ThemaFonds & ETFs

Grauer Markt: Finger weg! Wo Sie besser nicht investieren sollten

01. Februar 2013
von Melanie Bergermann, Martin Gerth, Max Haerder, Matthias Kamp, Florian Zerfaß und Thesie Kness

Windige Unternehmer versprechen viel, um die Spargroschen deutscher Anleger zu bekommen: Produkte mit Inflationsschutz, bei hoher Sicherheit und auskömmlichen Renditen. Doch wahrscheinlicher ist, dass Anleger verlieren.

Die Gerbermühle in Frankfurt ist Literaturgeschichte: Goethe feierte hier seinen 66. Geburtstag; „wir aber wollen nach der Mühle wandern“, ließ er einen Osterspaziergänger im „Faust“ sagen. Heute locken hier ein edles Restaurant, ein Sommergarten unter Kastanienbäumen und ein kleines Hotel Gäste an. Goethe, die Nähe zum Main und der Skyline-Blick machen die Gerbermühle zu einem beliebten Ausflugsziel – und zu einem interessanten Objekt für Immobilienspekulanten. 2011 sicherte sich die Frankfurter S&K-Gruppe den denkmalgeschützten Bau.

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Mit Vorzeige-Investitionen wie dieser warben die Gründer und Chefs der Gruppe, der 33-jährige Stephan Schäfer und der 31-jährige Jonas Köller, bei Anlegern um Geld. Ein tolles Objekt, dessen Nutzen sich sofort erschließt: Steine und Ziegel statt Papiergeld und Bankenpleite – was soll da schiefgehen?

S&K hat leichtes Spiel

Auf ihrer Internet-Seite wirft S&K mit Superlativen um sich: Mehrere Tausend Mitarbeiter will die Gruppe inklusive ihrer Beteiligungen beschäftigen und Immobilien im Wert von über 1,7 Milliarden Euro verwalten.

Gesellschaften wie S&K haben derzeit leichtes Spiel. Die Deutschen fürchten sich vor Preissteigerungen, bei der Geldanlage sind Produkte, die Schutz vor Inflation versprechen, gefragt.

Doch was Sparern derzeit unter dem Deckmantel der „Sachwertinvestition“ ins Depot geschoben wird, ist oft schlimmer als jede Hyperinflation. Die WirtschaftsWoche hat einige der Antiinflationsprodukte, die aktuell an den Anleger gebracht werden sollen, geprüft: Vermeintliche Investitionen in Sachwerte entpuppen sich als hochriskant, kaum transparent und teuer. Im schlimmsten Fall wird nicht mal klar, ob alle Spargroschen der Anleger überhaupt investiert werden.

Übersicht zu den beliebtesten Investitionsobjekten deutscher Anleger (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)
Übersicht zu den beliebtesten Investitionsobjekten deutscher Anleger (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Bedenklich ist: Längst werden die dubiosen Produkte nicht nur an Großverdiener vertickt, sondern zunehmend auch an die, die ohnehin nicht viel haben. „Wir beobachten einen Trend hin zu immer kleineren Anlagesummen“, sagt Philipp Zmyj-Köbel, der die Abteilung für Kapitalmarktstrafsachen bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft leitet. Normalanleger aber sind mit den oft sehr komplexen Firmenstrukturen in der Regel überfordert.

Auch S&K ist eine für Laien schwer nachvollziehbare Firmenstruktur. Schäfer und Köller finanzierten die Immobiliengeschäfte ihrer Gruppe früher unter anderem dadurch, dass sie Anlegern Lebensversicherungen abkauften. Ende 2010 stellten sie das Geschäft ein: „Mit diesem Schritt distanziert sich die S&K Unternehmensgruppe von teils unseriösen Produktanbietern“, die das gesamte Geschäft in Verruf gebracht hätten, tönten die beiden.

Heute werben sie Gelder über Fonds wie den S&K Sachwerte Nr. 2 ein. Investoren erwerben Anteile an einem Fonds, der das eingezahlte Kapital als Darlehen an eine GmbH weiterreicht, die zur S&K-Gruppe gehört. Die GmbH soll für das Darlehen so hohe Zinsen zahlen, dass beim Anleger pro Jahr stolze zwölf Prozent hängenbleiben. Anleger erwerben hierbei keinen Anteil an einer Immobilie, sondern finanzieren mit einem Kredit die Geschäfte der GmbH aus dem S&K-Reich.

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Kommentare | 20Alle Kommentare
  • 23.12.2013, 16:08 UhrPro-Anleger

    Offensichtlich scheint ein Geschäftsmodell unter Ausschluss von Banken, ein "Fragwürdiges" für die Medien zu sein. In Zeiten wo fast jeden Tag Banken am Pranger stehen, wegen offenkundigen Betrug (vorzugsweise am Kunden), ist es doch bemerkenswert, warum ein Unternehmen gescholten wird, dass das Geld der Anleger in verschiedene Produktionsanlagen für die Stromerzeugung investiert, die auch noch staatl. gefördert werden. Kann das sein, dass so ein Modell Schule machen könnte, dass mehr an seine Anleger denkt, als die Mehrzahl der Banken und Versicherungen, die es nachweislich in den letzten Jahren nicht gemacht haben. Insofern verwundert es nicht sehr, dass regelmäßig über die Medien Ängste geschürt werden, obwohl die Vorwürfe eher auf Vermutungen formuliert sind. Wieviele andere Unternehmen geräten ins Zwielicht, wenn sie in der Investitionsphase Verluste schreiben? Prokon sollte offensiver Zahlen vorlegen und Transparenz vorleben, dann würden sich viele Vorwürfe wahrscheinlich in Luft auflösen.

  • 30.10.2013, 10:42 UhrBockholt

    Gemäß mir persönlich vorliegender schriftlicher Aussage eines PROKON-Mitarbeiters bezahlt PROKON aus dem Genussrechtskapital die Zinsen an die bisherigen Genussrechtsinhaber. Aus neu eingeworbenem Fremdkapital die Zinsen für das bisherige Fremdkapital zu zahlen, ist ein altes Finanz-Joungleur-Modell und kostet den Anleger wahrscheinlich in Kürze sein eingezahltes Kapital.
    Prof. H. Bockholt, Koblenz

  • 27.10.2013, 20:27 UhrRamos

    Ja ja der Andreas Brandl und der Reiner Hamberger
    die Abzocker ..... Es gilt Unschuldsvermutung
    www.diebewertung.de

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