Griechenland vor der Pleite: Darauf müssen sich Griechenland-Urlauber einstellen

Griechenland vor der Pleite: Darauf müssen sich Griechenland-Urlauber einstellen

von Jacqueline Goebel und Andreas Toller

Die Banken sind dicht, viele Geldautomaten leergeräumt: Für viele Touristen könnte der Strandurlaub in Griechenland ungewollt zur Abenteuerreise werden. Was die drohende Staatspleite für Urlauber bedeutet.

„Kein Geld hier. Nur Liebe“ steht auf einem Zettel, den jemand an den Geldautomaten einer Bank auf der Insel Mykonos geklebt hat. Netterweise sind die Worte auf Englisch verfasst – so können auch Touristen sie lesen. Ihren Humor haben die Griechen trotz des sich zuspitzenden Schuldenstreits mit EU und IWF offenbar noch nicht verloren.

Vielen Touristen allerdings vergeht das Lachen bei der Vorstellung, den kommenden Griechenlandurlaub ohne Bargeld bestreiten zu müssen. Denn die Erholung ist schnell verschwunden, wenn das Geld fehlt, um abends in der Taverne seinen Wein zu genießen, Eintrittskarten zu kaufen oder auch nur das Taxi zurück zum Hotel zu bezahlen.

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Fest steht schon jetzt: In dieser Woche bleiben die Banken in Griechenland geschlossen, Bargeld gibt es also nur an den Geldautomaten. Mit den Kapitalverkehrskontrollen will die griechische Regierung verhindern, dass Geld aus Griechenland ins Ausland abfließt.

Die Griechen selbst dürfen maximal 60 Euro pro Tag von ihren Konten abheben. Einige Geldautomaten waren schon am Wochenende leer.

Am Sonntag, 5. Juli, sollen die Griechen dann über die von den Geldgebern geforderten Sparmaßnahmen abstimmen. Zu einem Staatsbankrott könnte es aber möglicherweise schon vorher kommen. Welche Auswirkungen die Staatspleite haben könnte, ist nur schwer abzuschätzen. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten für Griechenland-Urlauber zusammengestellt.

Wie bereite ich mich auf meinen Urlaub vor?

Das Auswärtige Amt rät Griechenland-Urlaubern deshalb, viel Bargeld mitzunehmen. Damit sichern sich Urlauber gegen eine mögliche Bargeldknappheit im Land ab, oder auch einfach nur vor langen Schlangen an den Geldautomaten. Allerdings sollten Urlauber dabei auch darauf achten, dass große Scheine möglicherweise nicht überall gewechselt werden können und auch genug Zehner und Fünfer einpacken. Auch der Deutsche Bankenverband (BDB) rät Griechenland-Reisenden, ausreichend Bargeld in kleinen Banknoten bis zu 50 Euro einzustecken.
Reisende sollten außerdem die Nachrichtenlage unbedingt im Auge behalten. Das Auswärtige Amt informiert auf seiner Internetseite über Reisehinweise und die aktuelle Lage.

An Griechenland hängt mehr als nur der Euro

  • Problem Euro

    Seit Wochen betonen die Euro-Partner, dass die Ansteckungsgefahr nach einem Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone eher gering wäre. Zum einen wird darauf verwiesen, dass sich heute fast alle griechischen Schulden bis auf 40 bis 50 Milliarden Euro in der öffentlichen Hand befinden - eine Kettenreaktion kollabierender Banken also nicht zu befürchten sei. Zum anderen hätten sich Gläubiger seit langem auf mögliche Probleme eingestellt und ihre griechischen Geschäfte reduziert.

    Alles falsch, meint Schulz und verweist darauf, dass die Risikoaufschläge etwa für spanische Staatsanleihen in den vergangenen Wochen erheblich gestiegen seien. Kommt ein Staatsbankrott, würde der möglicherweise einen Schuldenschnitt nach sich ziehen - mit erheblichen Belastungen für die klammen Haushalte etwa der südlichen EU-Staaten, aber auch Frankreichs.

    Außerdem könnte das Vertrauen in den Euro als Währung weltweit Schaden nehmen, wenn eines der 19 Mitglieder ausbreche, heißt es in der Bundesregierung. Dabei spiele keine große Rolle, dass Griechenland weniger als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Währungszone beisteuere. Denn die angebliche Unumkehrbarkeit der Euro-Einführung wäre widerlegt.

  • Problem Großbritannien

    In Berlin fürchtet man aber auch, dass ein Kollaps Griechenlands den Befürwortern eines britischen Austritts aus der EU Auftrieb geben könnte. Europa droht also an seinen Rändern zu zerfasern. Der Grund ist einfach: Die EU wäre nach einem Ausstieg Athens wahrscheinlich in einem so desolaten Zustand und müsste so viel kurzatmige Rettungsaktionen für Griechenland starten, dass die Gemeinschaft auf britische Wähler kaum noch attraktiv wirken dürfte. Möglicherweise würden zudem mehr Griechen das eigene Land auch Richtung Großbritannien verlassen wollen. Die Briten schimpfen aber bereits jetzt über zu viele Migranten aus anderen EU-Ländern - dies ist einer der Kritikpunkte der EU-Gegner auf der Insel.

