Gläubigerversammlung: Wer gewinnt die Schlacht um Prokon?

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Gläubigerversammlung: Wer gewinnt die Schlacht um Prokon?

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Auf der Gläubigerversammlung wird darüber gestritten, wie es mit dem insolventen Windparkbetreiber Prokon weitergeht.

von Saskia Littmann

Die Gläubigerversammlung entscheidet darüber, wie es mit dem Windparkbetreiber Prokon weitergeht. Der vorläufige Höhepunkt einer einzigartigen Schlammschlacht.

Es ist ein Kampf mit zwei Protagonisten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Hier der nüchterne Rechtsanwalt mit kurzem, dünnen Haar, dunklem Anzug und Krawatte. Dort der selbsternannte Öko-Pionier mit grauem, zum Zopf geflochtenen Haar, der am liebsten kariertes Hemd und wattierte Weste trägt.

Doch auf der heutigen Gläubigerversammlung des insolventen Windparkbetreibers Prokon werden sich Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin und Ex-Prokon-Chef Carsten Rodbertus wieder begegnen - und gegeneinander um die Stimmen der Anleger kämpfen.

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In den vergangenen Wochen wurde der Kampf zum regelrechten Showdown. Noch in der Nacht zu Montag meldete sich Rodbertus bei den Prokon-Anlegern und warb um seine Sicht der Dinge. In einer E-Mail, die WirtschaftsWoche Online vorliegt, bedankt sich Rodbertus nicht nur bei denen, die seinem Mitstreiter Alfons Sattler eine Vollmacht erteilten. Der Prokon-Gründer nutzt außerdem die Gelegenheit, Stimmung gegen Penzlin zu machen. Dieser verletzte "massiv" seine Neutralitätspflicht, schreibt Rodbertus, und kämpfe um "seinen millionenschweren Auftrag".

Sattler gilt als eine Art Mittelsmann von Rodbertus. Denn dieser kann aufgrund einstweiliger Verfügungen und Ermittlungen gegen ihn nicht selber die Interessen der Gläubiger vertreten. Dennoch ist klar, dass Rodbertus die Zügel der "Arbeitsgemeinschaft für eine lebenswerte Zukunft von Prokon" in der Hand hält.

Genussscheine: Die wichtigsten Merkmale im Überblick

  • Allgemeines

    Für ein Renditeplus müssen Käufer von Genussscheinen einige Risiken übernehmen. Um einen Blick in den Prospekt kommen Käufer nicht herum. Genussscheine gibt es entweder mit fester oder mit unbegrenzter Laufzeit. Die Ausschüttung ist selten fix, sondern fast immer erfolgsabhängig; dabei gibt es Papiere mit und ohne Mindestverzinsung sowie mit variabler Verzinsung. Einige können später in Aktien gewandelt werden.

  • Rendite hängt am Gewinn

    Die Ausschüttung auf einen Genussschein hängt vom Jahresergebnis des Unternehmens ab. Der Zins wird nach der Hauptversammlung oder der Sitzung, in der Gewinn und Dividende festgestellt werden, ausgezahlt. Ausgeschüttet wird nur, wenn das Unternehmen einen ausreichenden Jahresüberschuss oder Bilanzgewinn erwirtschaftet. Maßgeblich dafür sind die Bilanzen nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB), nicht solche nach internationalen Rechnungslegungsregeln. Bei einem Verlust nach HGB kann die Ausschüttung ausfallen.

  • Keine Stückzinsen

    Anders als bei Anleihen bezahlen Anleger keine Stückzinsen, in denen anteilig kommende Zinszahlungen des laufenden Jahres vorweggenommen werden. Denn der Ausschüttungsanspruch ist ja, anders als bei festverzinslichen Anleihen, nicht fix. Bei börsengehandelten Papieren spiegelt der Kurs die Erwartungen an die Ausschüttung zeitanteilig wider. Deutet sich etwa wegen Verlusten zum Halbjahr ein Ausfall der Ausschüttung an, fällt der Kurs. Am Ausschüttungstag reduziert sich der Kurs um die ausgezahlte Summe.

  • Rendite kann wackeln

    Renditeberechnungen analog zu denen von Anleihen sind nur bei Papieren mit festgelegter Ausschüttung und vorab fester Laufzeit möglich – und nur, wenn kein Ausfall des Zinses unterstellt wird. Zinsausfälle oder -reduzierungen sollten Investoren aber ins Kalkül ziehen. Anleger lassen sich also auf eine Wette ein. Die Rückzahlung eines Genussscheins erfolgt meist zum Nennwert. Genussscheine sind meist mit Kündigungsrechten zugunsten der Unternehmen und häufig zusätzlich mit solchen zugunsten der Inhaber ausgestattet. Zudem gibt es Sonderkündigungsrechte der Unternehmen, etwa für den Fall, dass sich steuerliche Rahmenbedingungen ändern.

  • Mehr Risiko, mehr Ertrag

    Wegen ihrer komplexen Konstruktion und größerer Risiken versprechen Genüsse höhere Renditen als Spargelder und viele Anleihen. Ähnlich wie bei Anleihen tragen Anleger ein Bonitätsrisiko: Verschlechtert sich die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens, fallen die Kurse. Hinzu kommt das Zinsänderungsrisiko: Steigen die Zinsen deutlich, werden neue Anleihen mit guter Bonität attraktiver. Ältere Genussscheine verlieren dagegen an Attraktivität. Je stärker das Zinsniveau steigt und je länger die Restlaufzeit des Genussscheins ist, desto mehr verliert er an Wert.

