Geldanlage: Deutsche bleiben bei Aktienkäufen skeptisch

Geldanlage: Deutsche bleiben bei Aktienkäufen skeptisch

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Die Deutschen und Aktien sind längst noch keine Freunde.

von Saskia Littmann

Die Bundesrepublik ist weiterhin kein Land von Aktionären, das zeigt eine neue Umfrage des Deutschen Aktieninstituts. Dafür werden deutsche Sparer immer toleranter gegenüber Schulden. Das ist besorgniserregend.

Aktien gelten zunehmend als alternativlos am Anlagehorizont. Doch trotz Niedrigzinsphase sind die Missverständnisse und Vorurteile der Deutschen gegenüber Aktien unverändert hoch. Das ergab eine aktuelle Studie, die das Deutsche Aktieninstitut (DAI), die Lobbyorganisation für die Aktie, zusammen mit der Börse Stuttgart erstellt hat. Demnach würden 55 Prozent der Anleger keinen Cent in Aktien stecken, wenn sie 10.000 Euro für einen Zeitraum von 25 Jahren anlegen sollten.

Interessant ist allerdings, dass das Interesse an Aktien offenbar höher ist als die Bereitschaft, die Papiere auch tatsächlich zu kaufen. Während 45 Prozent der Deutschen über Aktien als langfristige Geldanlage nachdenken würden, liegt der Anteil der Aktionäre und Fondsbesitzer in der Bundesrepublik aktuell gerade einmal bei 13,1 Prozent.

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Aktienkultur in Deutschland

  • Aktienbesitz

    Menschen mit Aktieninvestments im Jahr 2014: 8,4 Millionen

    Vorjahr: 8,9 Millionen

    Anteil der Bevölkerung über 14 Jahren im Jahr 2014: 13,1 Prozent

    Vorjahr: 13,8 Prozent

  • Investitionsarten

    Wie die deutschen Aktionäre investiert sind:

    4,3 Millionen Menschen besitzen nur Aktienfonds.

    1,6 Millionen Menschen besitzen Aktien und Aktienfonds.

    2,5 Millionen Menschen besitzen nur Aktien.

  • Langfristige Entwicklung

    Seit 2001 haben rund 4,4 Millionen Menschen dem Aktienmarkt den Rücken gekehrt.

    Aktionärsanzahl 2001: 12,8 Millionen

    Aktionärsanzahl 2014: 8,4 Millionen

  • Aktienbesitz nach Altersgruppen

    Das Interesse an Aktien hat in den vergangenen Jahren besonders bei den Jüngeren stark nachgelassen.

    Anteil der Aktien- und Aktienfondsbesitzer nach Altersgruppen:

    20-29 Jährige: 7,2 Prozent (2001: 17,5 Prozent)

    30-39 Jährige: 12,1 Prozent (2001: 27,9 Prozent)

    40-49 Jährige: 17,2 Prozent (2001: 25,5 Prozent)

    50-59 Jährige: 17,1 Prozent (2001: 24,5 Prozent)

    60-69 Jährige: 13,6 Prozent (2001: 14,4 Prozent)

  • Aktienbesitz nach Beruf

    Anteil von Aktienbesitzer nach beruflicher Position:

    Leitende Angestellte: 28,4 Prozent

    Leitende Beamte: 30,1 Prozent

    Selbstständige/Freie Berufe: 26,0 Prozent

    Sonstige Beamte: 29,5 Prozent

    Öffentlicher Dienst: 22,7 Prozent

    Sonstige Angestellte: 14,8 Prozent

    Rentner/Pensionäre: 12,3 Prozent

    Studenten: 4,3 Prozent

    Facharbeiter: 8,9 Prozent

    Selbstständige Landwirte: 23,5 Prozent

    Schüler: 1,9 Prozent

    Sonstige Arbeiter: 4,2 Prozent

    Auszubildende: 4,6 Prozent

  • Aktienbesitz nach Einkommen

    Menschen mit höherem Einkommen, haben ein höhere Interesse an Aktien.

