Geldanlage: Aus für das Beratungsprotokoll

Geldanlage: Aus für das Beratungsprotokoll

, aktualisiert 20. Oktober 2015, 15:51 Uhr
Bild vergrößern

Das erst vor wenigen Jahren eingeführte Beratungsprotokoll bei Geldanlagen soll wieder abgeschafft werden.

Banken und Verbraucherschützer kritisieren die Beratungsprotokolle bei der Geldanlage. Jetzt will die Bundesregierung sie wieder abschaffen. Eine Chance für Anleger - nur auf den ersten Blick.

Wenige Jahre nach seiner Einführung soll das umstrittene Beratungsprotokoll bei Geldanlagen wieder abgeschafft werden. Stattdessen sollen Anlageberater ihren Privatkunden künftig eine „Geeignetheitserklärung“ vorlegen, wie aus einem Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums hervorgeht, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Verbraucherschützer kritisieren schon länger die Qualität der Beratungsprotokolle und hoffen im Zuge der EU-Vorgaben auf künftig präzisere Angaben der Banken vor Wertpapiergeschäften.

Die Richtlinie Mifid II zur Harmonisierung der Finanzmärkte in den EU-Mitgliedstaaten stellt insbesondere höhere Anforderungen an den Anlegerschutz. Sie trat bereits 2014 in Kraft. Bis zum 3. Juli 2016 müssen die Mitgliedstaaten die Vorgaben aus Brüssel in nationales Recht umsetzen. Ab Januar 2017 könnten die neuen Regeln dann für Beratungsgespräche bei der Geldanlage gelten.

Anzeige

Premium Dossier zum Download Wie Sie 5000 und 50.000 Euro sinnvoll vermehren

Niedrige Zinsen verderben jede Geldanlage. Doch es geht auch anders. Die Strategien unterscheiden sich jedoch je nach Anlagebetrag deutlich. Wie Sie mehr aus Ihrem Vermögen machen, lesen Sie hier.

zum Dossier

Die Beratungsprotokolle wurden 2010 eingeführt - vor allem in Folge der Lehman-Pleite. Verbraucher erhalten seither bei einer Anlageberatung Produktinformationsblätter mit Angaben zu erwarteter Rendite, Risiko und den Kosten eines Produkts. Die aufgezeichnete Kommunikation dient auch der deutschen Finanzaufsicht Bafin zur Kontrolle der Beratungsgespräche.

Bevor Kunden investieren dürfen, muss der Bankberater darüber hinaus schriftlich festhalten, wie lange er den Kunden beraten hat, worum es in dem Gespräch ging, welche Risikoneigung der Kunden mitbringt und wie seine private Vermögenssituation aussieht. Zu den nötigen Angaben zählen etwa monatliche Einnahmen und Ausgaben, Anlagehorizont und Wünsche für die Geldanlage sowie Erfahrung mit verschiedenen Anlageprodukten. Anschließend muss der Berater das Protokoll unterzeichnen und dem Kunden aushändigen.

Diese Vorgaben blähen die Anlageberatung zu einem bürokratischen Monster auf. Banken ziehen sich seitdem aus der Anlageberatung zurück. Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) hatte 2014 in einer Umfrage unter 462 Banken erfragt, warum 22 Prozent dieser Banken sich aus der Beratung zu Einzelaktien zurückgezogen haben. Fast die Hälfte gab das Beratungsprotokoll als wesentlichen Grund an, da es zu erheblichem Mehraufwand und rechtlichen Risiken führt.

10 Tipps für Börseneinsteiger

  • Volles Risiko oder lieber Nummer sicher - Typ-Analyse

    Bevor ein potentieller Anleger zum ersten Mal Aktien kauft, sollte er sich Gedanken darüber machen, welches Ziel er mit der Geldanlage verfolgt und für welchen Anlegertyp er sich hält. Wenn mit den Aktien später die Altersvorsorge aufgestockt oder das Studium der Kinder finanziert werden soll, muss an der Börse eine andere Taktik angewendet werden, als wenn es um kurzfristige Gewinne geht. Die grundlegende Frage ist: Sind Sie auf den Betrag angewiesen und investieren deshalb lieber mit möglichst geringem Risiko oder können Sie eventuelle Verluste verschmerzen und renditestärkere aber auch riskantere Papiere kaufen?

