Gbureks Geld-Geklimper: Wie viel Vertrauen verdienen Banken?

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kolumneGbureks Geld-Geklimper: Wie viel Vertrauen verdienen Banken?

Kolumne von Manfred Gburek

Bei der Geldanlage sind die Geschäftsmodelle der Banken zulasten der Kunden ausgerichtet, Beratungsprotokolle und Produktinformationsblätter sind oft untauglich. Anleger müssen selbst initiativ werden.

Am Montag sah ich im Fernsehkanal 3Sat die Wiederholung von „Banken außer Kontrolle“, einem sogar nachträglich immer noch faszinierenden Beitrag über die Ursachen der Finanzkrise. Darin kam auch Hilmar Kopper, ehemals Chef der Deutschen Bank, selbstkritisch zu Wort.

Spontan fiel mir der Slogan seiner Bank aus den Neunzigerjahren ein: „Vertrauen ist der Anfang von allem“. Arroganz oder Teil eines Geschäftsmodells? Beides, und zwar mit dem Schwerpunkt Geschäftsmodell.

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Wie das geht? So: „Die meisten Kunden vertrauen ihren Banken.“ Dieser Satz stammt nicht etwa von einem Banker, sondern vom Anlegerschutz-Anwalt Gerhart Baum, einst Bundesinnenminister. Er muss es wissen, denn die von ihm und seinem Partner Julius Reiter geführte Düsseldorfer Kanzlei vertritt seit vielen Jahren Anleger, die allzu vertrauensselig dem Rat von Bankern gefolgt sind.
Wenn Kunden also den Banken vertrauen, fällt es den Banken leichter, ihnen Finanzprodukte zu verkaufen, als wenn sie erst um das Vertrauen der Kunden kämpfen müssten. Dass die dann empfohlenen Finanzprodukte der Gewinnmaximierung der Banken und nicht der Kunden dienen, versteht sich von selbst.

Und um noch einen draufzusetzen: Je mehr solche Produkte durch Banken von vornherein auf dieses Ziel hin konstruiert werden, desto höher ist ihr Gewinn. Das gilt gleichermaßen für offene und geschlossene Fonds, für die Vermögensverwaltung, für Zertifikate, Varianten der Riester-Rente, Unternehmensanleihen, Baufinanzierungen und was sonst noch im Angebot ist.

Dreimal Vorteil Bank, Nachteil Kunde

Drei Beispiele, wie der Bankengewinn sich maximieren lässt:

  1. Für offene Fonds werden Ausgabeaufschläge erhoben. Hierbei handelt es sich um eine aus Kundensicht überflüssige Verkaufsprovision, die an der Rendite zehrt. Hinzu kommen laufende Gebühren, Transaktionskosten und zum Teil sogar Erfolgshonorare, auch wenn der Erfolg für Anleger ausbleibt - die Orientierung an Indizes macht es möglich.
  2. Bis vor Kurzem war es üblich, dass Banken von Initiatoren konstruierte geschlossene Fonds an Kunden verkauften und dafür eine Innenprovision oder Rückvergütung kassierten, auch Kickback genannt. Bis der Bundesgerichtshof diesem Treiben ein Ende bereitete, sodass Banken ihre Kunden seit dem 1. August dieses Jahres über die Innenprovision aufklären müssen. Die Fälle bis dahin sind allerdings von der neuen Regelung ausgenommen.
  3. Die Fülle an Zertifikaten ist erdrückend. Da muss offensichtlich ein Anlageberater – sprich Verkäufer – helfen. Dummerweise ist die Konstruktion von vielen dieser Produkte so kompliziert, dass der an seine Wissensgrenzen stößt. Aber da gibt es ja noch das Vertrauen, das angeblich der Anfang von allem ist – bis Kunden die Endabrechnung erhalten.

Wenn Aktienkurse Achterbahn fahren

Scheinbar paradox: Aktien spielen bei den Vertriebsaktivitäten der Banken offenbar keine Rolle. Was Banker allerdings nicht davon abhält, gebetsmühlenartig auf die Alternativlosigkeit von Aktien hinzuweisen – sie meinen jedoch Aktienfonds, Gründe siehe oben – und die Aktienkultur zu beschwören.

Die Realität sieht dagegen so aus: Wie das Deutsche Aktieninstitut in diesem Frühjahr ermittelte, hat sich mehr als jede fünfte Bank ganz aus der Aktienberatung zurückgezogen, und nur jede zehnte Bank hat diese Beratung nicht zurückgefahren.

Dass es hier tatsächlich nicht um ein Paradoxon geht, wird spätestens dann deutlich, wenn man sich vor Augen führt, welche Entwicklung das Aktiengeschäft in den vergangenen 20 Jahren genommen hat: 1994 gingen mit der Direkt Anlage Bank (heute DAB Bank) und Consors die ersten deutschen Provisions-Preisbrecher an den Start; im Lauf der Jahre kamen weitere hinzu. Sie vermasselten mit ihren günstigen Provisionen beim Aktienhandel den etablierten Banken und Sparkassen das Aktiengeschäft.

Dann sorgte der Börsengang der Deutschen Telekom für Euphorie unter Groß- und Kleinaktionären, danach der Neue Markt mit seinen Auswüchsen. Der Euphorie folgte ein dreijähriger Kurssturz, dem sich bis zuletzt eine regelrechte Achterbahnfahrt der Kurse anschloss. Damit war das Vertrauen breiter Bevölkerungskreise in die Aktienanlage endgültig dahin.

