Gbureks Geld-Geklimper: Wenn Banken spekulieren, sollten Anleger es auch tun

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kolumneGbureks Geld-Geklimper: Wenn Banken spekulieren, sollten Anleger es auch tun

Kolumne von Manfred Gburek

Durch aufgeblähte Bilanzen und faule Kredite sind Banken in der EU zu Monstern geworden. Dank Staats- und EZB-Hilfe werden sie künstlich am Leben erhalten. Daraus können Anleger viel lernen.

Da veröffentlichen die amerikanischen Großbanken JP Morgan und Goldman Sachs beeindruckende Zahlen, und schon springt auch die Deutsche Bank-Aktie an. So geschehen zu Beginn der Woche. Ob zu Recht oder nicht, wird sich zeigen, sobald die Deutsche ihre hausgemachten Probleme bewältigt hat, also später. Die Rivalen jenseits des Atlantiks sind ihr – und erst recht den meisten anderen europäischen Banken - jedenfalls ziemlich weit voraus. Das reizt zu dem einen oder anderen Vergleich, und zwar in Bezug auf die ganze Bankbranche. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Europa sieht da gar nicht gut aus, und das wird Folgen haben, auch für Sie als Anleger.

Anfang Juni veröffentlichte ein mit Profis besetztes Gremium namens ESRB (European Systematic Risk Board) eine Studie, in der es der Frage nachging, ob sich in Europa zu viele und vor allem zu große Banken tummeln. Klare Antwort: ja. Belegt wurde die Studie durch allerlei Kennzahlen wie auch Vergleiche mit den USA, etwa diese: Auf Unternehmenskredite entfallen nur 15 Prozent der kumulierten europäischen Bilanzsumme, auf Kredite an private Haushalte 18 Prozent, während das Gros der Kredite mit 67 Prozent den Regierungen, dem Ausland, dem Geschäft mit Derivaten und sonstigen Sparten zugute kommt. Die aufgeblähte Bilanzsumme der EU-Banken im Verhältnis zur EU-Wirtschaftsleistung betrug 2013 nicht weniger als 274 Prozent, verglichen mit lediglich 145 Prozent in den USA. Die Bankenkonzentration ist in Europa viel größer als in den USA: Die 20 führenden EU-Institute kommen insgesamt auf eine fast doppelt so hohe Bilanzsumme wie die 20 führenden amerikanischen. Und die Bankenaufsicht drüben geht bei der Schließung von Banken weitaus weniger zimperlich vor als die nach wie vor zersplitterte europäische.

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Aus Banken sind Monster geworden

Das alles ist gefährlich, zumal es mit einer viel zu geringen Kapitalausstattung der Banken einhergeht. ESRB warnt vor den Folgen: „Das europäische Bankensystem hat eine Größe erreicht, durch die sein marginaler Beitrag zum realen Wachstum eher null oder sogar negativ ist.“ Das heißt, aus Vermittlern von Kapital zur Finanzierung von Investitionen sind für die Volkswirtschaft schädliche, von Staaten und deren Aufsichtsbehörden mit dem Verweis auf „too big to fail“ durchgepäppelte Monster geworden. Und deren bisheriges Wachstum hat mit Sicherheit zu Risiken geführt, die wir alle heute noch nicht ermessen können.

Niedrige Inflation in Europa: Wie reagiert die EZB?

  • Was spricht für ein Eingreifen der EZB?

    Die Inflation im Euro-Raum lag im Mai bei 0,5 Prozent – und damit weit entfernt von der Zielmarke der EZB von nahe zwei Prozent. Die Entwicklung erhöht den Druck auf die EZB, die Zinsen niedrig zu halten oder noch unter das Rekordtief von 0,25 Prozent zu senken. EZB-Präsident Mario Draghi hatte betont, die Notenbank werde sich notfalls entschieden gegen einen Preisverfall stemmen.

  • Warum sind sinkende Preise schlecht?

    Für Verbraucher sind sinkende Preise zunächst erfreulich, schließlich bekommt man mehr für sein Geld. Die Gefahr ist, dass eine Abwärtsspirale in Gang kommt, wenn die Preise auf breiter Front fallen. Ökonomen nennen das Deflation. Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen hinauszögern - in der Erwartung, dass es in den nächsten Monaten noch günstiger für sie wird. Das könnte die ohnehin noch fragile Erholung der Konjunktur in Europa abwürgen.

  • Wie real ist die Deflations-Gefahr?

    „Eine handfeste Deflation ist in der Eurozone eine sehr weit entfernte Gefahr“, meint Berenberg-Volkswirt Christian Schulz. Das betont auch regelmäßig das EZB-Spitzenpersonal. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatte Mitte März erklärt, er halte die Risiken von Preis- und Lohnrückgängen auf breiter Front im Euroraum für sehr begrenzt.

  • Was kann die EZB tun?

    Bei den Zinsen hat die EZB den Boden fast erreicht. Mit einem Leitzins von 0,25 Prozent ist Zentralbankgeld für die Banken im Euroraum bereits extrem günstig. Ob eine weitere Zinssenkung die Geldinstitute dazu bewegen würde, mehr Kredite zu vergeben und so die Wirtschaft anzukurbeln, ist umstritten. Denkbar wäre, dass die EZB den Zins für Geld, das Geschäftsbanken bei der Notenbank parken, unter Null senkt. Theoretisch möglich wäre auch, dass die EZB in großem Stil Staatsanleihen aufkauft.

  • Bringen noch niedrigere Zinsen überhaupt etwas?

    Theoretisch animiert das billige Geld Unternehmen zum Investieren und Verbraucher zum Konsumieren - beides kurbelt die Konjunktur an und erhöht so den Preisauftrieb. Doch gerade in den kriselnden Eurostaaten in Südeuropa blieb die Kreditvergabe zuletzt schwach. Nach Einschätzung des Bundesverbandes Deutscher Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) kann die EZB mit noch billigerem Geld dagegen so gut wie nichts ausrichten.

Wie konnte es so weit kommen? Lässt man die Bankenrettung aus den vergangenen Jahren Revue passieren, fällt die Antwort zunächst leicht: Mit dem Argument „too big to fail“ hat sich der Staat überall eingemischt, wo es darum ging, eine allgemeine Bankenkrise zu verhindern. Sei es bei der relativ kleinen IKB, sei es bei Hypo Real Estate oder Commerzbank, sei es bei einer ganzen Reihe von Landesbanken und deren Sparkassen: Statt ein Exempel zu statuieren, verhalf der Staat den Banken jeweils zu einer sanften Landung. In anderen EU-Ländern gingen die Rettungsversuche sogar so weit, dass sich ganze Seilschaften zum Schutz der heimischen Banken bildeten.

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