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Griechenland: Hedgefonds gewinnen in jedem Fall

von Christof Schürmann

Hedgefonds wollen beim Schuldenschnitt nicht mitmachen und blockieren so die Griechenlandhilfen – weil sie so oder so mächtig verdienen.

Der Schuldenschnitt für Griechenland - auch Hair-cut genannt - soll das Euro-Land vor der Pleite retten Quelle: dpa
Der Schuldenschnitt für Griechenland - auch Hair-cut genannt - soll das Euro-Land vor der Pleite retten Quelle: dpa

Während vier Jahren Finanzkrise ist viel palavert worden über die so wichtigen freien Märkte, die bloß nicht reguliert werden dürften, weil ansonsten das Ende der Welt drohe. Mit Scheinargumenten hat sich die Politik, entgegen ursprünglichen Ankündigungen, von der Finanzlobby einseifen lassen. Resultat: Der Branche gelang es, zugunsten eigener Profite weiter den Steuerzahler in Haft zu nehmen.

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Hedgefonds wollen nicht mitmachen

Das zeigt sich nun etwa an dem wahrscheinlich scheiternden Schuldenschnitt zugunsten Griechenlands. Der Plan: Private Gläubiger sollen auf einen Teil ihrer 200 Milliarden Euro an Forderungen verzichten, einen anderen Teil in niedrig verzinste, lang laufende Griechenpapiere tauschen. Griechenland soll so um 100 Milliarden entschuldet werden. Gelingt dies, würden die Rettungsfonds EFSF und IWF 130 Milliarden Euro an Steuerzahlerhilfen bereitstellen.

Zähneknirschend sind viele Banken und Versicherer bereit, auf Forderungen zu verzichten. Nur die Hedgefonds machen nicht mit. Im Gegenteil: Sie haben sich massiv mit Griechenpapieren eingedeckt, um in voller Absicht die mühsame Schuldenreduktion zu torpedieren.

Broker, die Hedgefonds mit anderen Investoren zusammenbringen, feierten 2011 ein Rekordjahr. Der New Yorker Anbieter Equilend allein verzeichnete binnen eines Monats (August) 27.770 Wertpapierleihen über 21,3 Milliarden Dollar. Ein Großteil der Wetten im zweiten Halbjahr 2011 sei „geprägt von Hedgefonds, die auf globale Ereignisse wie die Krise der Euro-Zone reagiert haben“, zitiert die Agentur Reuters James Slater, Chef für Wertpapierleihe bei dem Depotverwahrer Bank of New York Mellon. Übersetzt: Hedgefonds wetten massiv auf eine Euro-Pleite und gleichzeitig auf eine vollständige Rettung des Euro durch den Steuerzahler, ohne Beteiligung privater Gläubiger.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 24.01.2012, 07:58 UhrBakwahn

    Interessanter Artikel und anregende Diskussionsbeiträge.

    Ich bin eigentlich Finanzlaie. Durch diesen Aufsatz und die Diskussionsbeiträge ist mir zum ersten Mal die Konstruktion und die Funktion der Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps/CDS) klargeworden.

    Eine Frage an Anonymer Benutzer: Profit (15.01.2012, 20:32 Uhr).
    (1)
    Wer verbirgt sich hinter diesen besagten Kreditausfallversicherungen? Wer ist das?
    Über wieviel Eigenkapital müssen solche Versicherungen verfügen?
    Wie sieht es überhaupt mit den rechtlichen Regeln aus?
    Gibt es da überhaupt welche, die auch international verbindlich sind?

    (2)
    Sie schreiben:
    „Jetzt wurden entsprechende Versicherungen gegen eine Prämie (!) von Banken verkauft.“
    Klar ist, daß auch eine solche Versicherung – wie eine Hausratversicherung - Geld kostet. Aber gibt es von den Versicherungen keine Klauseln? Kein „Kleingedrucktes“, daß bei Fehlverhalten von Gläubigern dazu führt, daß die Verabredungen nicht zahlen?

    Mein Fazit:
    Egal wie es sich mit den CDS-Versicherungen verhält. Der Vorschlag drängt sich auf, daß solche Versicherungen verboten gehören.
    Warum?
    Die Politik würde sich mit einem solchen Verbot vor sich selber schützen; nämlich vor ihrer eigenen Charakterlosigkeit und Verschwendungssucht! Je höher ein Land sich verschuldet, umso größer wird die Gefahr eines Zahlungsausfalls. Also verlangen potentielle Geldgeber höhere Zinsen. Das führt auf Dauer zu einem so hohen Zinssatz für Staatsanleihen, daß die Länder keine weiteren Schulden machen würden.
    Es mag ein wenig naiv sein, aber das würde beide Seiten zügeln: die Kreditnehmer in Form der Staaten und die Geldgeber, die sich nach anderen Anlegeformen umsehen, weil Staatsanleihen zu riskant wären (ab einem bestimmten Zeitpunkt).

  • 17.01.2012, 20:57 UhrAnonymer Benutzer: SmartStrategie

    Ein Geheimtipp unter Anlegern sind die Arbitragen von http://www.smartstrategie.com
    Zu den vielen Vorzügen zählen die steuerfreien Gewinne, die hohen Renditen, die sehr kurze Kapitalbindung, etc.

  • 16.01.2012, 11:35 UhrAnonymer Benutzer: Profit

    @morghan: Das ist ja wirklich der letzte Witz: "So müssten auch die CDS wertlos sein, weil der Versicherungsnehmer absichtlich den Kr3editaufall bewfördert." Es ist doch die Politik, die auf die glorreiche Idee gekommen ist, den Forderungsverzicht als "freiwillig" zu deklarieren, nur um die Versicherungsgeber (Banken) von der Zahlungspflicht aufgrund des Eintretens des Versicherungsfalles freizustellen. Hier ist m.E. vielmehr der Tatbestand der Erpressung und Nötigung durch die EU bzw. deren Einzelstaaten gegeben, aber Superökonomen wie "@morghan" und "Schürmann" unterstellen den Griechenland-Gläubigern Moral Hazard, obwohl das gar nicht möglich ist, da niemand (!!!) außer Griechenland selbst darüber befindet, ob es zahlt (zahlen kann) oder nicht, ggf. unter Einsatz des ESFS. Das zeigt wiederum, wie es der Politik zu gelingen scheint, die Köpfe der Menschen, die nicht im Sachthema drinstecken, zu verwirren. Das dreckige Spiel der versagenden Politik wird als moralischer Maßstab verkehrt, indem Gläubiger zu Schuldigen erklärt werden. Es wäre die Aufgabe der "Wirtschaftswoche" und seines stellv. Ressortleiters hier Klarheit und Wahrheit aufzuzeigen. Stattdessen werden stupide Vorurteile mittels eines vollkommen oberflächlichen Artikels widergekäut. Gysi und die sozialistische Internationale lassen grüßen. Tichy bitte eingreifen!

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