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Interview Robert Halver: "Die schönsten Kursrallys sind liquiditätsgetrieben"

Interview Robert Halver: "Anleihekäufer verdienen einen Orden"

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"Die schönsten Kursrallys sind liquiditätsgetrieben"

Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe seit Januar 2010

Des einen Leid, des anderen Freud: Die Bundesrepublik Deutschland kann sich so billig verschulden wie nie zuvor. Damit Anleger ihre Euros in vergleichsweise sicheren Bundesanleihen parken durften, zahlten sie sogar zeitweise einen negativen Zins für kurzlaufende (bis zu einem Jahr laufende) Papiere. Anders gesagt: Die Bundesregierung zahlte auf neue Schulden keine Zinsen, sondern bekam sogar noch Geld geschenkt. Bei der Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit stieg die Rendite nach dem ersten Rettungspaket der EU zwar wieder bis auf 3,5 Prozent an. Mit dem Schuldenschnitt bei griechischen Staatsanleihen und der wachsenden Sorge um die Euro-Länder Italien und Spanien sanken sie aber auf rund 1,2 Prozent. Seit diesem Tief ging es nur wenig aufwärts.

Bild: Bloomberg

Was ist dem vielzitierten Domino-Effekt, dass dann bald andere Länder Griechenland folgen müssten?

Das wird die EZB verhindern. Sie überlegt ja schon als Präventivmaßnahme Zinsobergrenzen für die Krisen-Staaten festzulegen. Erstmals liefe man den Finanzmärkten nicht mehr politisch hinterher. Und der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel.

Nochmal zu Mario Draghi: Wie bewerten Sie seine Rolle in der Euro-Krise?

Draghi ist die personifizierte Lebensversicherung von Euroland, ihr heimlicher Präsident. Was soll der Mann auch alternativ machen – darauf warten, dass ein mutloser, unkontrollierter euro-politischer Polit-Zirkus die Probleme löst, nachdem zweieinhalb Jahre keine nachhaltigen Lösungsschritte umgesetzt wurden? Er hat keine andere Wahl; seine geldpolitischen Künste sind gefragt, um die Eurozone vor ihrem Kollaps zu bewahren. Das sollten sich übrigens auch die vielen selbsternannten Stabilitätsapostel vor Augen führen. Auch ich habe nichts gegen eine Stabilitätspolitik gemäß der Deutschen Bundesbank. Mit dieser Politik hat Deutschland beste Erfahrungen gemacht. Aber Tatsache ist auch, dass eine EZB-Politik nach striktem Stabilitätsmuster der Deutschen Bundesbank die Eurozone in zwei Wochen zerlegen würde. Zwar denkt so mancher Politiker eher an die Sicherung seines nicht mehr so sicheren Wahlkreises. Ich nenne so etwas aber Stabilitätsheuchelei.
Machen wir uns nichts vor – Herr Draghi füllt das Lösungs-Vakuum, das die Euro-Politik hinterlässt.

Heißt das, man darf von der EZB noch mehr Aktivitäten erwarten?

Wir werden von der EZB noch Dinge sehen, die wir uns heute kaum vorstellen können. Ich erwarte zur Lösung der Euroland-Krise die totale Liquidität. Angesichts der real existierenden Krise in Euroland kann ich alle gut verstehen, die sich eine Rückkehr zu der guten, alten Stabilität deutscher Machart wünschen. Leider hat man jedoch durch eine seit mindestens zweieinhalb Jahren völlig unzulängliche Krisenbewältigungspolitik in der Eurozone den Karren so sehr in den Dreck gefahren, dass genau diese Politik nicht mehr möglich ist, wenn man die Eurozone erhalten will.

Unter den Fachleuten sind viele, die an der aktuellen starken Verfassung des DAX gerade das bemängeln, nämlich dass diese ausschließlich liquiditätsgetrieben sei und ihr fundamental die Basis fehle. Was kann man ihnen entgegnen?

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Die schönsten Kursrallys waren im Wesentlichen immer liquiditätsgetrieben. Das zeigten die US-Aktienmärkte in der Vergangenheit mehr als deutlich. Diese Entwicklung wird sich auch in Euroland bzw. Deutschland mit einer zunehmend geläuterten EZB-Politik einstellen.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 23.08.2012, 10:06 Uhrv6yz

    Lachnummer Euro/EU
    Die EU will ein "global player" sein und ruiniert die wirtschaftliche Basis für diese Rolle wo sie nur kann. Aus dem Möchtegern-Global Player ist längst eine globale Lachnummer geworden. Nur in der EU und besonders in Deutschland ist diese Einsicht noch nicht voll angekommen.
    Da könnten die Witze über die Euro-Politiker, die Herr Halver erwähnt, bewußtseinserweiternd wirken. Meine Bitte an die Wirtschaftswoche (und Herrn Halmer): Bringen Sie jeden Tag einen Euro/EU -Witz. Witze wirken Wunder!

  • 23.08.2012, 08:33 UhrWegweiser

    Leider handelt es sich hierbei nicht um eine unabhängige Einschätzung, sondern um die Bewertung und Einschätzung eines Bankenfachmannes. Und dieser bewertet diese Situation aus Sicht dieser Branche. Monetarisierung, die Vergemeinschaftlichung und die damit verbundenen Sozialisierung von Fremdschulden und von Fremdrisiken fördert das Anlagen- und Bankengeschäft. Zudem erlaubt es die derzeitige Zinsstruktur, dass sich die Banken fast umsonst bei der EZB Geld leihen können, diese aber zu sehr hohen Kreditzinsen dieses wieder weiterreichen können. Mit erheblichen Folgen für die Privatwirtschaft und die Sparer.

    Die ökonomischen Ungleichgewichte, die völlig verschiedenen Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeiten der einzelnen Eurovolkswirtschaften, die Risiken aus der EZB-Geld- und Währungspolitik (Target 2, ELA, LTRO, Ankauf von Staatsanleihen), EFSF, EFSM, ESM werden hingegen nicht beachtet. Vorsatz? Wohl kaum, eher ein marktwirtschaftliches Kalkül mit einer großen Gewinn- und Verdienstspanne. Fragt sich nur, für wen? Und wer trägt die tatsächlichen Risiken?

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