Insider packen aus: Die zweifelhaften Geschäfte der FXdirekt Bank

Insider packen aus: Die zweifelhaften Geschäfte der FXdirekt Bank

von Annina Reimann

Der Internet-Broker soll über Jahre Kunden ausgeplündert haben – unter den Augen der Finanzaufsicht. Gerichtsakten erhärten den Verdacht, die Bank bestreitet Unregelmäßigkeiten. Ein Report über zweifelhafte Geschäfte abseits regulierter Börsen.

Kundin: Jetzt kommt eine rote Kerze.

Betreuerin: Das ist gut, weil Sie haben auf sinkende Kurse gesetzt. Jede Bewegung nach unten, davon profitieren Sie. (...) Oh, das sieht sehr gut aus.

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Kundin: Jetzt hat es mich rausgeschmissen. Ich habe 450 Euro Gewinn.

Betreuerin (jubelt): Wahnsinn! Überlegen Sie mal! Wie lange sitzen wir hier? Und Sie sind ungeübt. Was meinen Sie, was Sie machen, wenn das sitzt!? (...)

Kundin: Ist das immer so einfach?

Betreuerin: Es verändert sich rein gar nichts.

Großzügige 50.000 Euro Spielgeld hat der Online-Broker FXdirekt der Kundin auf das fiktive Konto gebucht. Die enthusiastische Betreuerin im Callcenter lenkt sie am Telefon gezielt in eine Wette auf einen fallenden Dax. Und, oh Wunder, sie geht auf.

Verzögerung bei Demo-Konten?

Was die Kundin nicht ahnen konnte: Die Betreuerin sah womöglich, dass der Dax in den nächsten Minuten fallen würde. Nicht, weil sie hellseherische Fähigkeiten hätte, sondern weil Daten offenbar mit Verzögerung in die Demo-Konten von FXdirekt laufen. Eine Stichprobe der WirtschaftsWoche zeigt, dass eine Kundin im Demobetrieb andere, in dem Fall für sie bessere Kurse bekam, als zu den von FXdirekt ausgewiesenen Zeiten an der Börse gehandelt wurden. Die Bank bestreitet, dass Demokonten zeitverzögert laufen.

Kundin: Funktioniert das Demokonto so wie das Livekonto?

Betreuerin: Live funktioniert besser. (...) Das System hat ein paar Extras, die das Demo nicht hat. Sie bekommen zum Beispiel Hilfen vom System. Das wird mathematisch berechnet. Da werden Impulse gegeben, dass Sie wissen, ich habe jetzt gedacht, ich kaufe, und das System bestätigt das noch. Also solche kleinen Unterstützungen. (...)

Kundin: Habe ich hier einen Livechart?

Betreuerin: Es ist 99,9 Prozent gleich. Es wird regelmäßig aktualisiert, mehrmals am Tag und live angepasst.

Neue Kunden für den Broker

Job der Betreuerin ist es, für den Broker neue Kunden ranzuschaffen. Nach dem Test mit Spielgeld sollen die möglichst schnell echte Euro einzahlen. „Wenn Interessenten im Demo-Betrieb Tausende verdienen, erleichtert dies den Entschluss, ein echtes Konto einzurichten, ungemein“, sagt ein Aussteiger. Wer binnen Minuten Hunderte Euro Spielgeld abräumt, fängt an, sich reale Gewinne zurechtzuträumen.

Doch wer Vertrauen schöpft und harte Währung einzahlt, muss bei der Oberhausener FXdirekt um sein Erspartes bangen. Das Institut betreut nach eigenen Angaben 40.000 Kunden. Es beschäftigt über 100 Mitarbeiter, die Kunden keilen und, so sagen ehemalige Mitarbeiter, nach allen Regeln der Kunst ausnehmen sollen – und das unter den Augen der Finanzaufsicht BaFin, die die Bank beaufsichtigt.

Die Kunden kaufen und verkaufen Produkte, die außerbörslich gehandelt werden. Am beliebtesten sind Wetten auf Steigen oder Fallen von Währungen wie Dollar oder Yen (Forex) und Differenzkontrakte (Contracts for Difference, CFDs). Mit letzteren wetten Anleger auf Preisänderungen von Aktien, Indizes oder Rohstoffen. Die Wetten sind gehebelt, das heißt, mit kleinem Einsatz ist ein Vielfaches an Gewinnen möglich. Angenommen, eine Allianz-Aktie kostete 100 Euro, dann müsste ein Anleger, der wettet, dass die Aktie steigt, 100 Euro für eine Aktie einsetzen. Geht die auf 101 Euro, hat er vor Kosten ein Prozent Gewinn gemacht.

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10 Kommentare zu Insider packen aus: Die zweifelhaften Geschäfte der FXdirekt Bank

  • Ich hatte vor Jahren ein Konto bei dieser Bank. Habe nie gehandelt weil ich mich nicht traute. Beobachtete aber die Kurse und da gab es immer wieder ganz kurze Kursausschläge in beide Richtungen. Das kam mir suspekt vor. Auf meiner damals wichtigsten Börsen-Webseite hörte ich vom "Fishing" und da der Devisenhandel über Banken ablief kannten diese die Stops, dann war mir alles klar. Zum Stop setzen ist man aufgefordert worden, denn soweit trieb mich die Versuchung. Nachdem auf meinem Konto kein Handel stattfand wurde ich sehr oft von der Bank angerufen - warum ich nicht handele. Nach einem Jahr kündigte ich das Konto. Eine weiter Begebenheit würde das noch weiter vertiefen.

  • Der Artikel beschreibt einen Broker mit so genannten „Dealing Desk“. Viele Broker arbeiten mit dieser dazwischen geschalteten „Plattform“ und verdienen so direkt an den Verlusten ihrer Kunden.
    Wer das umgehen will, sollte sich alternativ einen ECN-Broker suchen. Hier zahlt der Kunde in der Regel nur die anfallenden Gebühren und seitens des Brokers besteht nur das Interesse, dass möglichst viele Kauf- bzw. Verkaufsaufträge erteilt werden. Trotzdem gilt auch hier, dass es sich im Prinzip um hochspekulative Wetten auf steigende oder fallende Kurse handelt. Jemand der nichts davon versteht bzw. nicht bereit ist, sich mit viel Zeitaufwand in die Materie einzuarbeiten, sollte die Finger davon lassen.

  • Wer mit einem Broker handelt, der die Positionen seiner Kunden kennt und die Spielregeln (Referenz) nach belieben ändern darf ist mehr als leichtgläubig. Orders gehören an die Börse! Auch sollte man Wertpapiere handeln, die öffentlich zugelassen sind. Wenn schon Hebel, dann eben Hebel-Zertifikate oder leverage ETFs. Da gibt es eine Börsenaufsicht und der Emittent kennt nicht das Orderbuch. Spätestens wenn ihr Broker Sie anruft und die 100% Chance für Sie hat sollte man die Reißleine ziehen. Leider gibt es immer noch zu viele Glücksritter, die den Versprechungen glauben. Anmerkung: Liebe Redaktion der WiWo: Die hier auf de Webseite angezeigt Anzeige zu "12% mit Kautschuk" ist ebenfalsl alles andere als seriös - gehen Sie der Sache mal auf den Grund und sie werden ihr blaues Wunder erleben!

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