experten halten jedoch das Internet-Unternehmen Tencent Holdings für den wichtigsten Rivalen, weil es bei zukunftsträchtigen mobilen Anwendungen mit seiner App "WeChat" die Nase vorn hat und dazu noch mit JD.com kooperiert. Mit seinen ehrgeizigen Plänen im Finanzsektor hat Alibaba zudem bereits Aufsichtsbehörden und staatliche Banken auf den Plan gerufen. Alibaba bietet etwa doppelt so hohe Zinsen wie den traditionellen Banken erlaubt ist und hat damit faktisch über Nacht den größten Geldmarktfonds des Landes geschaffen. Die Banken limitieren nun im Gegenzug, wieviel Geld ihre Kunden im Internet ausgeben können. Auch die Notenbank erwägt, dem Internet-Banking straffere Zügel anzulegen.

  • Wem gehört das Unternehmen?

    Die wichtigsten Anteilseigner sind das japanische Internet-Unternehmen Softbank mit rund 34 Prozent und Yahoo mit 22,5 Prozent. Konzernchef Jack Ma und Tsai besitzen zusammen etwa zehn Prozent der Firma. Ma gründete das Unternehmen vor 15 Jahren gemeinsam mit 17 weiteren Mitstreitern.

  • Die wichtigsten Zahlen und Fakten

    Firmensitz: Hangzhou/Ostchina

    Gründung: 1999

    Volumen der Transaktionen 2013: 296 Milliarden US-Dollar

    Umsatz: 8,46 Milliarden US-Dollar (Geschäftsjahr 2013/14)

    Nettoergebnis: 3,72 Milliarden US-Dollar (Geschäftsjahr 2013/14)

    Kunden: 279 Millionen Käufer pro Jahr in mehr als 190 Ländern

    Aufträge: 14,5 Milliarden pro Jahr

    Ausgelieferte Pakete: 6,1 Milliarden pro Jahr

Die Story von Alibaba ist spannend

Was haben Alibaba und Apple gemeinsam? Auch die Chinesen bauen mit Macht ihr Zahlungssystem aus. Es trägt den Namen Alipay und verfügt schon über mehr als eine halbe Milliarde Nutzer, die auf diesem Weg zum Beispiel ihre Strom- und Wasserrechnungen bezahlen. Damit besitzt Alibaba eine riesige Datensammlung, die sich für weitere Geschäfte einsetzen lässt, etwa Bankdienste aller Art. Besonders erfolgreich laufen derzeit Spareinlagen. Das ist in erster Linie dem aufstrebenden chinesischen Mittelstand zu verdanken.

Die Alibaba-Story wäre nur halb so spannend, gäbe es nicht auch noch andere Konzerne, die hier mitmischen. Da ist zunächst Yahoo, während der vergangenen Jahre zwar immer mehr ins Hintertreffen geraten, aber mit einem aktuellen Aktienanteil von 22,4 Prozent nach dem japanischen Internetkonzern Softbank (32 Prozent) der zweitwichtigste Großaktionär von Alibaba. Wird Yahoo im Zuge von dessen Börsengang wie geplant gut ein Viertel des eigenen Aktienanteils an Alibaba abstoßen, dürften dabei gemäß Analystenschätzungen zwischen 5,5 und 6 Milliarden Dollar nach Steuern hängenbleiben.

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