Geldanlage 2012: Schwellenländer locken mit Top-Renditen

Geldanlage 2012: Schwellenländer locken mit Top-Renditen

, aktualisiert 11. Dezember 2011, 10:34 Uhr
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Händler in Neu Delhi: Schwellenländer wie Indien zeigen ein langfristiges Wachstumspotenzial.

von Ulf SommerQuelle:Handelsblatt Online

In Zeiten der Schuldenkrise schauen Anleger besonders genau auf die boomenden Schwellenländer. Doch auch dort erzielen nur wenige Unternehmen tatsächlich exzellente Renditen. Welche Wertpapiere sich wirklich lohnen.

DüsseldorfWer vor zehn Jahren auf Europa setzte und sich einen Aktienkorb mit den Börsen-Schwergewichten kaufte, sitzt heute auf einem Verlust von 30 Prozent. Schuld daran ist ein verhängnisvoller Mix aus miserabler Konjunktur in weiten Teilen der Euro-Zone, Schuldenkrise und drohender Pleite einiger Südländer. Mit amerikanischen und deutschen Aktien fuhren Anleger zwar etwas besser – aber keineswegs gut. Das alte Sparbuch mit Minizinsen von jährlich einem Prozent schlägt die risikoreiche Aktie in Deutschland, Europa und den USA.

Dabei sind heimische Aktien zurzeit sogar preiswert und auch kaufenswert. Denn gemessen an den Unternehmensgewinnen müssten die Kurse in Europa eigentlich 50 Prozent höher notieren. Doch ob die Kurse tatsächlich steigen, weiß niemand. Börsen funktionieren nun einmal nicht rein rational. Und den meisten Anlegern erscheint die Zukunft düsterer als die Gegenwart. Die Schuldenkrise und die daraus resultierenden ungewissen Ertragsaussichten für die Unternehmen sind auch die Ursache, warum Aktien derzeit so preiswert sind – und wohl noch lange bleiben dürften. Gut möglich, dass Anlegern also nach dem bereits verlorenen Jahrzehnt eine weitere Durststrecke bevorsteht.

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Auch die Schwellenländer haben an Glanz eingebüßt. Vor fünf oder zehn Jahren setzten Anleger große Hoffnungen auf die Länder Brasilien, Russland, Indien und China – die Goldman-Sachs-Volkswirt Jim O’Neill vor Jahren öffentlichkeitswirksam als „Bric-Staaten“ zusammenfasste. Die aufstrebenden und bevölkerungsreichen Staaten wuchsen lange Zeit stärker als die gesättigten Märkte. Vom realen Wachstum profitierten auch die Anleger. Wer sich die russische Gazprom, den südkoreanischen

Elektronikgiganten Samsung oder China Mobile ins Depot legte, fuhr außergewöhnliche Gewinne ein. Doch diese Zeiten sind vorbei. Einfach auf die Gesamtmärkte und die dynamisch wachsenden Länder von morgen zu setzen, führt nicht mehr automatisch zum Erfolg. Angesichts hoher Inflationsraten und Abschwungssorgen ist der Glanz der Schwellenländer-Börsen verblasst. Seit Jahresanfang verloren die Aktienkurse in Russland, Brasilien, Indien und China zwischen 15 und 20 Prozent. Chinas Aktienmarkt büßte seit 2008 sogar beachtliche 60 Prozent ein – ein mehr als doppelt so großer Verlust wie bei den Dax-Werten.

Zwar ordern die Industrieländer immer mehr preiswerte chinesische Produkte. Auf diese Weise stiegen die Umsätze der chinesischen Firmen im abgelaufenen Geschäftsjahr um 50 Prozent. Doch mehr Masse bedeutet weniger Klasse. „Steigende Löhne und die personalintensive Produktion lassen die Gewinne chinesischer Unternehmen nur unterdurchschnittlich wachsen“, sagt der Schwellenländer-Experte Mikio Kumada von LGT Capital Management in Singapur. Das Geschäftsmodell beruhe auf Mengenwachstum und Massenproduktion. „Das kann sich in einem Abschwung, wie wir ihn aktuell erleben, schnell rächen“, sagt Kumada. Die Gewinne legten weniger stark als die Umsätze zu, die Nettoumsatzrendite verringerte sich im Durchschnitt auf 6,9 Prozent. Ohne die margenstarken Ölkonzerne verbleiben sogar nur drei Prozent. Zum Vergleich: Deutschlands Dax-Konzerne schafften ohne Öl und Gas 5,4 Prozent.


