Hans-Joachim Watzke: "Unser Ziel? - Jedes Jahr 250 Millionen Umsatz"

InterviewHans-Joachim Watzke: "Unser Ziel? - Jedes Jahr 250 Millionen Umsatz"

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Der BVB-Boss kennt sich mit der Vereinsaktie bestens aus

von Stefan Hajek

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke will trotz Wettbewerbsverzerrung durch Scheich-Clubs die Ticketpreise nicht erhöhen und dennoch schwarze Zahlen schreiben.

WirtschaftsWoche: Herr Watzke, als Ihr Team gerade 0:2 gegen Mönchengladbach verloren hatte, büßte die BVB-Aktie daraufhin 1,8 Prozent ein. Folgt der Kurs von Fußballaktien nur den sportlichen Ergebnissen?

Watzke: Kurzfristig mag das so sein; auf Dauer spiegelt die Börse aber unsere längerfristige wirtschaftliche Entwicklung wider. Es sind nicht mehr viele Anleger, die wegen einer Niederlage gleich verkaufen. 2009 notierte die BVB-Aktie zeitweise unter einem Euro, heute ist sie Richtung vier Euro unterwegs. Seitdem haben wir den Umsatz fast verdreifacht, unser Eigenkapital stieg in acht Jahren von 24,6 auf 140,6 Millionen Euro, und wir haben deutlich mehr als 100 Millionen Euro Verbindlichkeiten abgebaut. Ich halte das für eine sehr positive Geschichte und habe ehrlich gesagt das Gefühl: Da bin ich nicht ganz alleine.

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Anleger, die von Anfang an dabei waren, sitzen dennoch auf 65 Prozent Verlust. Wann erreichen Sie die elf Euro wieder, die Sie beim Börsengang verlangt haben?

Wir haben zwei Kapitalerhöhungen zu niedrigeren Kursen durchgeführt, sodass der durchschnittliche Kaufkurs weit unter den elf Euro vom ersten Börsengang liegt. Und unsere Anteilseignerschaft hat sich stark verändert. 90 Prozent unserer Aktionäre sind inzwischen im Plus.

Zur Person

  • Watzke

    Hans-Joachim Watzke, 54, ist seit 2005 Chef der Borussia Dortmund KGaA, des einzigen deutschen Fußballclubs, der an der Börse notiert ist. Der Diplom-Kaufmann leitete davor den von ihm gegründeten Feuerwehr- und Schutzbekleidungshersteller Watex.

Woher nehmen Sie denn diese Weisheit?

Wir kennen zwar nicht jeden Streubesitzanleger, wissen aber, zu welchen Kursen die großen Pakete den Besitzer wechselten, die der Investmentbank Morgan Stanley oder des Fonds Blue Bay etwa, die damals fast 30 Prozent unserer Aktien hielten. Oder die des Ex-Investors Florian Homm.

Bei genauer Betrachtung Ihrer Zahlen fällt auf, dass von 305 Millionen Euro Umsatz nur zwölf Millionen Euro Liquidität übrig blieben. Das scheint etwas dürftig; das viel zitierte Festgeldkonto Ihres Rivalen FC Bayern ist 13-mal so dick.

Das liegt zum Teil an Buchungsfristen, die 37 Millionen Euro etwa aus dem Transfer von Mario Götze gingen einen Tag nach Bilanzstichtag ein. Dann haben wir dieses Jahr mit dem Dauerkartenverkauf zwei Wochen später begonnen. Sie brauchen sich in der Bilanz nur unsere hohen Forderungen anzuschauen, da steckt ein Gutteil dieses Geldes drin. Wenn wir die Liquidität optimieren wollten, könnten wir leicht mehr rausholen. Stichtagsbezogene Liquidität ist aber kein Selbstzweck, zumal wir keine neuen Kredite aufnehmen müssen.

Trotzdem entsteht der Eindruck, dass viel Geld sofort wieder abfließt.

Wohin soll es denn abfließen?

In Prämien zum Beispiel. Ihr Gehaltsetat stieg von 75 Millionen Euro 2011/12 auf 99 Millionen Euro 2012/13. Ihr eigenes Gehalt wuchs dank Ihres Bonus, der an den Vorsteuergewinn (Ebit) gekoppelt ist, ebenfalls erheblich. Wie erklären Sie das den Aktionären?

Die Aktionäre bekommen ja auch ihr Stück vom Kuchen. Die Dividende wird voraussichtlich von 6 auf 10 Cent je Aktie steigen; das ist die Hälfte unseres freien Cash-Flows und ergibt beim jetzigen Kurs fast drei Prozent Rendite. Zum Ebit haben wir immer offen gesagt, dass wir nicht jedes Jahr 65 Millionen Euro schaffen. Selbst der FC Bayern hat, bei wesentlich mehr Umsatz, ja noch nie so viel Gewinn geschrieben wie wir. Das hohe Ebit lag zum Teil an außergewöhnlich hohen Transfereinnahmen, die wir sicher nicht in jedem Jahr generieren können, übrigens auch gar nicht wollen. Es ist außerdem bereits heute absehbar, dass wir in den kommenden Jahren wieder ab und an höhere Abschreibungen haben werden, die diese Ziffer drücken. Insofern ist das hohe Ebit ganz klar eine Ausnahme.

2005 bis 2008 mussten Sie, um zu überleben, künftige Einnahmen aus Dauerkarten, TV-Geldern, Sponsoring und sogar Versicherungsprämien verpfänden. Vom Rechte-Vermittler Sport Five bekamen Sie 2008 auf einen Schlag 50 Millionen Euro; dafür geht ein Teil der Einnahmen aus dem Sponsoring noch bis 2020 an die Agentur. Gibt es noch mehr solcher Altlasten, die Einnahmen abzweigen?

Nein. Nur noch den Sportfive-Vertrag. Das Geld daraus haben wir eins zu eins in den Rückkauf des Stadions gesteckt, der uns wegen der entfallenden Miete entlastet.

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