HSBC-Experte: "Die Schuldenkrise wird nie wieder so heftig"

InterviewHSBC-Experte: "Die Schuldenkrise wird nie wieder so heftig"

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Die USA heben nach und nach den Leitzins wieder an. In Europa wird er wahrscheinlich noch lange bei Null liegen

von Georg Buschmann

Der Chefanleihestratege der britischen Großbank HSBC Xavier Baraton glaubt, dass Europa keine neue Eskalation der Staatsschuldenkrise droht. Abhilfe von den niedrigen Zinsen könnten Schwellenländer-Anleihen bringen.

Herr Baraton, derzeit rätseln Experten, ob die amerikanische Notenbank endlich den zweiten Zinsschritt nach oben geht. Seit Dezember ziert sie sich nun schon. Wann kommt die nächste Erhöhung?

Die amerikanische Notenbank hat alle Gründe, die Zinsen zu erhöhen: Die Kerninflation wird anziehen, wenn der Ölpreis mitspielt, und die Arbeitslosigkeit ist gering. Wir erwarten daher, dass die Fed noch in diesem Jahr die Zinsen erhöhen wird.

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Aktuell liegen die Leitzinsen in den USA bei 0,25 bis 0,5 Prozent, in Europa glatt bei null. Wie lange werden wir uns noch mit so niedrigen Zinsen herumschlagen müssen?

Xavier Baraton ist Chefanleihestratege der britischen Bank HSBC Quelle: PR

Xavier Baraton ist Chefanleihestratege der britischen Bank HSBC

Bild: PR

Vieles spricht dafür, dass die Niedrigzinsphase noch lange dauern wird: Nehmen Sie etwa die demografische Entwicklung in den meisten Industrieländern, aber zum Beispiel auch in China. Ohne Bevölkerungswachstum ist Wirtschaftswachstum schwerer zu erreichen als mit. Hinzu kommt, dass Banken durch die hohe Regulierung restriktiver werden, Kredite zu vergeben und so die Wirtschaft anzukurbeln. Auch die hohe Schuldenlast wirkt eher deflationär. Wir erwarten, dass uns diese Grundtendenz in den nächsten Jahren weiter begleiten wird.

Zur Person

  • Xavier Baraton

    Xavier Baraton leitet bei der britischen Bank HSBC das globale Anleiheninvestment. Baraton hat in Paris studiert und arbeitete zunächst im Anleiheteam der Crédit Agricole, bevor er 2002 zu HSBC wechselte.

Für Anleiheinvestoren bedeutet das immer weniger Rendite fürs gleiche Risiko. Wieso sollten sie überhaupt noch auf Anleihen setzen und nicht auf dividendenstarke Aktien?

Es stimmt, fürs gleiche Risiko bekommen sie bei Anleihen heute deutlich weniger Rendite als vor zehn Jahren. Trotzdem haben sich die Grundregeln der Geldanlage nicht verändert. Es ist immer noch sinnvoll, Risiko zu streuen. Dafür brauchen Sie ein diversifiziertes Depot, das nicht nur aus Aktien, sondern auch aus Anleihen besteht. Anleger haben hier zwei Möglichkeiten: Entweder sie akzeptieren niedrigere Renditen bei gleichem Risiko. Oder sie versuchen, in Anleihen zu investieren, die noch etwas mehr Rendite bringen.

PremiumBörsenWoche "Schwellenländer sind wieder attraktiv"

Im Interview mit der BörsenWoche erklärt Anleiheexperte Xavier Baraton, warum Anleger wieder auf Brasilien, Mexiko und Co. schauen sollten. Und warum die Zinsen hierzulande noch lange ultraniedrig bleiben werden.

BörsenWoche: "Schwellenländer sind wieder attraktiv"

Welche sind das?

Das können zum Beispiel andere Anleihe-Typen sein: Wandelanleihen oder Anleihen für Infrastrukturprojekte. Ich halte inzwischen auch Anleihen aus Schwellenländern wieder für attraktiv. Mein Rat für Anleger ist, weiterhin ein Portfolio mit verschiedenen Anlageklassen zu halten und bei den Bonds über die klassischen Instrumente wie deutsche Staatsanleihen oder Euro-Unternehmensanleihen hinaus zu denken.

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