Langfristig gute Perspektiven in den Schwellenländern

Die Chancen, dass Chinas gesamter Aktienmarkt wieder durchstartet, stehen eher schlecht. Umsätze und Gewinne der Unternehmen stiegen im ersten Halbjahr 2011 deutlich langsamer als in der Vergangenheit. Im November schrumpfte die Produktion der chinesischen Industrie sogar – erstmals seit mehr als zweieinhalb Jahren. „Die Botschaft ist klar: Die Wirtschaft flaut viel schneller ab als gedacht“, sagt Analyst Alistair Thornton von IHS Global Insight. Der stellvertretende Finanzminister Zhu Guangyao formuliert es noch drastischer: „Die jetzige Krise ist düsterer und herausfordernder als die globale Finanzkrise, die 2008 durch die Insolvenz von Lehman Brothers ausgelöst wurde.“

Sollen Anleger deshalb Aktien aus Schwellenländern meiden? Auf keinen Fall. Diese Länder wachsen unverändert sehr viel stärker als die etablierten Industriestaaten – und haben auch die besseren Perspektiven im kommenden Jahrzehnt. „Schwellenländer wie Indien, Indonesien und Thailand zeigen ein deutliches langfristiges Wachstumspotenzial“, sagt Amit Lodha, Fondsmanager bei Fidelity. Wie viele Analysten und Volkswirte erwartet auch sie, dass das Wirtschaftswachstum in der entwickelten Welt und in den Schwellenländern im nächsten Jahr weiterhin „merklich auseinanderlaufen“ wird. Konkret: Starkes Wachstum in Südamerika und Asien – Mini-Wachstum, Stagnation oder gar Rezession in den USA und Europa.

„Wir werden der globalen Krise nicht erlauben, Brasilien anzustecken“, erklärte vor einigen Tagen Brasiliens Finanzminister Guido Mantega. Die Verbraucher zahlen ab sofort weniger Steuern auf nahezu alle Produkte – für Nahrungsmittel ebenso wie für Kühlschränke und Restaurantbesuche. So soll die Wirtschaft mit Schwung ins neue Jahr starten. Das rohstoffreiche Land hatte bereits in der Finanzkrise 2008/09 ähnliche Schnellprogramme beschlossen. Das Ergebnis: Die Wirtschaft wuchs 2010 um 7,5 Prozent.

Die Perspektiven in den Schwellenländern bleiben langfristig gut. Sie sind niedrig verschuldet, profitieren von hohen Exportraten und einem rasant wachsenden Binnenmarkt. Die zuletzt deutlich gefallenen Börsenkurse signalisieren aber: Es ist schwieriger geworden, die Perlen fürs Depot zu finden. Der Handelsblatt-Bilanzcheck zeigt, dass es noch wahre Gewinnmaschinen und Renditeperlen mit exzellenten Kursperspektiven gibt – in China, Russland, Brasilien und Indien, aber auch in nachrückenden Volkswirtschaften wie Südafrika, Mexiko, Malaysia und Saudi-Arabien.

In China erwirtschaftete der Mobilfunkanbieter China Mobile im vergangenen Geschäftsjahr eine Fabelrendite. Der Konzern, mit 610 Millionen Kundenverträgen der größte und mit einer Nettoumsatzrendite von 24,7 Prozent zudem der profitabelste Mobilfunkanbieter weltweit, hat seinen Nachsteuergewinn im ersten Halbjahr 2011 um 6,3 Prozent auf umgerechnet 6,7 Milliarden Euro gesteigert. Auch die Netto-Umsatzrendite von 15,3 Prozent bei der Luftfahrtgesellschaft Air China sucht in der Branche ihresgleichen. Die Aktie ist dazu noch günstig bewertet: Anleger bezahlen den Titel an der Börse derzeit nur mit dem achtfachen Jahresnettogewinn – der allgemeinen Börsenschwäche sei Dank.


