_

Geldanlage: Erst gelockt, dann abgezockt

von Daniel Schönwitz

Politiker und Lobbyisten fordern Steueranreize für grüne Investments. Warum das ein Irrweg ist – und weshalb Investoren nie auf staatliche Zusagen vertrauen dürfen.

Anzeige
Vorsicht bei Subventionen - Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Staat seine Versprechen immer wieder bricht. Quelle: Illustration: Thomas Fuchs
Vorsicht bei Subventionen - Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Staat seine Versprechen immer wieder bricht. Quelle: Illustration: Thomas Fuchs

Es scheint eine wahre Wunderwaffe zu sein, die Politiker und Lobbyisten da anpreisen: Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) bezeichnet sie als „exzellente Option“. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) lobt ihre „Motivationskraft“. Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, prognostiziert eine „sehr positive“ Reaktion der Bürger. Auch Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur, hat sich als Befürworter geoutet.

Die Rede ist von Steueranreizen für energieeffiziente Gebäudesanierungen, vor allem für das Dämmen von Wänden und Dächern. Es könnte auch um die Förderung für Elektroautos oder um Ökostrom gehen. Wann immer Politiker grüne Ziele verfolgen, nehmen sie das Steuerrecht ins Visier, um Bürger durch die Aussicht auf eine Steuerersparnis zum Handeln zu bewegen.

Spritverbrauch senken? Da brauchen wir Vorteile für umweltfreundliche Dienstwagen. Sauberer Strom? Lasst uns Solaranlagen fördern. Energieeffiziente Gebäude? Her mit großzügigen Abschreibungsmöglichkeiten für Immobiliensanierer.

Solche Maßnahmen sind gefährlich, denn Steueranreize können gewaltige Fehlallokationen auslösen. Zudem zeigt die Erfahrung, dass der Staat seine Versprechen immer wieder bricht, indem er Steuervorteile nachträglich aberkennt und auf diese Weise die Kalkulation von Investoren über den Haufen wirft. Für Anleger bedeutet das: Sie dürfen niemals allein auf staatliche Förderung bauen. Wer also ein Haus sanieren will, sollte sicher sein, dass sich das Investment auch ohne fiskalischen Bonus rechnet.

Worauf Anleger achten sollten

  • Solarfonds

    Einspeisevergütungen könnten gekappt werden - wie zuletzt in Spanien. Anleger sollten nachhaken, was Rückgänge für die Rendite bedeuten würden.

  • Windfonds

    Windstärken sind schwer vorherzusagen. Fonds sollten mehrere Gutachten eingeholt und mit der niedrigsten Windprognose kalkuliert haben.

  • Biogasfonds

    Eine Gefahr sind steigende Preise für Materialien wie Holz oder Mais. Anleger sollten die Kalkulation prüfen, indem sie die prognostizierten Einkaufspreise mit den aktuellen Preisen vergleichen.

  • Genussrechte

    Wer sich per Genussrecht an Projekten beteiligt, wird im Pleitefall erst nach den Gläubigern bedient. Dies relativiert die üppigen Zinsversprechen in der Werbung.

Iberische Subventionskeule

Was es heißt, wenn der Staat plötzlich Zusagen zurückzieht, erleben gerade Tausende Anleger, die ihr Geld in spanische Solarfonds gesteckt haben. Laut einer Analyse der Ratingagentur Feri haben deutsche Fondsanbieter 2010 über 118 Millionen Euro für Solarprojekte auf der Iberischen Halbinsel eingesammelt. Auch weil satte Zuschüsse vom Staat winkten. Ein todsicheres Investment, so schien es.

Ein teurer Irrtum. Trotz zahlreicher Dementis kappte die Regierung des schuldengeplagten Süd-Staates Ende 2010 die garantierte Einspeisevergütung für Fotovoltaikstrom durch mehrere komplizierte Detailregelungen: Dadurch sank die Zahl vergüteter Betriebsstunden – auch für Kraftwerke, die bereits am Netz waren.

Betroffen ist der „Nachhaltigkeitsfonds 01“ des Berliner Emissionshauses White Owl Capital (WOC), in den rund 1.000 Anleger mehr als 27 Millionen Euro investiert haben. 30 Prozent des Portfolios von Anlagen, die der Fonds gekauft hat, liefern vorerst geringere Erträge. WOC rechnet bei ihnen mit „Mindereinnahmen von rund 15 Prozent“ in den Jahren 2011 bis 2013. „Mit der Änderung hat Spanien die Anlegerrechte verletzt und das Vertrauen internationaler Investoren zerstört“, kritisiert WOC.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 05.01.2012, 14:36 UhrAnonymer Benutzer: samsamdonnerstag

    dann haben die Subventionen für Solarstrom, die wir Endverbraucher im Umlageverfahren zahlen ja gute Aussichten zu bestehen,obwohl das - der erzeugte Strom wird nur zu einem Bruchteil genutzt - ökologischer Unsinn ist und nur diverse Her- und Aufsteller sowie einige Fondsinitiatoren beglückt. Da ich den Politikern - und dem Beamtenapparat im Hintergrund - nicht Unfähigkeit unterstelle, scheint der Lobbyismus zu gut zu arbeiten.

  • 05.01.2012, 12:22 UhrAnonymer Benutzer: Esboern

    Wieder ein Steuersparmodell unseres Staates der Fondsinitiatoren u. Banken, zum Abzocken der Anleger, wie es unsere 4 etablierten Parteien seit 25 Jahren initieren. Die Anleger erleiden dabei meist Totalverlust.

  • 05.01.2012, 11:11 UhrAnonymer Benutzer: SmartStrategie

    Ein Geheimtipp unter Anlegern sind die Arbitragen von http://www.smartstrategie.com
    Zu den vielen Vorzügen zählen die steuerfreien Gewinne, die hohen Renditen, sehr kurze Kapitalbindung, etc.

Alle Kommentare lesen

Blogs

Kurze Erholung läuft
Kurze Erholung läuft

Bei 6200 gelingt dem Dax eine Stabilisierung. Sie kann die Notierungen bis in den Juni hinein steigen lassen. ...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.