Bild:„Dies ist very wichtig...“
Phishing ist ein großes Problem. Laut Kriminalstatistik sind jedes Jahr mehr als 5000 Fälle des Internetbetruges. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein und jeder Internetnutzer dürfte schon mal eine zweifelhafte E-Mail im Postfach gehabt haben. Betroffene können Phising-Mails bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen einfach in einem Online-Forum melden.
Nicht immer sind aber Profis am Werk. Wer die Betreffzeile dieser E-Mail gelesen hat, wird wohl kaum auf den Betrüger hereinfallen. Diese Mail ist wohl das zweifelhafte Ergebnis einer Übersetzungssoftware. Handelsblatt Online zeigt eine Auswahl der kuriosesten Betrugsversuche aus dem Phishing-Radar der VZ-NRW.
Bild:„Wir alle kennen und respektieren Sparkasse"
Die Verfasser dieser E-Mail machten sich augenscheinlich gar nicht erst den Aufwand, die Sätze zu Ende zu formulieren. Doch auch die Absender-Adresse sollte Empfänger skeptisch stimmen: „Sparkaseen" gibt es in Deutschland wahrhaftig nicht.
Auch bei weniger missglückten Mail warnen die Verbraucherschützer zur Vorsicht. Wenn Bankkunden die Mail nicht zu hundert Prozent identifizieren können, droht Gefahr. Die Links sollten dann auf keinen Fall angeklickt werden. Vor allem dann nicht, wenn im Browserfenster lange kryptische Anhänge sichtbar werden.
Bild:„Wir Unmut zu verkünden"
Gleiche Abschiedsfloskel, anderer Absender: Die Betrügeradresse hat nun ein „s" hinzugewonnen, doch von dem zusätzlichen „e" will man sich wohl nicht verabschieden. Auch die Deutschkenntnisse haben sich nicht wirklich verbessert.
Bild:„LinkklickenundbestätigenSie"
Nicht immer sind Phishing-Mails lästig, oft haben sie durchaus einen Unterhaltungswert. So auch dieses Beispiel: Der Verfasser dieser E-Mail hatte offensichtlich Probleme mit seiner Leertaste.
Bild:„Folgen Sie den versorgten Schritten"
Schon um einiges professioneller wirkt dieses Exemplar. Wer die E-Mail nur überfliegt, geht leicht in die Falle. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät: Wer auf diesen Links zur "Höflichkeitsmahnung" klickt, hat ein Problem. Kunden sollten die Adresse Ihrer Bank am besten manuell in das Browserfenster eingeben oder direkt als Favorit anlegen. Sichere Verbindungen erkennt man an einem Schlüsselsymbol im Browserfenster oder aber an dem Kürzel „https" am Anfang des Links.
Bild:„Selbst grosse Weltunternehmen wie wir"
In diesem Beispiel wird einfach die Regierung vorgeschoben: Auf Grund eines natürlich äußerst umstrittenen Gesetzes muss die Kreditkarte verifiziert werden - dagegen können auch internationale Großunternehmen nichts ausrichten. Wer einer solchen E-Mail auf den Leim geht, sollte sofort seine Bank informieren und bei der Polizei Anzeige erstatten, rät die Verbraucherzentrale.
Bild:„Liebe geschätzte deutche Kreditkarteninhaber"
Diese Bundesbank kennt den Namen ihres eigenen Landes nicht. Immerhin ist sie höflich, auch wenn es um die "nationale Sicherheit" geht.
Bild:„Sie haben Konto-Probleme!"
Und das Höflichkeit bei Phishing-Mails nicht unbedingt weit verbreitet ist zeigt dieses Beispiel. Der Ton gleicht eher dem eines Militärs als dem eines Bankbeamten. Auch bei der Übersetzung haperte es: aus dem englischen „Log in" wurde „Klotz darin“.
Bild:„Es ist wirklich unser Vergnügen, Ihnen zu dienen."
Doch auch das andere Extrem gibt es: Diese Phishing-Mail übertreibt es mit der Höflichkeit ein wenig.
Bild:„Vielen Dank für Ihr Bank Österreich!"
Komfort, Kontrolle und Sicherheit: Das ist durchaus wichtig bei einer Bank, aber wohl nicht unbedingt das, was man mit dieser E-Mail verbindet. Wer Phishing-Mails vermeiden will, sollte immer mit der neuesten Software arbeiten und auch Browser und Antivirenprogramme regelmäßig aktualisieren.