  • Gier ist nicht immer gut

    Wer die Frage nach der eigenen Risikoneigung mit "no risk, no fun!" beantwortet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er zwar sehr viel gewinnen, aber auch sehr viel verlieren kann. Für den Anfang schadet es nicht, auf eine langfristige Strategie zu setzen und die Entwicklungen an den Märkten zu beobachten. Kleine Zockereien für den Nervenkitzel sind dann im Verlustfall besser zu verschmerzen. Nach dem Geckoschen Leitsatz "Greed is good" sollten Börsenneulinge nicht handeln.

  • Nur kaufen, was man versteht

    Was eine Aktie ist und wie sie funktioniert, dürfte jedem klar sein. Wer sein Depot auch mit Anleihen und Zertifikaten füllen möchte, sollte nur in Produkte investieren, die er auch versteht. Wer nur auf die Renditeversprechen hört und Produkte kauft, deren Vor- und Nachteile, beziehungsweise Funktionsweisen er nicht begreift, fällt über kurz oder lang auf die Nase.

  • Bankgebühren beachten

    Bevor Sie ein Depot eröffnen, vergleichen Sie die Gebühren der Banken. Je höher die Gebühren sind, desto geringer fällt die Rendite nachher aus. Direktbanken haben im Regelfall günstige Konditionen und bieten kostenlose Depots an.

  • Auf die Mischung achten

    Anleger sollten ihr Geld - und damit auch ihr Risiko - zumindest am Anfang möglichst breit streuen. Verteilen Sie Ihr Geld auf verschiedene Märkte wie Rohstoffe und Energie, sowie auf Aktien, Fonds und Anleihen.

  • Mischung bei Fonds und Zertifikaten

    Wer seinem Portfolio Fonds oder Zertifikaten beimischt, sollte auch innerhalb dieser Anlageklassen auf eine gute Mischung achten. Fondsanbieter und deren Produkte lassen sich online schnell vergleichen. Wer nicht nur in ein oder zwei Gesellschaften investiert, ist auf der sicheren Seite.

  • Regelmäßige Überprüfung

    Besonders wichtig ist, dass Sie sich Zeit nehmen für Ihre Geldanlage und Ihr Depot regelmäßig überprüfen: Welche Anlageinstrumente haben sich wie entwickelt? Ist es Zeit, das Depot umzuschichten, oder läuft alles in meinem Sinne?

  • Qualität hinterfragen

    Bei der Überprüfung des Depots sollte man sich immer mal wieder fragen: Würde ich diese Aktie oder diesen Fonds heute noch kaufen? Lautet die Antwort ja, behalten Sie das Produkt. Sind Sie von der Qualität nicht mehr überzeugt, wird es Zeit zum Verkauf.

  • Verluste begrenzen

    Entwickelt sich eine Aktie oder ein sonstiges Produkt nicht so, wie geplant, sollten Sie nicht zögern, es zu verkaufen. Sogenannte Stopp-Loss-Orders, also Untergrenzen, bei denen verkauft werden soll, können hilfreich sein. Das bietet sich insbesondere dann an, wenn man den Kurs nicht permanent selbst im Auge behalten kann oder will.

  • Einen kühlen Kopf bewahren

    Grundsätzlich gilt: Verlieren Sie nicht die Nerven. An der Börse gibt es Kursschwankungen, Aktienkurse können unerwartet einbrechen. Das sollte aber kein Grund sein, den Kopf zu verlieren. Panische und unüberlegte Deals kosten meist mehr Geld als die Abwärtstrends.

Dabei ist das Konzept sinnvoll: Das Bankprotokoll soll Anleger vor Fehlberatungen schützen und ihre Position stärken, indem sie ihre Anlageentscheidung auch auf die schriftliche Zusammenfassung des Beratungsgespräches stützen können. Zudem sollen sie etwas in der Hand haben, um im Zweifel vor Gericht beweisen zu können, wie die Beratung erfolgte. Sie können das Beratungsprotokoll als Beweismittel einsetzen, sollte es zu einem Schadensersatzprozess wegen Falschberatung kommen.

Aber vor allem Banken sichern sich durch die Protokolle ab. Die Verbraucherzentrale NRW kritisiert, dass einige Institute eine Unterschrift der Kunden unter dem Beratungsprotokoll fordern, die im Streitfall gegen den Kunden verwendet werden könne. Der Verbraucherschutz hätte sich durch das Beratungsprotokoll nicht wesentlich verbessert.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%