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Honorar gegen Provision: Verbraucher sollen für Finanzberatung direkt zahlen

von Frank M. Drost und Thomas Schmitt Quelle: Handelsblatt Online

CDU und SPD fördern nun beide die Honorarberatung. Sie wollen ein Gegengewicht zum bisher üblichen Produktverkauf aufbauen, bei dem Vermittler mit Provisionen der Anbieter entlohnt werden.

Ilse Aigner (CSU): Die Bundesministerin für Verbraucherschutz will das Berufsbild des Honorarberaters gesetzlich regeln. Quelle: dapd
Ilse Aigner (CSU): Die Bundesministerin für Verbraucherschutz will das Berufsbild des Honorarberaters gesetzlich regeln. Quelle: dapd
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BerlinDie SPD bringt Bewegung in die Debatte um eine unabhängige Finanzberatung. Heute bringt die Oppositonspartei einen Antrag mit dem Titel „Verbraucherschutz stärken – Honorarberatung etablieren“ auf den Weg. Damit zwingt sie die Bundesregierung, sich mit dem Thema wieder auseinanderzusetzen.

Ein Sprecher der CDU/CSU-Fraktion verwies gegenüber dem Handelsblatt darauf, Finanzministerium, Wirtschaftsministerium und das Justizministerium hätten zu erkennen gegeben, dass sie eine Stärkung der Honorarberatung durch einen entsprechenden rechtlichen Rahmen grundsätzlich unterstützen. In die weiteren Überlegungen zur Honorarberatung würden auch die aktuellen europäischen Entwicklungen einbezogen.

Ursprünglich hatte Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) die Initiative ergriffen. Sie will das Berufsbild des Honorarberaters gesetzlich regeln. „Ziel ist dabei, dass sich die Verbraucher in allen finanziellen Angelegenheiten, also etwa bei der Geldanlage, bei Versicherungen oder wenn es um Kredite geht, unabhängig und kompetent beraten lassen können“, hatte die Ministerin im Interview mit dem Handelsblatt erklärt.

Wie viel der Verbraucher dann dafür zahlt, ist noch unklar. Der Preis sei relativ, erklärte die Ministerin dazu: „Mit dem von uns per Gesetz eingeführten Produktinformationsblatt wird doch heute schon sichtbar, dass auch die vermeintlich kostenlose Beratung bei einer Bank nicht umsonst ist. Nichts ist kostenlos auf dieser Welt.“ Deswegen sei der Honorarberater, der nicht vom Verkauf teurer Produkte profitiere, eine interessante Alternative für die Verbraucher, ähnlich wie ein Steuerberater.

Die Beratung gegen Honorar trifft bei Anlegern nach den Erfahrungen in der Finanzkrise auf zunehmendes Interesse. Viele Kunden fühlten sich von Bankberatern und Finanzvermittlern, die Provisionen für den Verkauf von Produkten bekommen, schlecht beraten, sagen Experten. In der Provisionsberatung verdient ein Berater am besten, wenn er besonders viele Produkte verkauft, für die von den Anbietern besonders hohe Provisionen gezahlt werden. Das müssen nicht unbedingt die besten Angebote für den jeweiligen Kunden sein.

Bankberater waren zuletzt vor allem in die Kritik geraten, weil sie Kunden beispielsweise zum Kauf von Lehmann-Zertifikaten geraten hatten, die mit der Pleite der US-Bank wertlos wurden. Die Berater hatten häufig nicht darauf hingewiesen, dass ein Totalausfall bei einer Insolvenz des Emittenten drohen kann.