„Dies ist very wichtig...“
Phishing ist ein großes Problem. Laut Kriminalstatistik sind jedes Jahr mehr als 5000 Fälle des Internetbetruges. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein und jeder Internetnutzer dürfte schon mal eine zweifelhafte E-Mail im Postfach gehabt haben. Betroffene können Phising-Mails bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen einfach in einem Online-Forum melden.
Nicht immer sind aber Profis am Werk. Wer die Betreffzeile dieser E-Mail gelesen hat, wird wohl kaum auf den Betrüger hereinfallen. Diese Mail ist wohl das zweifelhafte Ergebnis einer Übersetzungssoftware. Handelsblatt Online zeigt eine Auswahl der kuriosesten Betrugsversuche aus dem Phishing-Radar der VZ-NRW.
Kundin:Jetzt kommt eine rote Kerze.
Betreuerin:Das ist gut, weil Sie haben auf sinkende Kurse gesetzt. Jede Bewegung nach unten, davon profitieren Sie. (...) Oh, das sieht sehr gut aus.
Kundin:Jetzt hat es mich rausgeschmissen. Ich habe 450 Euro Gewinn.
Betreuerin (jubelt):Wahnsinn! Überlegen Sie mal! Wie lange sitzen wir hier? Und Sie sind ungeübt. Was meinen Sie, was Sie machen, wenn das sitzt!? (...)
Kundin:Ist das immer so einfach?
Betreuerin:Es verändert sich rein gar nichts.
Großzügige 50.000 Euro Spielgeld hat der Online-Broker FXdirekt der Kundin auf das fiktive Konto gebucht. Die enthusiastische Betreuerin im Callcenter lenkt sie am Telefon gezielt in eine Wette auf einen fallenden Dax. Und, oh Wunder, sie geht auf.
Bild: dpa/picture allianceAbzocke über das Telefon
Der unerlaubte Werbeanruf versprach den Gewinn eines ARAL-Tankgutscheins in Höhe von 10 Euro. Einzige Bedingung: der Anruf bei einer kostenfreien (0)800er-Nummer. Wer wählte, der wurde per Bandansage aufgefordert, die Tasten 1 und 9 zu drücken, um den Tankgutschein zu aktivieren. Der Haken jedoch: Dadurch meldete sich der Anrufer zugleich bei einem so genannten Gewinnspieleintragsdienst an. Und der vereinnahmte jede Woche 9,90 Euro – ganz einfach über die Telefonrechnung des hereingelegten Verbrauchers. Dem unlauteren Treiben setzte die Bundesnetzagentur ein Ende. Sämtlichen Netzbetreibern untersagte sie, Beträge für bestimmte Produktnummern-Nummern in Rechnung zu stellen oder für bereits zugestellte Rechnungen das Inkasso zu betreiben.
Quelle: Verbraucherzentrale NRW
Bild: dpaVerhängnisvoller Gutschein
Über die Telefonrechnung abkassieren wollten auch andere. Ihre Masche: Beim unzulässigen Werbetelefonat wurde zunächst ein Kosmetikgutschein versprochen und nebenher erwähnt, dass man den Angerufenen auf einer Gewinnspielseite eintragen würde. Angeblich für die individuelle Auswahl der Kosmetik und die Zusendung fragte die Firma nach Geburtsdatum und Adresse. Als dann der Kosmetikgutschein im Briefkasten lag, lasen die Betroffenen überrascht, dass sie den Absender zur Anmeldung auf einer Internetseite wie win-finder.com, windienst.net oder gluecksfinder.net bevollmächtigt hätten. Dafür benötigt man lediglich Telefonnummer und Geburtsdatum. Die verlangten 9,90 Euro pro Woche erschienen auf der Telefonrechnung als Forderung einer telomax GmbH, die die Beträge eintrieb. Auch in diesem Fall griff die Bundesnetzagentur ein und verhängte für bestimmte Forderungen der telomax GmbH ein Verbot der Rechnungslegung und Inkassierung.
Bild: dpa/picture allianceÜberraschende Gewinnbenachrichtigung
Verschiedene Schreiben mit Absender „Das Telefonbuch 2010/2011, Ihr örtliches Verzeichnis für Deutschland“ erweckten den Eindruck, von den Verlagen der örtlichen Telefonbücher zu kommen. Darin hieß es „1.500,00 € pro Person stehen zur Auszahlung“, in anderen Briefen stand im Betreff „Reservierungsbestätigung zur Gewinnauszahlung“. Die Angeschriebenen wurden „dringend“ aufgefordert, sich binnen acht Tagen mit einer beigefügten Antwortkarte mit Platzreservierung zu melden, um sich ihren Gewinn abzuholen. Für die „Gewinnübergabe“ würde ein „Hin- und Rückfahrservice“ organisiert.
