Geldanlage in der Krise: "Die Turbulenzen werden zurückkehren"

Geldanlage in der Krise: "Die Turbulenzen werden zurückkehren"

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Joachim Paul Schäfer rechnet damit, dass die Turbulenzen in den kommenden drei Wochen zurückkehren

von Stefan Hajek

Vermögensverwalter Joachim Paul Schäfer kennt sich aus in Griechenland. Er ist nach der Wahl nicht euphorisch, warnt aber vor Panikmache. Über drohende Kursverluste und was er Anlegern jetzt rät.

WirtschaftsWoche: Herr Schäfer, Sie gehören zu den erfahrensten Geldanlage-Managern Deutschlands. Haben sie eine so tiefe Verunsicherung der Anleger wie in den vergangenen Wochen schon einmal erlebt?

Schäfer: In außergewöhnlichen Situationen neigen die meisten Menschen zur Dramatisierung, im Nachhinein sieht es oft weniger schlimm aus, als es in der jeweiligen Situation selbst erschien, dennoch muss ich sagen: Nein, eine so tiefgehende Verunsicherung breiter Anlegerschichten wie zurzeit haben wir noch nicht erlebt.

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Welche Ängste plagen die Anleger konkret?
Das geht von einer allgemeinen, diffusen Unsicherheit über die Stabilität des Euro bis zu Extremszenarien wie DM-Rückkehr, Währungsreform und Hyperinflation, die wir immer öfter diskutieren müssen. Viele sind sich mehr oder weniger sicher, dass das Ende des Euros naht, haben aber keine konkrete Vorstellung davon, wie das aussehen soll. So eine Situation ist natürlich auf Dauer schwer erträglich. Leider spielen auch Teile der Medien eine unrühmliche Rolle, die eher zur Verunsicherung als zur Aufklärung beitragen. Die meisten unserer Kunden sind allerdings relativ ruhig, da wir frühzeitig in risikoarme Anlagen umgeschichtet haben.

Halten sie denn solche Szenarien nicht für denkbar?

Für denkbar schon, aber auch für alles andere als wahrscheinlich.

Was bedeutet der Ausgang der Wahl in Griechenland am Wochenende nun für den Euro?

Zunächst überwiegt die Erleichterung, aber es gibt noch keine, auch nur im Ansatz tragfähige Lösung der Probleme. Ich rechne damit, dass die Turbulenzen in den kommenden drei Wochen zurückkehren.

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Was, wenn Griechenland die Euro-Zone verlässt? Wo sind Ersparnisse noch sicher? Was könnten EZB und Politik noch tun? Lohnen Aktien, Gold oder Ferienhäuser in Spanien? Antworten auf zehn brennende Fragen.

Feuerwehrmann hält Fahne mit Euro-Zeichen in der Hand Quelle: AP

Wieso das?

Egal, welche Regierungskoalition nun in Griechenland zustande kommt, im Moment sieht es ja nach einer eher eurofreundlichen Variante aus. Sie wird gegenüber EU und Troika nachverhandeln, denn sie hat gar keine andere Wahl. Die derzeitigen Bedingungen würgen das letzte bisschen griechische Wachstumspotenzial ab; so oder so hat Griechenland ab etwa Mitte Juli kein Geld mehr; dann werden die Deutschen und die EU mit ihnen verhandeln müssen, ob sie wollen, oder nicht. Griechenland hat dabei eine bessere Verhandlungsposition als viele denken, denn eine Rückkehr zur Drachme wollen die EU-Politiker unter allen Umständen verhindern.

Wäre sie denn wünschenswert aus Anlegersicht?

Aber nein! Der Euro kommt uns wohl noch teuer, aber die Drachme wäre für Deutsche, Holländer oder Franzosen noch viel teurer

Dennoch: Es mehren sich die Stimmen, die lieber ein Ende mit Schrecken als einen Schrecken ohne Ende wollen: sprich: einen Austritt Griechenlands befürworten.

Damit muss man vorsichtig sein; das könnte einen furchtbaren Schock für das Finanzsystem bedeuten. Der Interbankenmarkt könnte einfrieren und die Wirtschaft erneut ins Bodenlose taumeln. Außerdem würde das die Spekulation gegen andere schwache Länder wie Irland und Portugal wohl erst richtig befeuern, denn aus Sicht der Spekulanten heißt das: warum sollte nicht wieder funktionieren, was schon einmal geklappt hat? Die Probleme würden nicht kleiner, sondern eher schlimmer.

War der so genannte GREXIT, der Austritt der Griechen aus dem Euro, nicht schon in den Marktkursen drin? Überraschen kann er doch nach den vergangenen Wochen niemanden?

Das denke ich schon; ganz sicher haben die Marktteilnehmer dieses Szenario längst auf dem Radar gehabt; dennoch ist bei allen die Angst vor einem Dominoeffekt oder einem chaotischen Ablauf dieses Grexits sehr groß. Dann könnte es durchaus noch einmal zu sehr schmerzhaften Verlusten am Aktien- und auch Anleihemarkt kommen.

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