Geldanlage: Wie der Staat die Rendite killt

Geldanlage: Wie der Staat die Rendite killt

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Deutsche Aktien unter dem Einfluss des Staates

von Christof Schürmann und Hauke Reimer

Die Politik entscheidet immer mehr über den Erfolg von Aktieninvestments. Sie steuert massiv, in was die Deutschen investieren. Warum die Ergebnisse enttäuschen, wie Anleger ausweichen.

Wenn Lukas Podolski demnächst tatsächlich für 13 Millionen Euro vom 1. FC Köln zu Arsenal London wechseln sollte, hätte Sonnenkönig Frank Asbeck endlich mal wieder ein gutes Geschäft gemacht. Vor knapp drei Jahren hatte der Chef der Bonner Solarworld geholfen, Prinz Poldi vom FC Bayern zurück an den Rhein zu holen. Nun winken auf seinen Anteil von gut einer Million Euro knapp 30 Prozent Rendite. Im Kerngeschäft läuft’s weniger gut: Asbecks Solarworld hat seit Sommer 2009 rund 80 Prozent an Wert verloren, sein 28-Prozent-Paket sackte von 547 auf 97 Millionen Euro. Auf das Solarworld-Geschäft drückt, dass die Politik die Solarsubventionen heftiger als erwartet gesenkt hat – und die unangenehme Tatsache, dass eben auch andere Länder ihre Solaranbieter subventionieren, allen voran China.

Die abrupten Kursstürze der Solaraktien zeigen beispielhaft, dass Anleger, die in von staatlichen Eingriffen geprägten Branchen investieren, oft unkalkulierbare Risiken eingehen. Das gilt für Aktien von Energieversorgern über die Luftfahrt bis hin zur Pharmaindustrie (siehe Bildergalerie). Betroffen sind aber nicht nur Aktionäre, sondern auch Anleger, die mit Steueranreizen in Immobilien oder Filmfonds gelockt wurden. Durchschnittssparer, die bei ihrer Altersvorsorge auf staatlich geförderte Riester-Renten und steuerbegünstigte Lebensversicherungen setzen, riskieren zwar, anders als Aktionäre oder Fondsanleger, keinen Totalverlust, leiden wegen der Gängelung durch den Staat aber unter oft unterdurchschnittlichen Renditen.

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Grafik Aktienkurse der Solarbranche

Aktienkurse der Solarbranche / Einspeisevergütung (Klicken Sie auf die Grafik, um eine vollständige Ansicht zu erhalten)

Aktien: Ohne Eingriffe kommt keiner davon

742 von 1400 Managern, die die Berater von McKinsey weltweit befragten, halten Beschlüsse von Regierungen und regulatorische Eingriffe für den zweitwichtigsten Faktor, der Umsätze und Gewinne in den kommenden drei bis fünf Jahren bestimmen wird. Wichtiger seien – immerhin – nur noch die Kunden. Die Mehrheit erwartet, dass der Staat sich noch stärker in ihre Branche einmischen wird.

„Typischerweise sind aber selbst erfolgreiche Manager durch ihre Ausbildung nicht auf regulatorische Fragen vorbereitet“, sagt McKinsey-Direktor Andre Dua. Wenn Top-Manager dann keinen Ausweg finden, leiden die Anleger. So hat die im April anstehende Kürzung der Stromvergütung für neue Solaranlagen den Aktien der Branche einen weiteren Schlag versetzt – die Papiere notieren an ihren Allzeittiefs (siehe Grafik).

Gewinne weniger aus eigener Leistung

Kein Wunder. Denn die Gewinne stammten über Jahre weniger aus eigener Leistung, sondern aus den Taschen der Stromkunden. Ein Durchschnittshaushalt zahlte 2009 pro Monat gut drei Euro EEG-Umlage für erneuerbare Energien, heute sind es knapp elf Euro. Die Solarbranche warnt inzwischen vor einem Umsatzrückgang von 75 Prozent.

Viele in fetten Jahren träge gewordene Vorstände schafften es nicht, das Ruder herumzureißen. Die Bitterfelder Q-Cells etwa fuhr 2011 mit 846 Millionen Euro einen Verlust annähernd auf Höhe des Jahresumsatzes von gut einer Milliarde Euro ein. Die Aktie, 2005 zu 38 Euro an die Börse gebracht und bis Ende 2007 auf 98 Euro geklettert, notiert heute bei 25 Cent. Anleger konnten während der Förder-Orgie des Bundes also prima verdienen – sie durften eben nur den Absprung nicht verpassen. Politische Entscheidungen können den Erfolg von Unternehmen deutlich abrupter verändern als Innovationen, Verbrauchsgewohnheiten oder Konjunktur.

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