Grauer Markt: Kanadische Ölfonds: Bizarre Truppe in der Prärie

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Grauer Markt: Finger weg! Wo Sie besser nicht investieren sollten

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Wo ist das Öl? Treuhänder Robert Hellmuth, Fondsanalyst Stephan Appel, ein Conserve-Oil-Mitarbeiter, Mittelverwendungskontrolleur Matthias Sdrenka und Vertriebsmann Jürgen Hainzl (von links nach rechts) bei ihrem Besuch in Kanada Mitte Januar 2013.

Kanadische Ölfonds: Bizarre Truppe in der Prärie

Wie eine dubiose Connection aus dem Umfeld von Milliardenpleitier Jürgen Hanne die Proven-Oil-Fonds aufzog.

Es war eine merkwürdige Reisegruppe, die vorletzte Woche durch die verschneite kanadische Prärie stapfte. Ihre Mission: Die WirtschaftsWoche zu widerlegen. Der Grund: ein Bericht über die Geschäfte des Ölfonds-Anbieters „Proven Oil Canada“.

Über ein Konzept, das verblüffend an mehr als 30 Jahre alte Ölfonds des Pleitiers Jürgen Hanne erinnert. Über undurchsichtige Gesellschafterstrukturen, und unklare jährliche Fördermengen.

Nun also machte sich Fondsanalyst Stephan Appel auf, das Gegenteil herauszufinden, er prüfte die Proven-Oil-Mutter Conserve Oil und stellte fest: Die Vorwürfe sind „substanzlos, diffamierend und dilettantisch recherchiert“.

"Mehr Neugier gewünscht"

Überraschend? Kaum. Flug und Hotel hat Proven Oil für Appel bezahlt, zudem bekommt er etwa 7.500 Euro Honorar. Begleitet wurde er von Robert Hellmuth und Matthias Sdrenka. Was die dort taten, war Appel selbst nicht ganz klar. „Der Part kritischer Nachfragen blieb im Wesentlichen mir überlassen“, teilte er zunächst mit. Am letzten Tag seien Sdrenka und Hellmuth Souvenirs kaufen gewesen. Zwei Tage später relativierte Appel: Er hätte sich „manchmal mehr Neugier gewünscht“, allerdings hätten die anderen „systemgemäß“ einen besseren Informationsstand als er.

Wer die Hintergründe von Sdrenka und Hellmuth kennt, wundert sich weniger als der Analyst. Sdrenka ist der Mittelverwendungskontrolleur für die acht Proven-Oil-Fonds, die von 11.000 Anlegern rund 300 Millionen Euro eingesammelt haben. Nur mit seiner Zustimmung dürfen Anlegergelder ausgegeben werden. Hellmuth verwaltet als Treuhänder die Beteiligungen etlicher Anleger, doch er steht auf Sdrenkas Payroll: Hellmuth ist Chef der „HanseVermögen Treuhand“, alleiniger Gesellschafter aber ist Sdrenka. Ein alter Bekannter des Hanne-Vertrauten Jürgen Hainzl – und stets beteiligt bei allen drei Versuchen, deutsche Anleger in Öl zu locken.

Drei Attacken

Im Oktober 2005 wird in Calgary, Kanada, die Conserve Oil Corporation gegründet. Zwei Wochen später folgt in Hamburg die Verwaltungsgesellschaft „Conserve Oil Canada“ und dann der Fonds „Conserve Oil Canada 1.“ Geschäftsführer ist Heinz S.* , er will seinen Steuerberater einschalten. „Jürgen Hainzl hat aber darauf bestanden, dass sein eigener Steuerberater die Prospekte macht“, sagt S. Dessen Name: Matthias Sdrenka. Sdrenka äußert sich wegen beruflicher Verschwiegenheitspflicht nicht. Auch Hainzl sagt nichts, zuvor hatte er eine Verbindung zu den Firmen bestritten.

Die Investmentidee, eine Raffinerie zum Cracken von Altöl zu errichten, lebte nur kurz. Das Geld war schnell alle, berichtet S. Mehrere Personen, darunter Jürgen Hainzl, hätten einen aufwendigen Lebensstil gepflegt. „Hainzl bekam ein Auto gestellt und pro Monat mehrere Tausend Euro in bar. Dazu kamen ständige Reisen nach Kanada“, so S. Der Grund für die Barzahlungen: „Hainzl stand damals mit dem Rücken zur Wand.“ Kurz vor der Pleite. Auch zu Barzahlungen will Hainzl sich nicht äußern. Im Frühjahr 2006 war das Startkapital aufgebraucht. S. stieg aus.

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Der zweite Anlauf startet im Juni 2006 mit Gründung der Conserve Oil Verwaltungs GmbH in Berlin. Geschäftsführer ist Thomas W.*, der beim Hainzl-Vertrieb in den Neunzigerjahren Hanne-Fonds vermarktet hatte. Zusätzlich werden fünf Fondsgesellschaften eingetragen. Gründungskommanditist von einer ist Greg T.*, ein Berliner Anwalt und Notar, der Ende 2012 wegen Veruntreuung von Mandantengeldern zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. Bei zwei Fonds wird eine Hanne-Vertraute Prokuristin, darunter beim „Conserve Oil Lamont Alberta“. Auch hier geht es um eine Raffinerie zum Cracken von Altöl. Bei allen Firmen spielt Hainzl offenbar eine wichtige Rolle: Sie alle sitzen in dem Haus, in dem er und seine Frau Monika Galba wohnen. Galba ist heute Chefin von Proven Oil.

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