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Insider packen aus: Die zweifelhaften Geschäfte der FXdirekt Bank

von Annina Reimann

Der Internet-Broker soll über Jahre Kunden ausgeplündert haben – unter den Augen der Finanzaufsicht. Gerichtsakten erhärten den Verdacht, die Bank bestreitet Unregelmäßigkeiten. Ein Report über zweifelhafte Geschäfte abseits regulierter Börsen.

„Dies ist very wichtig...“

Phishing ist ein großes Problem. Laut Kriminalstatistik sind jedes Jahr mehr als 5000 Fälle des Internetbetruges. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein und jeder Internetnutzer dürfte schon mal eine zweifelhafte E-Mail im Postfach gehabt haben. Betroffene können Phising-Mails bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen einfach in einem Online-Forum melden.

Nicht immer sind aber Profis am Werk. Wer die Betreffzeile dieser E-Mail gelesen hat, wird wohl kaum auf den Betrüger hereinfallen. Diese Mail ist wohl das zweifelhafte Ergebnis einer Übersetzungssoftware. Handelsblatt Online zeigt eine Auswahl der kuriosesten Betrugsversuche aus dem Phishing-Radar der VZ-NRW.

Bild: 

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Kundin:Jetzt kommt eine rote Kerze.

Betreuerin:Das ist gut, weil Sie haben auf sinkende Kurse gesetzt. Jede Bewegung nach unten, davon profitieren Sie. (...) Oh, das sieht sehr gut aus.

Kundin:Jetzt hat es mich rausgeschmissen. Ich habe 450 Euro Gewinn.

Betreuerin (jubelt):Wahnsinn! Überlegen Sie mal! Wie lange sitzen wir hier? Und Sie sind ungeübt. Was meinen Sie, was Sie machen, wenn das sitzt!? (...)

Kundin:Ist das immer so einfach?

Betreuerin:Es verändert sich rein gar nichts.

Großzügige 50.000 Euro Spielgeld hat der Online-Broker FXdirekt der Kundin auf das fiktive Konto gebucht. Die enthusiastische Betreuerin im Callcenter lenkt sie am Telefon gezielt in eine Wette auf einen fallenden Dax. Und, oh Wunder, sie geht auf.

Abzocke über das Telefon

Der unerlaubte Werbeanruf versprach den Gewinn eines ARAL-Tankgutscheins in Höhe von 10 Euro. Einzige Bedingung: der Anruf bei einer kostenfreien (0)800er-Nummer. Wer wählte, der wurde per Bandansage aufgefordert, die Tasten 1 und 9 zu drücken, um den Tankgutschein zu aktivieren. Der Haken jedoch: Dadurch meldete sich der Anrufer zugleich bei einem so genannten Gewinnspieleintragsdienst an. Und der vereinnahmte jede Woche 9,90 Euro – ganz einfach über die Telefonrechnung des hereingelegten Verbrauchers. Dem unlauteren Treiben setzte die Bundesnetzagentur ein Ende. Sämtlichen Netzbetreibern untersagte sie, Beträge für bestimmte Produktnummern-Nummern in Rechnung zu stellen oder für bereits zugestellte Rechnungen das Inkasso zu betreiben.

Quelle: Verbraucherzentrale NRW

Bild: dpa/picture alliance

Verzögerung bei Demo-Konten?

Was die Kundin nicht ahnen konnte: Die Betreuerin sah womöglich, dass der Dax in den nächsten Minuten fallen würde. Nicht, weil sie hellseherische Fähigkeiten hätte, sondern weil Daten offenbar mit Verzögerung in die Demo-Konten von FXdirekt laufen. Eine Stichprobe der WirtschaftsWoche zeigt, dass eine Kundin im Demobetrieb andere, in dem Fall für sie bessere Kurse bekam, als zu den von FXdirekt ausgewiesenen Zeiten an der Börse gehandelt wurden. Die Bank bestreitet, dass Demokonten zeitverzögert laufen.

Kundin:Funktioniert das Demokonto so wie das Livekonto?

Betreuerin:Live funktioniert besser. (...) Das System hat ein paar Extras, die das Demo nicht hat. Sie bekommen zum Beispiel Hilfen vom System. Das wird mathematisch berechnet. Da werden Impulse gegeben, dass Sie wissen, ich habe jetzt gedacht, ich kaufe, und das System bestätigt das noch. Also solche kleinen Unterstützungen. (...)

Kundin:Habe ich hier einen Livechart?

Betreuerin:Es ist 99,9 Prozent gleich. Es wird regelmäßig aktualisiert, mehrmals am Tag und live angepasst.

Neue Kunden für den Broker

Job der Betreuerin ist es, für den Broker neue Kunden ranzuschaffen. Nach dem Test mit Spielgeld sollen die möglichst schnell echte Euro einzahlen. „Wenn Interessenten im Demo-Betrieb Tausende verdienen, erleichtert dies den Entschluss, ein echtes Konto einzurichten, ungemein“, sagt ein Aussteiger. Wer binnen Minuten Hunderte Euro Spielgeld abräumt, fängt an, sich reale Gewinne zurechtzuträumen.