Der letzte Schrei: ökonomische Bildung

Dass Banken den Anlegern bei solchen Zuständen heute lieber Allerwelts-Finanzprodukte verkaufen, statt sie an die Aktienanlage heranzuführen, ist nur allzu konsequent. Zumal sie nun auch noch Beratungsprotokolle anfertigen und unsinnige Produktinformationsblätter, genannt Beipackzettel, berücksichtigen müssen.

Derweil holen die Brüsseler Bürokraten bereits zum nächsten Schlag aus: Die Beipackzettel sollen in Europa mithilfe von Risikoprofilen vereinheitlicht werden. Dumm nur, dass man darunter in jedem Land etwas anderes versteht. Bei so viel Aktivismus will der deutsche Gesetzgeber nicht untätig bleiben.

Also bastelt er am Kleinanlegerschutzgesetz herum. Das Deutsche Aktieninstitut hat darauf schon mit einer gepfefferten elfseitigen Stellungnahme reagiert und sich darin gegen zu viel Einfluss der deutschen Finanzaufsicht BaFin verwahrt.

Fragen & Antworten zum Kleinanlegerschutz

  • Was sind die Kernpunkte der Regelung?

    Die Bundesregierung will Anbieter und Vermittler von Vermögensanlagen enger an die Kandare nehmen. Das Ziel: Anleger sollen die Erfolgsaussichten einer Vermögensanlage besser einschätzen können. Dazu sollen Anbieter von Finanzprodukten - zum Beispiel Genussscheinen, Nachrangdarlehen oder Namensschuldverschreibungen - in Prospekten besser und aktueller über die Anlage und ihre Risiken informieren. Unzulässige „Schneeballsysteme“ sollen eingedämmt werden. Die Finanzaufsicht Bafin kann die Werbung für bestimmte Geldanlagen einschränken oder ganz verbieten, wenn sie Bedenken wegen des Anlegerschutzes hat.

  • Was sagen Verbraucherschützer?

    Der Verbraucherzentrale Bundesverband plädiert für ein generelles Vertriebsverbot von Finanzprodukten des Grauen Marktes, der nur eingeschränkt von der Bafin kontrolliert wird. Es handele sich um Produkte, „die nicht für die Altersvorsorge und den Vermögensaufbau in Frage kommen“, argumentiert der VZBV. Sie sollten daher nicht öffentlich angeboten werden. Positiv sei aber, dass künftig Anbieter aller Vermögensanlagen Mindestinformationen über Produkte liefern müssten, die an Verbraucher verkauft werden können. Zudem sei keine uneingeschränkte Werbung mehr möglich. „Diese Einschränkung darf im weiteren Gesetzgebungsprozess aber nicht verwässert werden“, fordert VZBV-Finanzexpertin Dorothea Mohn.

  • Wie beurteilt die Finanzbranche das Vorhaben?

    Die Deutsche Kreditwirtschaft als Dachorganisation von Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken kritisierte, dass der von Gewerbeämtern beaufsichtigte Graue Kapitalmarkt weiterhin nicht umfassend von der Bafin kontrolliert werden soll. „Nur die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht kann ein einheitliches, qualitativ hohes Schutzniveau für alle Verbraucher sicherstellen“. So weit geht der Gesetzesentwurf allerdings nicht. Kritik gibt es auch am Zeitpunkt. Die Regelungen müssten möglicherweise später wegen überarbeiteter EU-Vorschriften (Mifid II) nocheinmal geändert werden.

  • Was wird noch kritisiert?

    Berlin plant Sonderregelungen für Start-ups und junge Unternehmen, die bei der Finanzierung ungewöhnliche Wege gehen. Sie beschaffen sich zum Beispiel Geld, indem viele Menschen mit relativ kleinen Einzelbeträgen Projekte, Produkte oder die Umsetzung von Geschäftsideen unterstützen (Crowdfunding). Diese Unternehmen sollen keinen Verkaufsprospekt veröffentlichen müssen, wenn die Gesamtsumme eine Million Euro nicht übersteigt und jeder Anleger nicht mehr als insgesamt 10.000 Euro in das Projekt steckt. Der Branchenverband Bitkom kritisiert die Schwellen als viel zu niedrig. Start-ups und jungen Unternehmen der digitalen Wirtschaft werde ein möglicher Weg der Finanzierung abgeschnitten. Der VZBV argumentiert dagegen: „Für das Gros der Kleinanleger sind 10.000 Euro eine bedeutende Summe und kaum Spielgeld“. Sie plädieren für deutlich niedrigere Schwellen von höchstens 1000 besser noch 500 Euro. So sollten die Interessen der Anleger und kleiner, junger Unternehmen berücksichtigt werden.

Als letzter Schrei in Sachen Anlegerschutz gilt die ökonomische Bildung. Alle möchten sie irgendwie als Unterrichtsfach etablieren. Experimente gibt es ja schon, etwa vom Bundesverband deutscher Banken oder vom Fondsverband BVI.

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Doch da stellt sich wieder die Vertrauensfrage: Wie objektiv und damit vertrauenswürdig kann kann der Unterricht sein, wenn ein in Sachen Wirtschaftswissen wenig erfahrener Lehrer seinen Schülern anhand von Bank- oder Fondsprospekten beizubringen versucht, was eine Aktie oder ein Fonds ist?

Oder gar, was es mit den geldpolitischen Kniffen von EZB-Chef Mario Draghi auf sich hat? Jegliches Vorhaben wäre chancenlos. Da bleibt die ultima ratio: Bankberatung nur für Formalitäten in Anspruch nehmen, ein Konto und Depot bei einer Direktbank eröffnen und sich die ökonomische Bildung zur Geldanlage selbst aneignen.

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