Gold-Prognose für 2013: "Klares Aufwärtspotenzial für den Goldpreis"

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InterviewGold-Prognose für 2013: "Klares Aufwärtspotenzial für den Goldpreis"

von Andreas Toller

Gold kostet wieder so viel wie vor zwölf Monaten, dazwischen gab es heftige Schwankungen. Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank erklärt, was Marktakteure und Goldpreis antreibt.

WirtschaftsWoche Online: In der vorigen Woche war der Goldpreis kurzfristig eingebrochen. Was war passiert?

Eugen Weinberg: Es war wahrscheinlich keine falsche Order, sondern vermutlich sogar vorbereitet. Vor dem Einbruch wurden hohe Volumina an Put-Optionen gehandelt – mit denen Spekulanten auf einen fallenden Goldpreis setzen. Sie wurden im großen Stil gekauft und am gleichen Tag mit erheblichen Gewinnen wieder verkauft. Aber es gab auch allen Grund dazu, denn die Diskussion um die Fiskalklippe in den USA schien beendet. Das hätte zu einem Rückgang der Goldnachfrage geführt, die ja sonst mit wachsender Unsicherheit zunimmt. Aber genau werden wir das wohl nie erfahren, das ist überwiegend Spekulation. Der Einbruch beim Goldpreis war jedenfalls nicht fundamental, sondern technisch begründet.

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Die Goldnachfrage ist ja auch robust. Vor allem die börsennotierten Goldfonds, kurz Gold-ETCs oder –ETFs genannt,  verzeichnen Rekordbestände. Wie kommt das?

Eugen Weinberg

Eugen Weinberg leitet das Rohstoff-Research der Commerzbank.

Die Zunahme ist tatsächlich auffällig. Die ETCs haben in letzter Zeit große Zuflüsse verzeichnet und halten inzwischen mehr als 2600 Tonnen Gold. Das ist mehr, als die meisten Zentralbanken der Welt besitzen – mit Ausnahme der Bundesbank und der US-Notenbank Fed. Damit sind die Goldfonds eine ernstzunehmende Komponente im Markt. Schließlich müssen die ETC-Anbieter tatsächlich physisches Gold kaufen und hinterlegen.

Welche Investoren sind es denn, die die hohe Nachfrage bei ETCs ausgelöst haben?

ETCs sind für alle möglichen Investoren ein tolles Vehikel. Als Bank, Versicherung oder Pensionskasse kaufen sie ihr Gold nicht beim Händler. Auch an der Börse geht das nicht ohne Know-how und die entsprechende Lizenz. Gold-ETCs oder börsennotierte Goldfonds werden gekauft, weil es das einfachste für die Investoren ist. Sie müssen nicht auf Goldgewichte oder Zölle achten und können jederzeit wieder verkaufen. Das kann man mit einer Tonne Gold beim Händler an der Ecke kaum riskieren.

Der Edelmetallausblick 2013 der Commerzbank

  • Goldangebot

    Die Minenproduktion dürfte 2013 leicht steigen. Nennenswerte Produktionszuwächse soll es jedoch vor allem in China und Russland geben. Allerdings rechnen die Commerzbank-Analysten nicht damit, dass dieses zusätzliche Angebot auf die westlichen Märkte gelangt, weil in diesen Ländern zugleich die Nachfrage stark steigt. Die Goldproduktion in Südafrika leidet hingegen unter abnehmenden Erzgehalt, Streiks der Minenarbeiter und ansteigenden Kosten. Ein steigendes Angebot könnte es beim Altgold geben, das bereits für rund ein Drittel des Gesamtangebots steht.

  • Goldnachfrage der Verbraucher

    2012 hat die Nachfrage bislang abgenommen und wird aller Voraussicht nach am Jahresende untere unter der des Vorjahres liegen. Das wäre der erste Rückgang seit 2009. Nachdem die Nachfrage im zweiten Quartal ungewöhnlich schwach war, fiel sie im dritten Quartal wieder ungewöhnlich stark aus. Nach Steuererhöhungen und Rekord-Goldpreise in heimischer Währung lag die Nachfrage aus Indien bis Ende November 24 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das verlangsamte Wachstum in China bremste auch dort die Nachfrage um acht Prozent im dritten Quartal. Für 2013 rechnet die Commerzbank mit einer Belebung der Goldnachfrage aus Indien und China, die für etwa die Hälfte der globalen Goldnachfrage stehen.. In Indien sollten sich die Goldkäufer an das gestiegene Preisniveau gewöhnt haben, in China mehren sich die Anzeichen einer konjunkturellen Erholung.

