Intelligent investieren: Nicht alle Aktieninvestments sind spekulativ

Intelligent investieren: Spekulierst Du noch, oder investierst Du schon?

Nicht alle Aktieninvestments sind spekulativ

Aus diesem Blickwinkel heraus wir auch deutlich, dass Aktieninvestments nicht per se spekulativ und Anleiheinvestments nicht per se sichere, nicht-spekulative Investments sind. Es kommt vielmehr auf die Sicherheitsmarge an. Graham berichtet in diesem Zusammenhang, dass in den 1920er-Jahren Anleihen von US-amerikanischen Eisenbahngesellschaften als risikoarme Papiere heiß begehrt waren und problemlos bei Privatanlegern platziert wurden. Dann jedoch, in der „Großen Depression“, fielen die Kurse dieser Papiere um bis zu 90 Prozent – das heißt, das Papier, das zuvor einen US-Dollar an der Börse kostete, war plötzlich für 0,1 US-Dollar zu haben.

Die gleichen Anleihen, die vor dem Kurssturz als sicher galten, wurden nun plötzlich, nachdem die Kurse gefallen waren, als risikoreich gemieden. Kundige Investoren erkannten jedoch, dass die Eisenbahngesellschaften noch die Mittel hatten, um die Anleihen zu bedienen. Sie schätzten den Wert der Anleihen auf 0,4 US-Dollar – und kauften. Schließlich war die Sicherheitsmarge für die Anleihen durch den Kursrutsch auf 200 Prozent gestiegen!

Damit wird deutlich: Der intrinsische Wert im Vergleich zum Marktpreis entscheidet darüber, ob ein Wertpapier eine sinnvolle Investition oder eine Spekulation ist.

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Self-driving vehicle von Google Quelle: dpa


Nicht verlocken lassen von „großen Namen“

In der Regel notieren Aktien großer und bekannter Unternehmen („Blue Chips“) relativ teuer an der Börse. Denn viele Anleger neigen dazu, „bekannte Namen“ zu kaufen. Auf diese Weise meinen sie, ihr Investitionsrisiko zu begrenzen. Aus Sicht eines Graham-Investors kann das nicht überzeugen. Übersehen wird, dass der Preis, den man für die Aktien der Großen und Bekannten zu bezahlen hat, häufig keine attraktive Sicherheitsmarge bietet. Nicht nur fällt die Investitionsrendite gering(er) aus, der Investor geht auch ein erhöhtes Kapitalverlustrisiko ein (wenn der Wert der Aktien nahe am Kaufpreis oder gar darunter liegt).

Damit wird deutlich, was spekulieren ist: Man spekuliert, wenn man nicht weiß, was der Wert eines Wertpapiers ist, das man erwirbt. Und wenn man den Wert nicht (annähernd) kennt, lässt sich auch die Sicherheitsmarge nicht mit hinreichender Gewissheit abschätzen. Der Spekulant kann Glück haben, dass das Papier, das er kauft, tatsächlich einen deutlich höheren Wert hat als der Preis, den er bezahlt. Wenn das aber nicht der Fall ist – wenn also die Sicherheitsmarge gering ausfällt oder gar negativ ist (der Wert des Papiers unter dem Kaufpreis liegt) – läuft er Gefahr, eine geringe oder gar negative Rendite einzufahren.

Mit Graham lässt sich also sagen: Der Investor trägt ein geringeres Risiko als der Spekulant, weil der Investor, anders als der Spekulant, mit dem Prinzip „Preis versus Wert“ arbeitet.

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Ist es das Licht am Ende des Tunnels oder ein entgegenkommender Zug? Diese Frage drängt sich dem umsichtigen Investor zwangsläufig auf, sobald er die weltweite Konjunktur- und Finanzmarktentwicklung zu deuten versucht.

Das Hochhaus der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main Quelle: dpa

Damit kommen wir zu einer ganz entscheidenden Frage: Wie lässt sich der Wert eines Wertpapiers ermitteln? Betrachten wir dazu ein Unternehmen beziehungsweise seine Aktien. Zur Wertbestimmung gibt es eine feste Formel: Der Wert der Aktie ist die Summe aller abgezinsten künftigen Gewinne („Owners Earnings“). Nun sind aber die künftigen Unternehmensgewinne unbekannt, und es stellt sich auch die Frage, welchen Diskontierungsfaktor man wählen soll.


Mit dem „Graham-Investor“ anfreunden

Wer sich gewissenhaft an die Arbeit macht, um die künftige Unternehmensgewinne abzuschätzen, der wird sehr rasch merken, dass es Unternehmen gibt, bei denen das tendenziell möglich ist (wenn man sich intensiv mit dem Unternehmen und seiner Branche beschäftigt), und dass es Unternehmen gibt, bei denen das nur schwer oder ganz unmöglich ist. Der umsichtige Graham-Investor wird sich nur mit solchen Unternehmensaktien genauer beschäftigen, deren Zukunftserfolge er zumindest annähernd beurteilen kann, und er wird die Finger von den Aktien lassen, die er nicht versteht.

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