"Die schönsten Kursrallys sind liquiditätsgetrieben"
Bild: BloombergRendite der 10-jährigen Bundesanleihe seit Januar 2010
Des einen Leid, des anderen Freud: Die Bundesrepublik Deutschland kann sich so billig verschulden wie nie zuvor. Damit Anleger ihre Euros in vergleichsweise sicheren Bundesanleihen parken durften, zahlten sie sogar zeitweise einen negativen Zins für kurzlaufende (bis zu einem Jahr laufende) Papiere. Anders gesagt: Die Bundesregierung zahlte auf neue Schulden keine Zinsen, sondern bekam sogar noch Geld geschenkt. Bei der Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit stieg die Rendite nach dem ersten Rettungspaket der EU zwar wieder bis auf 3,5 Prozent an. Mit dem Schuldenschnitt bei griechischen Staatsanleihen und der wachsenden Sorge um die Euro-Länder Italien und Spanien sanken sie aber auf rund 1,2 Prozent. Seit diesem Tief ging es nur wenig aufwärts.
Bild: BloombergUSA
Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe seit Januar 2010
Die Vereinigten Staaten sind alles andere als ein Musterknabe, wenn es ums Schuldenmachen geht. Präsident Barack Obama musste bereits die Erhöhung der Schuldenobergrenze durchboxen, um im Konjunkturtief seine teuren Wahlversprechen und Wirtschaftsförderungsprogramme bezahlen zu können. Zuletzt meldeten die USA mehr als 16 Billionen Dollar Schulden, das sind rund 107 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Dennoch profitieren die USA auf dem Anleihenmarkt von der Euro-Krise. Der Dollar gilt vielen als sicherer Hafen, zuletzt gewann er gegenüber dem Euro deutlich an Wert. Zwischenzeitliche Signale einer Erholung der US-Wirtschaft sorgten für weiter sinkende Renditen - auch wenn sich zuletzt die Anzeichen einer Konjunktureintrübung wieder häuften.
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Rendite der 10-jährigen Staatsanleihe Griechenlands
Für die Euro-Zone ist Griechenland der Sündenfall. Neben der immens hohen Staatsverschuldung von zeitweise 163 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (vor dem Schuldenschnitt) tut sich das Land mit den notwendigen Sparprogrammen und Strukturreformen schwer. Nach anhaltenden Protesten der griechischen Bevölkerung gegen ihre Regierung kletterten die Anleiherenditen deutlich über die 30-Prozent-Marke. Der Schuldenschnitt im März 2012 um 107 Milliarden Euro und unter Beteiligung privater Gläubiger brachte Griechenland mit Blick auf den Kapitalmarktzins vorrübergehend Entlastung. Aber die Neuwahlen im Mai machten die Anleger wieder nervöser, die Renditen der Griechenland-Anleihen zogen erneut deutlich an - vor allem, weil das Risiko eines Euro-Austritts der Griechen wieder zunahm. Der Wahlsieg der konservativen Kräfte, die in Athen eine neue Regierung gebildet haben, sorgte am Kapitalmarkt nur für wenig Erleichterung. Bis Griechenland sich wieder zu einem bezahlbaren Zins von weniger als sieben Prozent über die Ausgabe neuer Staatsanleihen selbstständig refinanzieren kann, werden wohl noch viele Jahre vergehen.
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Rendite der 10-jährigen Staatsanleihe Portugals seit Januar 2010
Spaniens wirtschaftlich deutlich schwächerer Nachbar geriet früh in den Sog der Schuldenkrise. Aber Portugals Regierung reagierte schnell, beantragte EU-Hilfe im Volumen von 78 Milliarden Euro und setzte harsche Sparprogramme noch für das Haushaltsjahr 2011 um. Dafür gab es zwar viel Lob aus der EU, verhinderte aber nicht, dass die Rendite portugiesischer Staatsanleihen bis zum Frühjahr 2012 sukzessive in Richtung 18 Prozent kletterte. Investoren wetteten darauf, dass der Schuldenschnitt für das deutlich höher verschuldete Griechenland zur Blaupause für Portugal wird. Die Lage hat sich zwar wieder beruhigt, aber die aktuell fälligen Renditen von rund zehn Prozent könnte Portugal dennoch niemals zahlen.