Russland hat nur eine Stärke

Ähnlich wie in China zeichnen sich auch in Indien die meisten Unternehmen nur durch Masse aus. Die Umsätze und Gewinne wuchsen binnen eines Jahres um ein Drittel – die Umsatzrendite verharrte durchschnittlich bei bescheidenen 5,5 Prozent. Sechs der zehn größten indischen Konzerne fuhren Mini-Margen von weniger als drei Prozent ein. Wer also auf die zehn indischen Schwergewichte an der Börse setzt, ist schlecht beraten. Hochprofitabel wirtschaften nur wenige Konzerne, wie beispielsweise der Energie- und Kraftwerksbetreiber National Thermal Power Corporation (NTPC) und der Ölkonzern Oil & Natural Gas.

Anders das Bild in Russland. Hier erhöhten die Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr ihre Netto-Umsatzrendite von durchschnittlich 16 auf 17 Prozent. Das klingt gut und lässt Anleger vielleicht in Versuchung geraten, auf den Gesamtmarkt zu setzen.

Aber Russlands Stärke beruht allein auf seinen enormen Ressourcen – im Land befinden sich 25 Prozent der globalen Gasreserven und 19 Prozent der Kohlevorkommen. Mehr als die Hälfte der 100 größten russischen Unternehmen zählen zur traditionell renditestarken Energie- und Rohstoffbranche – unter den Top 10 sind es sogar neun. Deshalb gilt es, bei den vielen renditestarken Rohstoffkonzernen die Perlen vom Durchschnitt und von den Niedrig-Performern zu trennen. Das Ergebnis: Russlands Vorzeigekonzern ist Gazprom. Der Energieriese schaffte es, seine Spitzenrendite von 26 auf 27 Prozent zu steigern. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 3,5 ist die Aktie darüber hinaus historisch billig.

Brasilien schließlich bewährt sich in der globalen Schuldenkrise als Hort der Stabilität. Während die Ratingagenturen ihre Bonität für Europas Länder im Wochenrhythmus senken, hat S&P die Note für Brasilien erhöht – und sich damit den zwei mächtigen Agenturen Moody’s und Fitch angeschlossen. Die Bonitätswächter honorieren die niedrige Staatsverschuldung und die guten Aussichten.

Mehr als alle anderen Schwellenländer vereint Brasilien große Unternehmen in allen Branchen. Mit Vale verfügt Brasilien über einen gigantischen Minenkonzern, mit JBS über einen der größten Fleischexporteure und mit Pao de Acucar über einen internationalen Handelskonzern. Wirklich erfolgreich ist aus Anlegersicht nur Vale. Mit jedem Euro Umsatz blieben im abgelaufenen Geschäftsjahr 36 Cent Reingewinn übrig. JBS und Pao de Acucar mögen groß sein – doch Renditen von weniger als zweieinhalb Prozent überzeugen nicht. Im Handel rangiert Brasiliens Pao Acucar mit einer Mini-Marge von 2,3 Prozent weltweit nur auf Rang 34.

Brasiliens Chemie-Marktführer Braskem rangiert in der weltweiten Profitabilitäts-Hitliste auf Rang sieben. Das ist sehr beachtlich – aber nicht exzellent. Denn der saudi-arabische Wettbewerber Sabic schaffte doppelt so viel. Die Gewinnmaschine aus einem an den internationalen Finanzmärkten kaum beachteten Land ist deshalb mehr als nur einen Blick wert – genauso wie neun weitere Märkte von morgen. Auf den folgenden Doppelseiten beleuchtet das Handelsblatt die renditestärksten Unternehmen – aus den Bric-Staaten und den aufstrebenden Ländern Südafrika, Thailand, Malaysia, Mexiko und Saudi-Arabien.

Quelle:  Handelsblatt Online
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