Geldanlage: "Das Endspiel hat begonnen"

Geldanlage: "Das Endspiel hat begonnen"

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Von links: Andrew Bosomworth, Alfred Roelli, Bert Flossbach, Thomas Mayer, Jens Ehrhardt

von Annina Reimann und Hauke Reimer

Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken wird sich über Jahre fortsetzen, damit sich die Staaten entschulden können. Sparern droht die Enteignung durch finanzielle Repression. Im Interview mit der WirtschaftsWoche erklären fünf profilierte Finanzmarkt-Kenner, wie Anleger gegenhalten können.

WirtschaftsWoche: Meine Herren, die Zinsen, die Anleger bekommen, sind ganz unten, sichere Rentenpapiere sind nach Steuern und Inflation ein Minusgeschäft. Lohnt sich Anlegen überhaupt noch?

Bert Flossbach: Wer heute Geld für bis zu drei Jahre sicher anlegt, spendet an den Staat. Das einzig Sichere an sicheren Anlagen ist der reale Wertverlust.

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Andrew Bosomworth: Wenn wir Glück haben, werden wir in den kommenden Jahren ein bis zwei Prozent auf hochqualitative Staatsanleihen bekommen. Der Satz könnte auch darunter liegen. Besser sind Unternehmensanleihen und solche aus Schwellenländern. Da bekommt man bei guter Qualität bis zu zwei Prozentpunkte mehr.

Zu den Personen

  • Andrew Bosomworth

    Bosomworth, 47, leitet beim weltgrößten Anleihemanager Pimco das deutsche Portfoliomanagement. Sein Wort hat in Finanzkreisen erhebliches Gewicht, schließlich verwaltet die auf Eigenständigkeit bedachte Tochter des Allianz-Konzerns weltweit 1,3 Billionen Euro. Als Mitglied der Geschäftsführung der Pimco Deutschland zeichnet er verantwortlich für rund 250 Milliarden Euro. Zuvor arbeitete der geborene Neuseeländer bei der Europäischen Zentralbank, bei Merrill Lynch und der neuseeländischen Finanzagentur.

  • Thomas Mayer

    Mayer, 58, war bis Juni 2012 Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Zuvor arbeitete er für die Investmentbank Goldman Sachs in London und vor dem Wechsel in die Finanzbranche in verschiedenen Funktionen beim Internationalen Währungsfonds und dem Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Heute berät er die Geschäftsleitung der Deutschen Bank.

  • Bert Flossbach

    Flossbach, 51, gründete 1998 das unabhängige Investmenthaus Flossbach von Storch und ist seither dort Vorstand. Er managt über acht Milliarden Euro. Von 1991 bis 1998 arbeitete Flossbach bei Goldman Sachs in New York und Frankfurt als Vermögensverwalter. Der Aktienkenner ist bekannt für deutliche Worte, bisweilen auch gegen die eigene Zunft gerichtet. Zusammen mit Philipp Vorndran hat er gerade das Buch „Die Schuldenlawine“ veröffentlicht.

  • Jens Ehrhardt

    Ehrhardt, 70, ist Gründer, Hauptaktionär und Vorstandschef von Deutschlands größter unabhängiger Vermögensverwaltung, der DJE Kapital aus dem bayrischen Pullach. Er verwaltet für Kunden zehn Milliarden Euro und gilt als der profilierteste und erfahrenste unabhängige Fondsmanager der Branche. Der Volkswirt und Zahlenmensch frisst Informationen und Charts förmlich in sich hinein. „Dieser Beruf ist auch ein Lese-Beruf“, sagt Ehrhardt.

  • Alfred Roelli

    Roelli, 60, arbeitet seit 2001 bei der größten Schweizer Privatbank Pictet in Genf, die 297 Milliarden Euro Vermögen betreut. Er ist Sprecher für die Anlagestrategie im deutschsprachigen Raum. Zuvor arbeitete er als Anlagestratege im Private Banking der Deutschen Bank.

Jens Ehrhardt: Für die kauft man sich in Schwellenländern aber ein Währungsrisiko ein. Natürlich könnte man sagen, der Euro wird immer schwächer – dann macht der Anleger mit Fremdwährungen Gewinn, weil die fremde Währung zum Euro aufwertet. Doch wer sagt: "Hauptsache, mein Geld ist aus dem Euro raus", der muss am Ende nicht recht behalten. Denn es kann auch in die andere Richtung gehen.

Alfred Roelli: Bei Unternehmensanleihen lohnt es sich, dabei zu bleiben. Die gewaltigen Ergebnisse, die man mit ihnen in den vergangenen Jahren erzielen konnte, sind zwar vorbei, aber man bekommt mit einiger Mühe noch drei bis vier Prozent Rendite. Es lohnt sich auch, hochverzinsliche Werte im US-Dollar-Raum anzuschauen.

Flossbach: Die Bondmarktrally seit Anfang der Achtzigerjahre ist jedenfalls abgeschlossen. Ob 30 schlechte Jahre kommen, wage ich nicht zu behaupten, aber mit Sicherheit zehn. Bei der Vermögensstreuung muss sich jeder im Klaren sein: Er muss den Bondanteil deutlich reduzieren!

Herr Bosomworth, Sie vertreten hier den größten Anleiheinvestor der Welt, das dürften Sie nicht so stehen lassen.

Bosomworth: Komplett aus Bonds würde ich nicht gehen, sondern einen Teil des Vermögens in kurz laufenden Unternehmensanleihen und Papieren aus Schwellenländern halten. Man darf nicht vergessen, dass viele Anlageklassen illiquide sind, also nicht sofort verkauft werden können. Irgendwann muss man sagen: Ich nehme mit einem Teil meines Portfolios diese niedrigen Renditen bewusst in Kauf, um liquide zu bleiben, für bessere Einstiegsmöglichkeiten etwa in anderen risikoreicheren Anlageklassen.

Liquidität kann ich auch in Bundesanleihen oder Tagesgeld parken. Was ist besser?

Flossbach: Das kommt darauf an, wie viel man hat. Bei Summen über 100.000 Euro ...

... also der Grenze der gesetzlichen Einlagensicherung je Bank ...

Flossbach: ... ist sicher irgendwann Schluss. Wenn es hart auf hart kommt, würde ich nicht davon ausgehen, dass Bargeld über 100.000 Euro sicher ist.

Ehrhardt: Das Extremszenario, dass Banken zusammenbrechen, wird dank der Europäischen Zentralbank auf absehbare Zeit vermieden. Die wird jedes Loch stopfen.

Thomas Mayer: Deshalb werden die Zinsen auch unten bleiben. Manch einer hat schon Angst vor japanischen Verhältnissen. Dort lagen die Renditen ja jahrelang bei nahezu null. Schön wär’s! In der Euro-Zone wird das alles viel schlimmer werden: Wir werden neben den negativen Realrenditen auch ein niedriges Wachstum bekommen.

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