    Anteil von Aktien und Aktienfondsbesitzern nach Nettohaushaltseinkommen:

    750-1.250 Euro: 2,5 Prozent

    1.250-2.000 Euro: 6,9 Prozent

    2.000-3.000 Euro: 24,6 Prozent

    3.000-4.000 Euro: 18,5 Prozent

    Über 4.000 Euro: 34,3 Prozent

  • Aktienbesitz nach Bundesländern

    Alte Bundesländer: 13,8 Prozent besitzen Aktieninvestments

    Neue Bundesländer: 10,3 Prozent besitzen Aktieninvestments

    Gesamt: 13,1 Prozent

Unsicher sind naturgemäß besonders die Nicht-Aktionäre. Fast drei Viertel von ihnen glauben, dass Aktienkäufe gute wirtschaftliche Kenntnisse erfordern. Mehr als die Hälfte der Befragten halten solche Investments bei kleinen Anlagebeträgen für sinnlos.

Das DAI pocht nun erneut auf bessere Aufklärung. "Eine bessere Aktienkultur nimmt in den Köpfen der Anleger ihren Anfang", sagt Michael Völter von der Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse. Für die Studie wurden mehr als 2000 Personen über 14 Jahren zu ihren Anlageinteressen befragt. Der Anteil der Aktionäre war dabei mit knapp zwölf Prozent ähnlich hoch wie in der gesamten Bevölkerung.

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Positiv schlussfolgerten die Studienautoren, dass die Mehrheit der Teilnehmer zumindest den Sachwertcharakter der Papiere erkannt hat. "Die Befragten erkennen, dass sich Weltmarkterfolge von Unternehmen letztlich im Aktienkurs niederschlagen", heißt es in der Studie. Allerdings sei die Anlagekultur in Deutschland viel zu einseitig auf vermeintlich „risikoarmes Sparen“ ausgerichtet. So werde der langfristige Vermögensaufbau verhindert, das könne sich spätestens im Alter rächen.

Am Bullenmarkt schlagen Männer zu

Dabei zeigt eine andere Studie, wie hoch die Renditen sind, die sich mit Aktieninvestments zumindest in guten Zeiten einfahren lassen. Männer und Frauen schneiden dabei allerdings unterschiedlich ab - obwohl Frauen eigentlich als die besonneneren und besseren Geldanleger gelten. In Rallyzeiten wie den vergangenen zwei Jahren ist das aber offenbar anders, wie nun eine Untersuchung der DAB Bank ergab. Demnach ist die erzielte Rendite bei Männern in den Jahren 2013 und 2014 jeweils höher gewesen als bei den weiblichen Anlegern.

Besonders das Jahr 2013 war für viele erfolgreich, Männer kamen im Schnitt auf eine Rendite von 15,5 Prozent und Frauen auf 13,3 Prozent. 2014 waren die Erfolge zwar insgesamt geringer, dennoch lagen Männer mit 4,5 Prozent weiterhin vor den Frauen mit 3,4 Prozent. "Männer investierten in steigenden wie volatilen Märkten erfolgreicher", schreibt die DAB Bank. In einer vergleichbaren Untersuchung 2012 hätten beide Anlegergruppen noch gleichauf gelegen.

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Für die Untersuchung wurden rund eine halbe Million Privatanlegerdepots der Münchener Bank ausgewertet. Auch in Sachen Depotstruktur gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Während der Anteil an Einzelaktien bei Männern etwas höher ist, setzen Frauen etwas lieber auf Investmentfonds. Ihr Anteil liegt in den weiblichen Depots bei 37,2 Prozent, bei ihren männlichen Kollegen sind es nur 33,1 Prozent. Frauen schätzen an den Fonds die breitere Risikostreuung im Vergleich zur Einzelaktie.

Auffällig ist auch, dass Männer im untersuchten Zeitraum deutlich aktiver waren was ihre Depotpflege angeht. Für 2013 fielen im Schnitt 7,8 Transaktionen bei Männern an, bei Frauen waren es nur 3,8. Im volatileren Börsenjahr 2014 waren beide Geschlechter aktiver am Markt, das Verhältnis blieb aber in etwa ausgeglichen.

Schulden werden zunehmend toleriert

So konservativ wie bei Aktien sind die deutschen Sparer beim Thema Schulden offenbar nicht mehr. Mehr als die Hälfte der Deutschen findet, dass Schulden mittlerweile weit verbreitet und normal seien, zitiert die "Welt" aus einer Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid im Auftrag des Inkassounternehmens KRUK erstellte.

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