Honorarberatung führt noch ein Schattendasein

In der Praxis führt die Honorarberatung in der Kreditwirtschaft jedoch bisher ein Schattendasein. Der Löwenanteil der Finanzvermittlung ist provisionsgesteuert, stellen die Verbraucherschützer fest. Dabei seien die Vermittler keine Berater, sondern Verkäufer, die bestimmte Produkte vertreiben und an den Provisionen verdienen würden. Die Folge sei: Das Beratungsgespräch sei nicht ergebnisoffen, die Beratung in vielen Fällen nicht bedarfsgerecht. Der Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherschützer, Gerd Billen, fordert sogar: „Langfristig muss es darum gehen, sich vom provisionsgesteuerten Vertrieb ganz zu verabschieden.“

In der Kreditwirtschaft setzt allein die 2006 gegründete Quirin Bank ausschließlich auf Honorarberatung. Nach Ansicht der SPD liegt das auch daran, dass vielen Verbrauchern nicht klar sei, dass die Provisionsberatung mit enormen Kosten verbunden sei. Die SPD will wie Aigner die Honorarberatung ausbauen. Der Berufsverband deutscher Honorarberater zählt 2500 Mitglieder . Die Zahl der Bankberater wird dagegen auf 300 000 geschätzt. Versicherungsvermittler  im weiteren Sinne gibt es mehr als 200.000 hierzulande.
Dass die Initiative der Verbraucherministerin zuletzt ins Stocken geraten war, hängt nach Einschätzung von Experten damit zusammen, dass die Federführung für dieses Thema beim Bundesfinanzministerium (BMF) liegt. Und Minister Wolfgang Schäuble will hier offensichtlich nicht national vorpreschen, sondern die weitere Diskussion über die Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (Mifid) abwarten.

Die EU-Kommission hat im Herbst einen Vorschlag vorgelegt. Danach ist eine Anlageberatung „unabhängig“, wenn der Anlageberater nur Mittel von seinem Kunden erhält. „Der Mifid-Entwurf entspricht in groben Zügen unseren Vorstellungen“, sagt Kerstin Tack, SPD-Expertin für finanziellen Verbraucherschutz. Allerdings könne die Umsetzung Jahre dauern, daher plädiert die SPD für eine nationale Lösung.

Die deutsche Kreditwirtschaft bremst ebenfalls, sie hält nichts von Alleingängen: „Eine deutsche Regelung ist nicht zielführend, weil sie nach kurzer Zeit überholt wäre und das Regulierungsgemenge für die Anlageberatung – und damit auch für den Kunden – noch unübersichtlicher machen würde“, erklärte der Spitzenverband der Branche. Auch wolle der Verbraucher nicht für Beratung ein Honorar zahlen.

SPD wie auch Verbraucherschützer halten diese Argumentation für vorgeschoben. Wenn jemand auf Mifid verweise, sei das ein „klares Ablenkungsmanöver“, sagt Dorothea Mohn vom Bundesverband der Verbraucherschützer. Schließlich warteten auch Großbritannien und die Niederlande nicht auf die Umsetzung. Beide Länder gehen sogar weiter als deutsche Politiker und wollen Provisionen in der Finanzberatung verbieten.

Die Bundesregierung müsse die Honorarberatung im Finanzmarkt gesetzlich regeln, um endlich eine Alternative zum provisionsgesteuerten Vertrieb zu schaffen, forderte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).  „Die Regierung hat eine Regelung versprochen, aber bislang nicht geliefert“, kritisiert Vorstand Gerd Billen. Erforderlich sei eine gesetzliche Regulierung der Finanzberatung auf Honorarbasis, die durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht kontrolliert werde. Zudem muss eine provisionsfreie Produktvermittlung gewährleistet werden.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 20.01.2012, 09:06 UhrAnonymer Benutzer: Koenig

    Regulierungen sind schon sinnvoll - allerdings sollte nicht erzwungen werden. Der Kunde soll weiterhin wählen können von wem er beraten werden möchte. Letztlich sollte es einfach mehr unabhängige Finanz-und Versicherungsmakler geben. Darauf sollten der Kunde noch mehr sensibilisiert werden, dann Bedarf es keiner Honorarberatung. Entscheidend für die Qualität der Beratung ist nicht das Honorar oder die Provision!

  • 19.01.2012, 15:14 UhrAnonymer Benutzer: Haug

    Wenn die Honorarberatung kommt, dann haben wir 150.000 Arbeitslose mehr. Wer will das ???

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