Gold-Crash: Die Angst vor der Zinswende

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Gold-Crash: Die Angst vor der Zinswende

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Goldbarren in Korea.

von Martin Gerth

Die Skepsis gegenüber Gold wächst. Viele Börsenprofis halten das Edelmetall als Krisenversicherung für überflüssig und streichen es aus ihren Depots. Doch ganz auf Gold zu verzichten wäre voreilig.

Derzeit überbieten sich die großen Investmentbanken in düsteren Prognosen für Gold. Ganz vorn ist derzeit Morgan Stanley, das einen Goldpreis von 800 Dollar je Unze für möglich hält. Gold wäre dann auf das Niveau von 2008 zurückgeworfen. Bei vielen Börsenprofis herrscht Endzeitstimmung: Vermögensverwalter wie Sal. Oppenheim und die Hamburger Bank Donner & Reuschel entfernen Gold aus den Depots ihrer Kunden.

Die Zocker an den Terminmärkten wetten mehrheitlich auf einen weiter sinkenden Goldpreis. Börsennotierte Indexfonds auf den Goldpreis haben im Juli sechs Milliarden Dollar verloren.

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Wie konnte das passieren? Das werden sich jetzt viele Gold-Fans fragen. In Griechenland schwelt die Euro-Krise weiter, in der Ukraine wird Krieg geführt und Chinas Wirtschaftsmotor stottert. Eigentlich sind das ideale Bedingungen für einen steigenden Goldpreis. Stattdessen kommt die psychologisch wichtige Marke von 1000 Dollar immer näher.

Krisenmetall Gold bleibt die Währung der letzten Instanz

Gold hat am Montag zwar einen Kurssturz erlitten. Dennoch gilt es als sicherer Hafen, der Preis hat etwa kaum auf die Griechenland-Krise reagiert. Warum der Besitz von Münzen und Barren für Anleger unverzichtbar bleibt.

Gold in kleinen Barren und Münzen ist bei Anlegern beliebt. Quelle: imago

Für die Talfahrt gibt es mehrere Gründe. Viele Anleger lassen sich von den aktuellen Krisen kaum beeindrucken. Sie glauben nicht mehr an Gold als Krisenversicherung. Genauso wenig suchen sie das Edelmetall als Inflationsschutz. Die viel beschworene Hyperinflation blieb trotz Rekordschulden und Geldschwemme der Notenbanken bisher aus.

Gold ist in einer psychologischen Krise, die durch die Angst vor der Zinswende in den USA verstärkt wird. Weil Gold keine Zinsen abwirft, verliert es mit der Aussicht auf höhere Renditen bei Anleihen an Anziehungskraft. Tatsächlich ist es nicht mehr als eine Aussicht. „Anleihen mit längeren Laufzeiten werden anfangs kaum höhere Zinsen abwerfen“, sagt Eugen Weinberg, Chef-Rohstoff-Analyst der Commerzbank. Die Angst der Anleger vor der Zinswende sei psychologisch und nicht fundamental begründet.
Nur weil viele Anleger die aktuellen Krisen nicht sehen wollen, werden sie nicht verschwinden. So warnt Rohstoff-Guru Jim Rogers in der aktuellen Ausgabe der WirtschaftsWoche vor einem drohenden Konflikt zwischen China und den USA. Im pazifischen Raum hat sich das Klima zwischen China seinen unmittelbaren Nachbarn und den Vereinigten Staaten spürbar verschlechtert. Gold ist eben auch eine Versicherung gegen Krisen, die wir übersehen oder deren Ausmaß wir unterschätzen.

Dass Gold derzeit so abgestraft wird, liegt auch daran, dass die Ansprüche an das Edelmetall zuletzt völlig überzogen waren. Nach dem Platzen der Internetblase 2001/2002 sowie der Finanzkrise 2008 sind Milliarden in Gold geflossen, in der Hoffnung, die Gewinne aus Goldinvestments mögen Verluste bei Aktiendeals wieder wettmachen. Auch Anleger, die Gold sonst eigentlich meiden, sind auf den fahrenden Zug aufgesprungen.

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Gold hat also schon lange vor dem aktuellen Crash seinen Charakter als Krisenversicherung für skeptische Anleger verloren. Es ist zum Spielzeug von Zockern geworden. So hat sich beispielsweise Hedgefondsmanager David Einhorn in diesem Jahr mit seinen Wetten auf einen steigenden Goldpreis kräftig verhoben: minus 16 Prozent.

Jetzt kommt die Quittung für die überhitzte Rally. Die aktuelle Krise hat auch etwas Gutes. Viele Investoren, die Gold nur opportunistisch gekauft haben, ziehen sich aus dem Markt zurück. Das spricht für eine stabilere Entwicklung und eine Rückkehr zu Gold als sicherem Hafen in Krisenzeiten. Da jedoch vielen Anlegern derzeit noch ein großes P wie Panik ins Gesicht geschrieben ist, werden sich Gold-Investoren auch in den kommenden Monaten auf unruhige Zeiten einstellen müssen.

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