Hochzinsanleihen: Wie die EZB Sparer ins Risiko drängt

Hochzinsanleihen: Wie die EZB Sparer ins Risiko drängt

Bild vergrößern

EZB-Chef Mario Draghi.

von Martin Gerth

EZB-Chef Mario Draghi pumpt weiter Geld in die Märkte und hält die Zinsen ultraniedrig. Anleger suchen Alternativen zu niedrig verzinsten Anleihen. Internationale Hochzinspapiere sind rentierlicher, aber auch riskanter.

Die Band Fehlfarben textete in den Achtzigerjahren: Keine Atempause, Geschichte wird gemacht. Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), gönnt sich keine Pause bei seiner historischen Mission für billiges Geld. „Wir werden alles tun, was erforderlich ist, um die Inflation so schnell wie möglich zu erhöhen.“ Was er damit meint, ist klar: Zinsen niedrig halten und weiter Staatsanleihen kaufen. Hoch verschuldete Staaten wird Draghis neuer Vorstoß freuen. Anleger, die auf Zinserträge angewiesen sind, leiden.

Schon jetzt summieren sich Staatsanleihen mit negativer Rendite aus dem Euro-Raum auf zwei Billionen Euro. Diese Papiere machen rund ein Drittel des Markts im Euro-Raum aus. Draghis Maßnahmen könnten den Anteil vergrößern.

Anzeige

In diese Geldanlagen stecken die Deutschen ihr Geld

  • Über die Daten

    Ende Juni 2015 hatten die privaten Haushalte in Deutschland nach Zahlen der Deutschen Bundesbank ein Geldvermögen von 5224 Milliarden Euro. Ein Großteil davon steckte in risikoarmen Anlagen. Anbei ein Überblick über die wichtigsten Anlageformen (Stand 2. Vierteljahr 2015, in Mrd. Euro)

  • Bargeld und Einlagen

    2041,9 Milliarden Euro (davon Bargeld und Sichteinlagen 1172,2 Milliarden Euro, Termineinlagen 250,9 Milliarden Euro, Spareinlagen und Sparbriefe 618,9 Milliarden Euro).

  • Schuldverschreibungen

    149,2 Milliarden Euro

  • Aktien und sonstige Anteilsrechte

    537,0 Milliarden Euro

  • Anteile an Investmentfonds

    481,3 Milliarden Euro

  • Versicherungs-, Alterssicherungs- und Standardgarantie-Systemen

    1978,8 Milliarden Euro

Die lockere Geldpolitik der EZB ist längst bei den privaten Sparern angekommen. So verzinst sich das Anlagekapital der Lebensversicherer im Schnitt nur noch mit 3,2 Prozent – Tendenz sinkend. Wegen langlaufender Garantien in den Policen legen die Versicherer ihr Geld vor allem in Zinspapiere an. Langlaufende Papiere mit höherem Zins werden jetzt nach und nach fällig. Neue Anlagen werfen weniger Rendite ab.

Potenzielle Aufsteiger können Anlegern hohe Zinsen bringen

Wer als Privatanleger sein Geld nicht in Aktien oder Immobilien investieren will, dem bleiben im Euro-Raum noch hochverzinste Unternehmensanleihen. „Interessant sind Schuldner, die nicht mehr erstklassig sind, aber erfolgreich sanieren, und solche, die in die Premiumklasse aufsteigen“, sagt Michael Mewes, Anleiheexperte bei JP Morgan AM. Zu den gefallenen Engeln zählt Mewes etwa den britischen Einzelhändler Tesco und Telecom Italia. Potenzielle Aufsteiger seien der Automobilzulieferer Schaeffler und der Spanplattenhersteller Pfleiderer. Euro-Hochzinsanleihen rentierten im Schnitt mit 4,7 Prozent, so Mewes. Viele Papiere sind für Normalanleger nur über Fonds erschwinglich, da sie 50 000 oder 100.000 Euro Mindesteinsatz verlangen.

Die Entwicklung des Index für Dollar-notierte Hochzinsanleihen aus Schwellenländern

Die Entwicklung des Index für Dollar-notierte Hochzinsanleihen aus Schwellenländern

Noch mehr ist bei Anleihen mit Hochzinsanleihen aus Schwellenländern drin; im Schnitt um die acht Prozent. Die Performance haben die Hochzinsanleihen aus Schwellenländern jedoch nur bis Mitte 2014 gemacht. Seitdem treten sie auf der Stelle. Zudem haben Hochzinspapiere aus Schwellenländern einige Haken:

  • Währungsverluste: Die Währungen der Schwellenländer haben gegen Dollar und Euro verloren. Entsprechend mau ist die Euro- oder Dollar-Rendite von Papieren, die in Lokalwährung ausgegeben werden. Sicherer sind in Dollar notierte Anleihen.
  • Rohstoffschwäche: Viele Länder sind auf Einnahmen aus Rohstoffexporten angewiesen. Jetzt, da die Preise unten sind, fehlt ihnen das Geld, um Schulden abzuzahlen. Betroffen sind etwa Russland, Chile und Malaysia. Profiteure sind Schwellenländer, die Rohstoffe importieren, etwa Indien oder Mexiko. Deren Währungen werden durch die billigen Importe stabiler.
  • Schuldenspirale: Unternehmen haben sich dank niedriger Zinsen höher verschuldet. „In den Philippinen, Brasilien und in Chile hat die Schuldenquote der Unternehmen angezogen und liegt im Schnitt über 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts“, sagt Craig Botham, Schwellenländer-Experte des Vermögensverwalters Schroders.
  • Pleiterisiko: Mit Staatspapieren aus Venezuela und Argentinien drohen Gläubigern nach wie vor Zahlungsausfälle. Während in Argentinien dank neuer Regierung stabilere Staatsfinanzen wahrscheinlicher werden, wird Venezuela ein Problemfall bleiben.

Weitere Artikel

Zwar liegt die Quote für Zahlungsausfälle bei US-Hochzinsanleihen im Schnitt 2,3 Prozent unter dem langjährigen Mittel von vier Prozent – jedoch mit steigender Tendenz. Ähnliches gilt für Hochzinsanleihen aus Europa. „Bei US-Unternehmensanleihen ist vor allem der Energiesektor betroffen“, sagt Fondsmanager Mewes. Er rechne damit, dass bei US-Hochzinspapieren die Ausfallquote von 2,5 auf 3,5 Prozent ansteige. Dafür gibt es im Schnitt acht Prozent Rendite – in Dollar.

Anleger, die Renditen von mehr als vier Prozent wollen, müssen weit ins Risiko gehen. Hochzinsanleihen sind daher nur als Beimischung im Depot geeignet.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%