  • Nachzahlung ist drin

    Da die Ausschüttung von Genussscheinen direkt an Gewinne des Emittenten gebunden ist, droht ein Ausfall der Zahlung bei Verlusten. Erreicht das Unternehmen nach Verlusten wieder die Gewinnzone gibt es bei vielen Scheinen einen Anspruch auf Nachzahlung. Dieser gilt allerdings nur während der Laufzeit. Kehrt ein Unternehmen erst in die Gewinnzone zurück, nachdem ein Genussschein bereits wieder zurückgezahlt worden ist, besteht kein Anspruch auf Nachzahlung. Verluste des Unternehmens können bei einigen Scheinen sogar zu einer Aussetzung oder Reduzierung der Rückzahlung führen. Bei Pleiten haben Genussscheininhaber mehr Ansprüche als Aktionäre, stehen aber in der Schlange der Anspruchsberechtigten hinter allen anderen Gläubigern. Oft bekommen sie gar nichts.

  • Dünner Börsenhandel

    Auch börsennotierte Genussscheine werden seltener gehandelt als viele Aktien. Dementsprechend lassen sie sich nicht immer im Handumdrehen verkaufen. Bei nicht börsennotierten ist der vorzeitige Verkauf nahezu unmöglich.

Widerruf des Widerrufs

Außerdem räumt Rodbertus in seinem Schreiben ein, dass etwa 800 Anleger ihre Vollmacht für Sattler wieder zurückgezogen haben, "weil sie sich von den unzutreffenden und falschen Aussagen des Herrn Dr. Penzlin verunsichern lassen haben", wie Rodbertus es formuliert. Dank eines mitgeschickten Formulars sei aber der Widerruf des Widerrufs möglich.

Verständlich, denn für Rodbertus zählt jede Stimme - auch die bereits verloren gegangenen. Ob die Widerrufe auch mit dem Bericht der "Bild-Zeitung" Ende der vergangenen Woche zusammenhingen, erläutert Rodbertus in seiner E-Mail nicht. Das Blatt hatte ein Foto veröffentlicht, auf dem ein halbnackter Rodbertus auf einer Betriebsfeier einer Partnerfirma eine ebenfalls nur leicht bekleidete Frau in den Armen hält. Stattdessen versucht Rodbertus den Anlegern Hoffnung zu machen. Der ehemalige Oberstaatsanwalt Dieter Graefe habe angekündigt, Sattler während der Versammlung zur Seite zu stehen.

Insolvenz angemeldet Der Traum der Prokon-Anleger ist zerplatzt

Die Befürchtungen der Anleger sind wahr geworden, Prokon musste Insolvenz anmelden. Der Insolvenzverwalter will den Geschäftsbetrieb zunächst fortführen. Was als nächstes passiert und welche Rechte Anleger haben.

Das Logo des Itzehoer Unternehmens. Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Öffentliche Schlammschlacht

Schon in den Tagen zuvor schwappte die Schlammschlacht zwischen Prokon-Gründer Rodbertus und Insolvenzverwalter Penzlin von einem Höhepunkt zum nächsten. Insbesondere Rodbertus versucht mit allen Mitteln, gegen Penzlin Stimmung zu machen und Inhaber von Genussrechten auf seine Seite zu ziehen. Penzlin erklärte dazu gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: "Inhalt und Form der Vorhaltungen von Herrn Rodbertus werden immer unsachlicher. Ich werde hierzu derzeit keine Stellung mehr beziehen."

Rodbertus wirft Penzlin vor, ihn öffentlich als Feindbild dargestellt zu haben. Penzlin wolle, so Rodbertus wörtlich, die "Gläubigerversammlung ad absurdum führen". Seiner Arbeitsgemeinschaft für eine lebenswerte Zukunft von Prokon liege ein Schreiben vor, wonach Penzlin versucht habe, Sattler von den Abstimmungen auszuschließen. Dieser sei irrational und für einfachste Tätigkeiten des täglichen Lebens ungeeignet.

Scharfe mutmaßliche Vorwürfe, auf die Rodbertus ebenso scharf reagiert. "Die Äußerungen von Herrn Dr. Dietmar Penzlin sind von tiefster menschlicher Verachtung geprägt und verletzten die Persönlichkeitsrechte von Herrn Alfons Sattler massiv", erklärt Rodbertus' Arbeitsgemeinschaft. "Herr Dr. Penzlin: Ihre Äußerungen sind menschenverachtend" heißt es dort.

Ob das zuständige Insolvenzgericht dieser möglichen Ausschluss-Aufforderung Penzlins nachkommt, ist fraglich. "Dann würden die Stimmrechte von 14.000 Anlegern unberücksichtigt bleiben, die erneut auf falsche Versprechungen von Carsten Rodbertus hereingefallen sind", sagt der Bonner Anlegeranwalt Marc Gericke, der ebenfalls einige Anleger auf der Gläubigerversammlung in den Hamburger Messehallen vertreten wird. Es sei daher unwahrscheinlich, dass das Gericht diese Anleger einfach von der Abstimmung ausschließe.

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