Gbureks Geld-Geklimper: Wie man Anlagerisiken vermeidet

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Wie man Anlagerisiken vermeidet

Kolumne von Manfred Gburek

Wer keine Verluste mit Finanzprodukten erleiden will, muss vor allem persönliche Qualitäten in die Waagschale werfen. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft allerdings ein großes Vakuum.

Deutschland soll einen Finanzwächter erhalten. Das haben jedenfalls die Verbraucherzentralen beschlossen. Damit der Aufpasser – oder wer und was sich sonst dahinter verbirgt – mit Nachdruck aktiv werden kann, fördert der Bundesjustizminister diese Initiative. Es gibt sogar schon ein vorgeschaltetes Pilotprojekt mit der Bewertung von 3597 bereits im Besitz von Anlegern befindlichen Finanzprodukten zur Geldanlage und Altersvorsorge zuzüglich 245 von Banken, Sparkassen und Vertrieben angebotener Finanzprodukte.

Wie kaum anders zu erwarten, besitzen gemäß einer aktuellen Studie zum Pilotprojekt 77 Prozent der ratsuchenden Anleger ein Konto mit Einlagenlaufzeiten bis zu einem Jahr. Schon danach rangieren mit 45 Prozent die Besitzer von klassischen privaten Renten- und Kapitalversicherungen. Dahinter kommen die Eigentümer von selbst genutzten Immobilien, von Bausparverträgen, fondsgebundenen Renten- und Kapitalversicherungen sowie von Aktienfonds und Aktien - bis auf Immobilieneigentümer und bis auf direkte Aktionäre also Besitzer kollektiver Sparformen.

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Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

  • Eigene Strategie festlegen

    Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

  • Widerstandskraft zeigen

    Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

  • Richtig mischen

    Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

  • Barrieren einbauen

    Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

  • Herdentrieb beobachten

    Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

  • Risiko rausnehmen

    Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

  • Insidern folgen

    Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

  • Geopolitische Ereignisse beachten

    Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

  • Auf reale Werte setzen

    Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

  • Moden misstrauen

    Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

 Die meisten Anleger sind ahnungslos

 Den Clou findet man in der Studie nach nur wenigen Seiten. Demzufolge geben neun von zehn Befragten auf die Frage nach der Funktionsweise der Produkte und nach ihren sonstigen Produktkenntnissen an, von Lebensversicherungen, Fonds festverzinslichen Wertpapieren und Aktien keine Ahnung zu haben. Das heißt, ein Großteil der Deutschen investiert Geld offenbar in eine Art Wissensvakuum. Das ist das Ergebnis davon, dass sie ihr Geld  ahnungslos komplexen Produkten anvertrauen, mit denen einiges schief gehen kann: Weil die Produkte zu teuer sind, weil sie die Flexibilität der Anleger einengen und weil sie Risiken bergen, die von Anlegern erst im Nachhinein erkannt werden können.

Teuer und wenig flexibel, das trifft – einschließlich der jeweiligen Riester-Renten-Varianten – in erster Linie auf Kapital- und fondsgebundene Lebensversicherungen zu, immer häufiger auch auf Fonds. Für Anbieter rechnen sich diese Produkte von Beginn an, für Anleger nur mit einigem Glück, und das erst später. Aus deren Sicht besteht der Konstruktionsfehler der Produkte darin, dass Anbieter die Risikostreuung – oder treffender: was sie dafür vorgeben – bereits in sie einbauen; nur merken Anleger das nicht sofort. Vier klassische Beispiele: Fonds, fondsgebundene Lebensversicherungen einschließlich Vermögensverwaltungen und komplexe Zertifikate.

 Allumfassende Risikostreuung bleibt illusorisch

Es kann einfach keine Produkte mit allumfassender Risikostreuung und passend für alle Anleger geben. Eine solche Eier legende Wollmilchsau mag in einigen Wirrköpfen existieren, in der Realität sucht man sie vergebens. Jeder Anleger geht ganz für sich bestimmte individuelle Geldrisiken ein und versucht mit Finanzprodukten mehr oder weniger methodisch oder einfach nur mit einem Bauchgefühl dagegenzuhalten: mit Haftpflichtversicherungen gegen selbst verursachte Unfälle aller Art, mit ausreichend Geld auf dem Konto gegen die Privatinsolvenz, mit Stoploss-Aufträgen gegen einbrechende Aktienkurse oder mit dem rechtzeitigen Vermögensaufbau gegen die Altersarmut.

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