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Rendite der 10-jährigen Staatsanleihe Irlands
Die grüne Insel gilt inzwischen als Musterschüler unter den Schuldensündern der Euro-Zone. Die 4,5 Millionen Einwohner verfügen über eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Aber als im November 2010 ein 85-Milliarden-Euro-Rettungspaket für Irland geschnürt wurde und die Wahlen im Frühjahr 2011 die Vereinbarungen dazu wieder in Frage stellten, wurde das Land wieder in einem Atemzug mit Griechenland genannt. Ende 2013 läuft das Rettungspaket für Irland aus, dann müssen sich die Iren wieder am Kapitalmarkt refinanzieren. Weil es Hoffnung gibt, haben sich auch die Renditen seit dem Hoch im Sommer 2011 wieder halbiert.
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Rendite der 10-jährigen italienischen Staatsanleihe
Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone hat eine hohe Schuldenquote, aber nervös wurden die Märkte erst, als sich die Konjunktur einzutrüben begann. Experten gehen davon aus, dass es für Italien eng wird, wenn die Renditen für die Staatsanleihen über sechs Prozent steigen. Um den Jahreswechsel herum war es dann soweit, die Renditen stiegen über sieben Prozent. Inzwischen schwanken sie sich um die kritische Marke.
Bild: BloombergSpanien
Renditen der 10-jährigen spanischen Staatsanleihen
Lange profitierte Spanien von einem immensen Immobilienboom - befeuert durch niedrige Zinsen in der Euro-Zone. Als die Immobilienblase platzte, gerieten immer mehr spanische Banken wegen fauler Hypothekenkredite in Schieflage, große Sparkassen wurden zusammengelegt. Aber die alte Regierung sträubte sich vehement gegen Forderungen, Spanien solle unter den Rettungsschirm schlüpfen. Noch bis zum Regierungswechsel Mitte 2011 blieben die Anleiherenditen unterhalb der für Spanien kritischen Marke von sechs Prozent - aber der Druck auf Spanien wuchs am Kapitalmarkt zusehends, die Haushaltszahlen entwickelten sich beunruhigend. Seit das neu geschaffene Sparkassenkonglomerat Bankia in immer mehr in Schieflage geriet, teilverstaatlicht wurde und dann Staatshilfe beantragen musste, spitzt sich die Lage weiter zu. Auch Spaniens inzwischen erfolgter Antrag auf Rettungsmilliarden der EU sorgt kaum für Entspannung bei den Anleiherenditen. Die EU hat bereits Hilfen für Spaniens Banken im Volumen von bis zu 100 Milliarden Euro genehmigt.
Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe seit Januar 2010
Des einen Leid, des anderen Freud: Die Bundesrepublik Deutschland kann sich so billig verschulden wie nie zuvor. Damit Anleger ihre Euros in vergleichsweise sicheren Bundesanleihen parken durften, zahlten sie sogar zeitweise einen negativen Zins für kurzlaufende (bis zu einem Jahr laufende) Papiere. Anders gesagt: Die Bundesregierung zahlte auf neue Schulden keine Zinsen, sondern bekam sogar noch Geld geschenkt. Bei der Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit stieg die Rendite nach dem ersten Rettungspaket der EU zwar wieder bis auf 3,5 Prozent an. Mit dem Schuldenschnitt bei griechischen Staatsanleihen und der wachsenden Sorge um die Euro-Länder Italien und Spanien sanken sie aber auf rund 1,2 Prozent. Seit diesem Tief ging es nur wenig aufwärts.
Was ist dem vielzitierten Domino-Effekt, dass dann bald andere Länder Griechenland folgen müssten?