Angekündigt wurden eine nette Atmosphäre, ein kostenloses Frühstück sowie ein leckeres Mittagessen und ein Freigetränk. Außerdem wurde jedem Teilnehmer ein „elegantes, schnurloses Festnetztelefon“ versprochen. Wer sich angemeldete, erhielt kurze Zeit später eine Reservierungsbestätigung. In diesem Schreiben drohte der Veranstalter bei Nicht-Teilnahme, die reservierten Plätze und das vorbestellte Essen pauschal in Rechnung zu stellen. Hierzu sei er „laut Gesetzgeber berechtigt“.
Bild: picture-allianceTeure Kaffeefahrten
Zu den Drehs, bei Kaffeefahrten abzukassieren, gehörten auch Reiseangebote. Dabei verlangten die Firmen eine „Beratungs- und Servicegebühr“ - zahlbar sofort in bar oder per EC-Cash (Maestro-Karte mit Geheimzahl). Mal waren es 50, mal auch 80 Euro. Einer 82-jährigen Seniorin schwatzte eine Firma gleich zwei Reisen für jeweils zwei Personen auf - und steckte für die „Beratung“ 316 Euro ein. Andere, die sich ebenfalls „stark unter Druck gesetzt fühlten“, sollten sogleich 414 Euro oder sogar 640 Euro bezahlen – für die Vermittlung von „Reisen zum Nulltarif“ und „Rundum-Sorglos-Pakete“ für den Urlaub. Traf die schriftliche Reisebestätigung ein, fehlte fast immer der gesetzlich vorgeschriebene Reisesicherungsschein. Auf diese Art der Abzocke setzten zum Beispiel die Anbieter Kultur- und Eventreisen, S.a.r.l. Calzone, E.T.V. Vertrieb UG Schierlingsfeld, Riva Star Int. Ltd. & Co. KG und Bus Touristik International (BTI) Isabella Ltd.
Bild: dpa/picture allianceTarnung als Verbraucherschützer
Telefonabzocker probierten es auch 2011 gern unter falscher Flagge: Um Vertrauen zu erwecken, stellten sie sich als „Verbraucherzentrale“ vor oder melden sich als örtliche Beratungsstelle. Häufig boten sie an, etwas gegen unerwünschte Werbeanrufe zu unternehmen. So wurde etwa versprochen, Name und Nummer auf eine Liste zu setzen, damit solche Anrufe künftig unterblieben. Natürlich gegen Bezahlung - die um die 70 Euro betrug. Oder Firmen riefen als „Verbraucherzentrale“ an, angeblich um Gewinnspielverträge zu stornieren und für diese „Dienstleistung“ zu kassieren.
Wieder andere hofften, unter dem Deckmantel „Verbraucherzentrale“ oder „Verbraucherschutz“ zu Gewinnspielen verleiten zu können. Oder die zwielichtigen Gesellschaften versuchten, einen Hausbesuch zu verabreden, um angeblich sämtliche Versicherungen zu überprüfen. Diese Abzocker nutzen den guten Ruf der Verbraucherzentralen, um an Daten zu kommen - bisweilen sogar an Kontonummern. Wer die Angaben macht, kann teure Überraschungen erleben: Die dubiosen Firmen tun so, als seien Verträge geschlossen worden und greifen auf Konten zu, oder sie kassieren für zweifelhafte Dienstleistungen per Nachnahmesendung.
Bild: dapdMissbrauch des Post-Logos
Mit dem Logo der Deutschen Post AG und dem Hinweis, eine Paketzustellung habe nicht geklappt, betrieb die GP Health Products B.V. aus den Niederlanden Geldschneiderei. Verbraucher wurden auf eine Internetseite verwiesen, auf der sie das Paket erneut ordern sollten. Zunächst abgefragt wurden persönliche Daten – angeblich um aus den individuellen Antworten zum Lebens- und Konsumstil die jeweils passenden teuren Präparate zur Nahrungsergänzung abzuleiten. Tatsächlich jedoch empfahl die Firma allen das gleiche Produkt, das sogleich bestellt werden sollte.
