Insiderverdacht: Der Notenbankpräsident gibt auf

KommentarInsiderverdacht: Der Notenbankpräsident gibt auf

Letztendlich konnte Notenbankchef Philipp Hildebrand nicht beweisen, dass er sich nicht durch Insiderwissen bereichert hat. Sein Rücktritt ist respektabel, aber peinlich für die berühmte Schweizer Bankenwelt.

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Hüter des Franken: Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank Philipp Hildebrand nach seiner Presseerklärung zur Insideraffäre. Nur wenige Tage später tritt er zurück

Philipp Hildebrand, der Präsident der Schweizer Nationalbank (SNB) wirft das Handtuch. Hildebrand steht wegen umstrittener Dollaran- und verkäufe seiner Ehefrau seit Wochen unter dem Verdacht des Insiderhandels.

Hildebrand selbst sagte heute in einer öffentlichen Erklärung, der Gouverneur einer Notenbank benötige absolute Glaubwürdigkeit, um sein Amt ausüben zu können. In die Defensive war Hildebrand wegen des An- und Verkaufs von US-Dollar geraten. Die fanden in zeitlicher Nähe zum Beschluss der Nationalbank statt, den Schweizer Franken zu einem Mindestkurs von 1,20 an den Euro zu binden. Diese Maßnahme nahm dem Schweizer Franken den Aufwertungsdruck und sorgte umgehend für einen Anstieg des Dollarkurses. Davon profitierten auch die Hildebrands, indem Ehefrau Kaysha mehr als eine halbe Million Dollar im Oktober mit 75.000 Franken (rund 62.000 Euro) Gewinn wieder verkaufte.

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Bei der kurzfristig angesetzten Medienkonferenz am Montagnachmittag nannte Hildebrand persönliche Gründe für seinen Rücktritt. In Anbetracht der öffentlichen Debatte und nach Prüfung seiner Dokumente sowie gründlichem Nachdenken sei er zu dem Schluss gekommen, keinen Beweis dafür liefern zu können, dass seine Frau ohne sein Wissen die heiklen Transaktionen veranlasst habe. Er stehe mit seinem Ehrenwort dazu, dass es so gewesen sei. Er habe immer die Wahrheit gesagt, versicherte er.

Hildebrand legte mit seiner Rücktrittserklärung auch seine gesamten E-Mails und Dokumente zu den Devisentransaktionen offen. Die Dollar-Transaktion sei ein Fehler gewesen, dazu stehe er.

Die absolute Glaubwürdigkeit war also seit Wochen dahin und dürfte trotz seiner späten, aber dafür zu weiten Teilen überzeugenden Erklärung vom vorigen Donnerstag nicht wieder zurückkehren. Das hat Hildebrand offenbar erkannt. Daher habe er sich entschlossen, sein Amt per sofort zur Verfügung zu stellen. Er gehe ohne Verbitterung, versicherte er.

Die Einsicht, dass der Glaubwürdigkeitsverlust nicht umkehrbar ist und vor allem die Konsequenz des sofortigen Rücktritts, verdienen Respekt. Um das Ansehen und die geldpolitische Objektivität der Nationalbank nicht länger zu beschädigen, war Hildebrands Amtsniederlegung der einzig richtige Schritt – unabhängig vom bleibenden Verdacht des Insiderhandels. Der aber ist vor allem für die Schweizer Bankenwelt und insbesondere für die SNB höchst peinlich. Zum einen, weil die Regeln zum Eigenhandel im europäischen Vergleich zu lax sind, zum anderen weil nach den ganzen Negativschlagzeilen um die Schweizer Banken UBS und Credit Suisse der Ruf der Schweizer Banken schon länger angeschlagen ist. Dass ausgerechnet der oberste Währungshüter in den Verdacht des Insiderhandels gerät, hätte nicht passieren dürfen.

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