Geldanlage: Was Risikostreuung so schwierig macht

KommentarGeldanlage: Was Risikostreuung so schwierig macht

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Bei der Geldanlage soll Risikostreuung mögliche Verluste begrenzen - ähnlich wie im Casino die Verteilung der Einsätze

Die zurückliegende Weltfinanzkrise hat nicht nur unser Bankensystem geschwächt und zahlreiche Volkswirtschaften in die Knie gezwungen. Die Turbulenzen forderten auch noch ein weiteres, wenig beachtetes Opfer: Die Finanzwissenschaft, deren Theorien das ganze Fiasko erst ermöglichten. 

Seit den Arbeiten des US-Ökonomen und Nobelpreisträgers  Harry Markowitz in den 1950er-Jahren ist die Physik das Vorbild der Finanzwissenschaft. Das Handeln an der Börse wurde mathematisch modelliert, so als gäbe es dort keine Unvernunft. Märkte galten als weitestgehend effizient.

Als Risikomaß zog die Theorie die Schwankungsintensität eines Wertpapiers heran – und brachte etwa das Risikomaß des „Value at risk“ hervor, dass die Wahrscheinlichkeit von Kursschwankungen in eine Zahl goss. Die Lehrstühle wurden und werden bevölkert von Finanzwissenschaftlern, die derartiges gelernt und gelehrt haben. Bei den meisten Praktikern gelten die althergebrachten Modelle heute als überholt. Neue und fortschrittliche Ansätze lassen jedoch auf sich warten. 

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Foto des Grafen von Wallwitz

Georg Graf von Wallwitz ist Fondsmanager der Phaidros Funds und Geschäftsführer der Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement GmbH


Messen lassen sich nur die Volatilitäten der Vergangenheit

Die Rezession der Jahre 2008/2009 förderte noch weitere Mängel zutage. So wurde endgültig klar, dass ein großer Teil des Finanzsystems eben nicht auf der Grundlage gleicher öffentlicher Informationen funktioniert. Im Gegenteil: Ein guter Teil der Investmentbanken war mit der Verschleierung von Informationen beschäftigt.

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Studenten der BWL in einer Statistik-Vorlesung. Die reine Modelltheorie hat inzwischen oftmals ihre einstige Vormachtstellung verloren. Quelle: dpa

Eine weitere Erkenntnis lautete, dass die Risikoprämie von Aktien gegenüber Anleihen keineswegs zu höheren langfristigen Renditen führen muss. Im März 2009 – als der US-Index Dow Jones einen neuen Tiefpunkt marktierte - konnte man beispielsweise feststellen, dass es über einen 40-Jahres-Zeitraum besser gewesen wäre, in US-Staatsanleihen zu investieren als in Aktien. 
Letztendlich hatte die Finanzwissenschaft einen wenig zukunftsträchtigen Risikobegriff entwickelt. In der Theorie ist Risiko gleichbedeutend mit Volatilität – ein Begriff, der sich mathematisch erfassen und damit in ein Theoriegebäude einpassen lässt. Mit Volatilität hat Risiko in der Praxis jedoch wenig zu tun.

Es waren gerade die auf eine geringe Volatilität hin konstruierten Strukturen wie beispielsweise CDOs mit lupenreinem AAA-Rating, die das Finanzsystem im Jahr 2008 an den Rand des Abgrunds führten. Heute ist uns bewusst, dass Volatilitäten stark schwanken können. Messen lassen sich jedoch immer nur die Volatilitäten der Vergangenheit, nicht die theoretisch denkbaren zukünftigen Volatilitäten. 

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