  • Goldnachfrage der Investoren

    Die Nachfrage von Investoren sollte von im Umfeld niedriger oder sogar negativer Realzinsen von der Flucht in Gold als wertstabile Anlage und alternative Währung profitieren. Zuletzt war die Investorennachfrage rückläufig und lag im dritten Quartal neun Prozent unter dem Vorjahreswert. Gold-ETFs sollten jedoch wie im dritten und vierten Quartal weiter Zuflüsse verzeichnen. Unter Berücksichtigung der außerbörslichen Geschäfte, hat die Commerzbank für 2012 eine um sieben Prozent höhere Investmentnachfrage gegenüber 2011 errechnet.  Nachdem spekulative Investoren ihre Wetten auf einen steigenden Goldpreis deutlich reduziert haben, könnte ein Stimmungswechsel der kurzfristig agierenden Finanzanlegern den Goldpreis deutlich steigen lassen. Auch die Nachfrage nach Münzen und Barren sollte 2013 zulegen.

  • Goldnachfrage der Zentralbanken

    Noch im Sommer hielten sich die Notenbanken mit Goldkäufen zurück. Im dritten Quartal kaufte vor allem die Türkei Gold – hauptsächlich, weil dort die Zentralbank Gold von den Geschäftsbanken als Mindestreserve akzeptiert. Seit Oktober ziehen die Goldkäufe durch Zentralbanken allerdings spürbar an, allein in einem Monat flossen den Instituten netto 40 Tonnen Gold zu. Der World Gold Council rechnet damit, dass die Staaten und Notenbanken 2012 den Rekord-Nettokauf von 457 Tonnen im Jahr 2011 nochmals übertreffen. Damit würden die Zentralbanken bereits im vierten Jahr in Folge als Netto-Käufer auf dem Goldmarkt auftreten.

  • Goldpreis

    Der Goldpreis dürfte seinen Aufwärtstrend wieder aufnehmen. Hauptgründe dafür dürften den Commerzbank-Analysten zufolge die ultralockere Geldpolitik der Zentralbanken und geopolitische Risiken sein, die Gold als wertstabile Anlage und sicheren Hafen aufwerten. Seinen Aufwärtstrend Den Preis für eine Feinunze Gold in US-Dollar erwartet die Commerzbank im ersten Quartal bei 1950 Dollar, im zweiten Quartal bei nur 1900 Dollar und im dritten Quartal erneut bei 1950 Dollar. Für das Gesamtjahr 2013 rechnen die Experten auch mit einem Durchschnittspreis von 1950 Euro.

Auch Zentralbanken haben große Mengen Gold gekauft. Wenn die Nachfrage so hoch ist, müsste der Goldpreis doch eigentlich deutlich höher liegen.

Nicht unbedingt. Zum einen bilden sich die Preise für Gold nicht nur am physischen, sondern auch am Terminmarkt. Dort haben sich die Investoren eher zurückgezogen. Zum anderen ist die Schmucknachfrage im vergangenen Quartal sehr schwach gewesen. Das zeigen die Daten des World Gold Council. Offenbar hat hier die Nachfrage unter den hohen Preisen gelitten. Aber wir gehen langfristig davon aus, dass die Schmucknachfrage und die Höhe der Minenproduktion keine so große Rolle spielen. Vor allem die Nachfrage der Anleger wird die Preise beeinflussen. Gold entwickelt sich immer weniger wie ein Rohstoff und immer mehr wie ein Investment. Ähnlich wie Öl oder der Euro: Beides ist nicht knapp, ihre Preise können aber gegenüber anderen Anlagen durchaus steigen.

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