Bild: picture-allianceDubiose Online-Gewinnspiele
Planet49 betrieb im Internet unter www.champions-quiz.de ein dubioses Quiz. Unter der genannten Adresse konnte man sich zunächst seinen zukünftigen Gewinn aussuchen, nämlich ein Apple-Produkt wie zum Beispiel das iPhone4 oder das iPad. Danach sollte man nur noch schnell die eigene Handynummer eingeben, um per SMS den Zugangscode für die Quizfragen zu bekommen.
Und mit diesem Schritt war man auch schon in der Falle: Mit Eingabe der eigenen Handynummer ging man laut Kleingedrucktem einen Vertrag ein, der monatlich mit 4,99 Euro auf der Handyrechnung zu Buche schlug und der sich automatisch verlängern sollte.
Bild: dpa/picture allianceRabiates Inkasso
Mit massiven Einschüchterungen hat das Inkassounternehmen NTT Telco aus Wiesbaden versucht, Verbraucher am Telefon und per Post als vermeintliche Teilnehmer an den zwielichtigen Gewinnspieleintragsdiensten Winfinder und Windienst zur Zahlung von Beträgen zwischen 99 und 178 Euro zu bewegen. Angeblich bestünde ein kostenpflichtiger Vertrag über die Zahlung von 9,90 Euro pro Woche für eine „Leistung“, die in dem Anschreiben jedoch nicht näher definiert wurde.
Beide Dienste hätten ihre Ansprüche, die sich in den vorliegenden Fällen auf angebliche Vereinbarungen zwischen September 2010 bis Februar 2011 beziehen, an NTT Telco Inkasso abgetreten. Die aufgelaufene Summe sollte innerhalb einer meist nur wenige Tage umfassenden Frist überwiesen werden. Ansonsten warteten auf den Empfänger der dubiosen Post „weitere Kosten und Unannehmlichkeiten“. Bei pünktlicher Zahlung sei „der gesamte Vertrag erledigt“, und es würden keine weiteren Forderungen gestellt. Betroffene berichteten, dass die schriftliche Geldeintreibung durch belästigende Anrufe noch verstärkt werde.
Bild: dpa/picture allianceErschlichene Zeitschriften-Abos
Angeblich treue Kunden der hauseigenen Videothek beglückte die Video-Aktuell Betriebs GmbH mit einem so genannten Vorzugsabonnement für eine Zeitschrift, die für die Dauer von drei Monaten kostenlos sein sollte. Als „Bonus“ könne man die Zeitschrift nach Ablauf der drei Monate zum gültigen Heftpreis für die restlichen neun Monate eines Bezugsjahres weiter beziehen. Wer da gleich skeptisch reagierte, den beruhigte die Gesellschaft aus dem rheinland-pfälzischen Meudt: „Lehnen Sie sich entspannt zurück, Sie brauchen nichts zu unternehmen.“
Das war ein Rat mit doppeltem Boden. Denn wer nichts tat, den belieferte die Video-Aktuell Betriebs GmbH nach Ablauf der drei Monate zum üblichen Bezugspreis weiter. Zwar lag in diesem Fall kein Vertrag vor, und der Kunde musste keinen Cent zahlen. Doch die Gesellschaft hatte noch mehr drauf: Listig empfahl sie, auf einem beigefügten Formblatt mit Auswahlcoupon eine andere Zeitschrift auszuwählen, falls sie den individuellen Geschmack nicht getroffen habe. Dazu gehörte auch, Kontodaten anzugeben und eine Einzugsermächtigung zu erteilen. Wer den Coupon ausfüllte und abschickte, der schloss einen wirksamen Abo-Vertrag ab.
Bild: dapdNervende Mails
Die Firma SG WebDesign aus Hannover wollte abkassieren, indem sie eine „Update-Gebühr“ für ein nicht näher benanntes Navigationsgerät forderte. Dazu verschickte sie per E-Mail mit dem Betreff „Europäische Navigations Update Zentrale“ munter Rechnungen samt Überweisungsformular für die Liechtensteinische Landesbank AG an die Post-finance im schweizerischen Bern - dummerweise jedoch auch an Personen, die weder Auto noch Navi besaßen.
Viele Internetnutzer erhielten Werbe-E-Mails, in denen ihnen neben einem kostenlosen Fernsehpaket auch ein Receiver versprochen wurde - wenn sie denn eine Reihe personenbezogener Daten preisgeben würden. Gefragt wurde nach Name, Adresse, Telefonnummer und Handynummer sowie E-Mailadresse. Betreiber der beworbenen Internetseite war laut Impressum eine Firma Privacy Marketing Limited in Belize, einer ehemaligen britischen Kronkolonie zwischen Mexiko und Guatemala.