  • Problem Russland

    Griechenland ist nicht nur ein angeschlagener Euro-Staat, sondern auch ein schwieriger EU-Partner. Mit seiner Linksaußen- Rechtsaußen-Regierung betonte Ministerpräsident Alexis Tsipras politische Nähe zum Kreml und hat sich mehrfach mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin getroffen. In der EU gibt man sich zwar gelassen, dass Russland nicht als alternativer Geldgeber gegen die EU ausgespielt werden kann - dafür sind die nötigen Hilfssummen viel zu groß. Auch die Träume des Links-Politikers, dass Griechenland Verteilland für russisches Gas in der EU werden könnte, dürften sich angesichts des Vorgehens der EU-Kommission gegen den russischen Gasriesen Gazprom zerschlagen. Aber Putin hat nach Ansicht von EU-Diplomaten durchaus schon bewiesen, dass er Differenzen zwischen EU-Staaten ausnutzen kann. Bei der Verlängerung von EU-Sanktionen gegen Russland braucht es etwa auch die Zustimmung Griechenlands.

  • Problem Balkan

    In Berlin sorgt man sich zunehmend, dass die gesamte Balkan-Region ohnehin sehr instabil werden kann. Immer noch gärt der Namensstreit zwischen Griechenland mit dem EU-Beitrittsaspiranten Mazedonien - in dem ein heftiger innenpolitischer Machtkampf tobt. Und Geheimdienste warnen, dass die radikalislamische Miliz Islamischer Staat (IS) in den vergangenen Monaten massiv versucht hat, in den moslemischen Bevölkerungen Bosnien-Herzegowinas, Albaniens oder Mazedoniens Fuß zu fassen. Ein zusammenbrechender Nachbarstaat Griechenland würde die Unruhe in der Region noch verstärken.

  • Problem Flüchtlinge

    Kaum diskutiert worden ist die Rolle Griechenlands bei der Abwehr eines unkontrollierten Zuzugs von Flüchtlingen in die EU. In den vergangenen Jahren hat der bessere Schutz der griechisch-türkischen Grenze Flüchtlingen aus dem Nahen Osten die Einwanderung in die EU zumindest zum Teil erschwert. Die linke Syriza-Partei könnte im Falle eines Staatsbankrotts die Schleusen für afrikanische oder syrische Flüchtlinge aufmachen. Entsprechende Drohungen waren aus Athen bereits zu hören. Denn seit Jahresbeginn seien bereits 46.000 Flüchtlinge nach Griechenland gekommen, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) mit. 2014 waren es im selben Zeitraum nur 34.000 Personen. Die Vereinten Nationen warnen bereits vor einer Flüchtlingskatastrophe in Griechenland.

    EU-Kommissar Günther Oettinger forderte die Brüsseler Behörde auch deshalb auf, einen "Plan B" zu erarbeiten. Dabei soll Hilfe für das Land für den Fall eines Bankrotts vorbereitet werden. Neben humanitärer Hilfe gehe es um die Frage, wie man eigentlich die Sicherheit in dem EU-Land noch gewährleisten will, wenn die Regierung den Polizisten keine Löhne mehr zahlen kann.

Kann ich auch weiterhin mit meiner Kreditkarte bezahlen?

Touristen sollten lieber so oft wie möglich mit Kredit- und Girocard bezahlen - in der Regel gebührenfrei - und entsprechende Karten mit nach Griechenland nehmen. "Am besten, man nimmt eine Mischung aus Zahlungsmitteln und mehr Bargeld mit", rät eine Sprecherin des Reiseveranstalters Tui.

Normalerweise nehmen in Griechenland fast alle Restaurants und Shops auch Kredit- oder EC-Karten (Girocard) an. Laut Medienberichten verlangen aber einige Anbieter Bargeld, aus Angst, dass das Geld zu spät auf ihren Konten eintrifft.

Um Geld am Automaten abzuheben, brauchen Touristen ihre Kreditkarte aber auf jeden Fall, sie dürfte am zuverlässigsten funktionieren. Nach Aussagen des Verbands Deutsche Kreditwirtschaft haben Mastercard und Visa bestätigt, dass ihre Karten in Griechenland normal funktionieren. Je nach Kreditkarte können für Barabhebungen hohe Gebühren von sechs Euro und mehr fällig werden. Die genauen Gebühren regelt die Heimatbank in ihrem Preis- und Leistungsverzeichnis. Es gibt allerdings auch Anbieter, bei denen Bargeldverfügungen kostenlos sind, unabhängig davon, welchem Kreditkartennetz die Bank vor Ort angehört.

Vom Limit für Abhebungen von 60 Euro am Tag sind ausländische Konten grundsätzlich nicht betroffen, den mit der Bank vereinbarten Verfügungsrahmen können Touristen ausschöpfen. Allerdings hilft das wenig, wenn die Automaten leer sind.

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