Doch wer Vertrauen schöpft und harte Währung einzahlt, muss bei der Oberhausener FXdirekt um sein Erspartes bangen. Das Institut betreut nach eigenen Angaben 40.000 Kunden. Es beschäftigt über 100 Mitarbeiter, die Kunden keilen und, so sagen ehemalige Mitarbeiter, nach allen Regeln der Kunst ausnehmen sollen – und das unter den Augen der Finanzaufsicht BaFin, die die Bank beaufsichtigt.

Die Kunden kaufen und verkaufen Produkte, die außerbörslich gehandelt werden. Am beliebtesten sind Wetten auf Steigen oder Fallen von Währungen wie Dollar oder Yen (Forex) und Differenzkontrakte (Contracts for Difference, CFDs). Mit letzteren wetten Anleger auf Preisänderungen von Aktien, Indizes oder Rohstoffen. Die Wetten sind gehebelt, das heißt, mit kleinem Einsatz ist ein Vielfaches an Gewinnen möglich. Angenommen, eine Allianz-Aktie kostete 100 Euro, dann müsste ein Anleger, der wettet, dass die Aktie steigt, 100 Euro für eine Aktie einsetzen. Geht die auf 101 Euro, hat er vor Kosten ein Prozent Gewinn gemacht.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 06.12.2012, 12:31 UhrReporter

    Lieber insiderfxmichmal,

    wie Sie selbst sagen, sind Sie ein ehemaliger Mitarbeiter der FX Bank. Ich recherchiere eine größere Reportage für einen Fernsehsender, die genau die Machenschaften der Banken in den Mittelpunkt stellen soll, die in dem Artikel von Frau Reimann beschrieben werden.

    Ich wäre sehr an einem Gespräch interessiert, möchte meine Dienst-Mail aber hier nicht veröffentlichen. Wenn Sie gerne mit mir sprechen wollen, schreiben Sie bitte eine kurze Nachricht an: reporter@hotmail.de

    Wir können Ihnen in jedem Fall Anonymität zusichern.

    Mit freundlichen Grüßen
    Reporter

  • 01.11.2012, 13:06 Uhrinsiderfxmichmal

    Ich bin ehemaliger Mitarbeiter.
    Die meisten Sachen (ich kenne nicht alle Abläufe aller Abteilungen) waren genau so, wie es der Artikel beschreibt. Alles was "Herr Stobbe" abstreitet ist gelogen, soweit ich das beurteilen kann.
    Die Mitarbeiter dort sind die ärmsten Schweine. Aber auch dumm. Wie kann man nur diese Sauerei so lange mitmachen?
    Ich erinnere mich daran, wie Hotlinemitarbeitern zur Strafe die Stühle weggenommen wurden, wenn nicht genug Leads gemacht wurden. Interne Listen auf dem Flipboard mit den besten - und vor allen Dingen schlechtesten Verkäufern sollten den Druck erhöhen. Die andauernden Umstrukturierungen mit abteilungsweiten Raumwechseln hatten psychologische Gründe als Zielführung, oder kann mir jemand erklären warum es sonst jährlich etwa ach mal diese Aktionen gab? Mit der sowie schon hohen Mitarbeiterfluktuation lässt sich das auch nicht erklären.
    Psychologisch verachtenswert empfand ich auch das regelmäßige runterputzen von Mitarbeitern vor versammelter Mannschaft. Die sogenannten Vorgesetzten (vorher genau so schlecht behandelte Mitarbeiter) konnten so den Spieß dann umdrehen und ihre Macht ausleben. Clever gemachte Drohkulissen und Beförderung derjenigen, die am leichtesten zu steuern waren. Erinnert mich, wo ich das hier schreibe an ein altes Konzept aus der deutschen Geschichte. Alles wunderbar durchdacht und vorgelebt.
    Auch die Betrügereien bei der Brokerwahl stimmen. Ich weiß noch wie schlecht die Sicherheitsmaßnahmen dort angeblich gewesen sein sollen und wie mit Generatoren halbwegs valide Nutzerdaten erzeugt wurden. Und wie dies von der "Gegenseite" anschliessend bemerkt aber schlussendlich "ausgedealt" wurde. Schliesslich haben einige andere Mitbewerber diese Lücken auch genutzt.
    Herr Stobbe hat sein Handwerk wirklich drauf, ehrlich. Mein ernst gemeinter Tipp, wenn man mit dem zu tun hat: am besten umdrehen und gehen. Der Mann ist in Wirklichkeit sehr einsam und das sollte er auch besser bleiben.

  • 27.10.2012, 20:47 UhrBanksterbuster

    Bankster!!!
    Ist Dein Geld erst mal bei denen auf dem Konto, weil Du dummerweise bei ihnen eines in gutem Glauben auf eine reelle Chanche in sagen wir mal CFDs eröffnet hast, wird nur noch versucht Dein Geld sich rechtmäßig anzueignen.
    Für die ist Dein Geld mit Einzahlung für Dich futsch.

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