Abzocke über das Telefon
Der unerlaubte Werbeanruf versprach den Gewinn eines ARAL-Tankgutscheins in Höhe von 10 Euro. Einzige Bedingung: der Anruf bei einer kostenfreien (0)800er-Nummer. Wer wählte, der wurde per Bandansage aufgefordert, die Tasten 1 und 9 zu drücken, um den Tankgutschein zu aktivieren. Der Haken jedoch: Dadurch meldete sich der Anrufer zugleich bei einem so genannten Gewinnspieleintragsdienst an. Und der vereinnahmte jede Woche 9,90 Euro – ganz einfach über die Telefonrechnung des hereingelegten Verbrauchers. Dem unlauteren Treiben setzte die Bundesnetzagentur ein Ende. Sämtlichen Netzbetreibern untersagte sie, Beträge für bestimmte Produktnummern-Nummern in Rechnung zu stellen oder für bereits zugestellte Rechnungen das Inkasso zu betreiben.
Quelle: Verbraucherzentrale NRW
Verzögerung bei Demo-Konten?
Was die Kundin nicht ahnen konnte: Die Betreuerin sah womöglich, dass der Dax in den nächsten Minuten fallen würde. Nicht, weil sie hellseherische Fähigkeiten hätte, sondern weil Daten offenbar mit Verzögerung in die Demo-Konten von FXdirekt laufen. Eine Stichprobe der WirtschaftsWoche zeigt, dass eine Kundin im Demobetrieb andere, in dem Fall für sie bessere Kurse bekam, als zu den von FXdirekt ausgewiesenen Zeiten an der Börse gehandelt wurden. Die Bank bestreitet, dass Demokonten zeitverzögert laufen.
Kundin:Funktioniert das Demokonto so wie das Livekonto?
Betreuerin:Live funktioniert besser. (...) Das System hat ein paar Extras, die das Demo nicht hat. Sie bekommen zum Beispiel Hilfen vom System. Das wird mathematisch berechnet. Da werden Impulse gegeben, dass Sie wissen, ich habe jetzt gedacht, ich kaufe, und das System bestätigt das noch. Also solche kleinen Unterstützungen. (...)
Kundin:Habe ich hier einen Livechart?
Betreuerin:Es ist 99,9 Prozent gleich. Es wird regelmäßig aktualisiert, mehrmals am Tag und live angepasst.
Neue Kunden für den Broker
Job der Betreuerin ist es, für den Broker neue Kunden ranzuschaffen. Nach dem Test mit Spielgeld sollen die möglichst schnell echte Euro einzahlen. „Wenn Interessenten im Demo-Betrieb Tausende verdienen, erleichtert dies den Entschluss, ein echtes Konto einzurichten, ungemein“, sagt ein Aussteiger. Wer binnen Minuten Hunderte Euro Spielgeld abräumt, fängt an, sich reale Gewinne zurechtzuträumen.
Doch wer Vertrauen schöpft und harte Währung einzahlt, muss bei der Oberhausener FXdirekt um sein Erspartes bangen. Das Institut betreut nach eigenen Angaben 40.000 Kunden. Es beschäftigt über 100 Mitarbeiter, die Kunden keilen und, so sagen ehemalige Mitarbeiter, nach allen Regeln der Kunst ausnehmen sollen – und das unter den Augen der Finanzaufsicht BaFin, die die Bank beaufsichtigt.
Die Kunden kaufen und verkaufen Produkte, die außerbörslich gehandelt werden. Am beliebtesten sind Wetten auf Steigen oder Fallen von Währungen wie Dollar oder Yen (Forex) und Differenzkontrakte (Contracts for Difference, CFDs). Mit letzteren wetten Anleger auf Preisänderungen von Aktien, Indizes oder Rohstoffen. Die Wetten sind gehebelt, das heißt, mit kleinem Einsatz ist ein Vielfaches an Gewinnen möglich. Angenommen, eine Allianz-Aktie kostete 100 Euro, dann müsste ein Anleger, der wettet, dass die Aktie steigt, 100 Euro für eine Aktie einsetzen. Geht die auf 101 Euro, hat er vor Kosten ein Prozent Gewinn gemacht.
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