Das wird die EZB verhindern. Sie überlegt ja schon als Präventivmaßnahme Zinsobergrenzen für die Krisen-Staaten festzulegen. Erstmals liefe man den Finanzmärkten nicht mehr politisch hinterher. Und der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel.
Nochmal zu Mario Draghi: Wie bewerten Sie seine Rolle in der Euro-Krise?
Draghi ist die personifizierte Lebensversicherung von Euroland, ihr heimlicher Präsident. Was soll der Mann auch alternativ machen – darauf warten, dass ein mutloser, unkontrollierter euro-politischer Polit-Zirkus die Probleme löst, nachdem zweieinhalb Jahre keine nachhaltigen Lösungsschritte umgesetzt wurden? Er hat keine andere Wahl; seine geldpolitischen Künste sind gefragt, um die Eurozone vor ihrem Kollaps zu bewahren. Das sollten sich übrigens auch die vielen selbsternannten Stabilitätsapostel vor Augen führen. Auch ich habe nichts gegen eine Stabilitätspolitik gemäß der Deutschen Bundesbank. Mit dieser Politik hat Deutschland beste Erfahrungen gemacht. Aber Tatsache ist auch, dass eine EZB-Politik nach striktem Stabilitätsmuster der Deutschen Bundesbank die Eurozone in zwei Wochen zerlegen würde. Zwar denkt so mancher Politiker eher an die Sicherung seines nicht mehr so sicheren Wahlkreises. Ich nenne so etwas aber Stabilitätsheuchelei.
Machen wir uns nichts vor – Herr Draghi füllt das Lösungs-Vakuum, das die Euro-Politik hinterlässt.
Heißt das, man darf von der EZB noch mehr Aktivitäten erwarten?
Wir werden von der EZB noch Dinge sehen, die wir uns heute kaum vorstellen können. Ich erwarte zur Lösung der Euroland-Krise die totale Liquidität. Angesichts der real existierenden Krise in Euroland kann ich alle gut verstehen, die sich eine Rückkehr zu der guten, alten Stabilität deutscher Machart wünschen. Leider hat man jedoch durch eine seit mindestens zweieinhalb Jahren völlig unzulängliche Krisenbewältigungspolitik in der Eurozone den Karren so sehr in den Dreck gefahren, dass genau diese Politik nicht mehr möglich ist, wenn man die Eurozone erhalten will.
Unter den Fachleuten sind viele, die an der aktuellen starken Verfassung des DAX gerade das bemängeln, nämlich dass diese ausschließlich liquiditätsgetrieben sei und ihr fundamental die Basis fehle. Was kann man ihnen entgegnen?
Die schönsten Kursrallys waren im Wesentlichen immer liquiditätsgetrieben. Das zeigten die US-Aktienmärkte in der Vergangenheit mehr als deutlich. Diese Entwicklung wird sich auch in Euroland bzw. Deutschland mit einer zunehmend geläuterten EZB-Politik einstellen.
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- Seite 5: "Ich bin ein Freund von Edelmetallen"
























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Alle Kommentare lesen23.08.2012, 10:06 UhrAnonymer Benutzer:v6yz
Lachnummer Euro/EU
Die EU will ein "global player" sein und ruiniert die wirtschaftliche Basis für diese Rolle wo sie nur kann. Aus dem Möchtegern-Global Player ist längst eine globale Lachnummer geworden. Nur in der EU und besonders in Deutschland ist diese Einsicht noch nicht voll angekommen.
Da könnten die Witze über die Euro-Politiker, die Herr Halver erwähnt, bewußtseinserweiternd wirken. Meine Bitte an die Wirtschaftswoche (und Herrn Halmer): Bringen Sie jeden Tag einen Euro/EU -Witz. Witze wirken Wunder!
23.08.2012, 08:33 UhrAnonymer Benutzer:Wegweiser
Leider handelt es sich hierbei nicht um eine unabhängige Einschätzung, sondern um die Bewertung und Einschätzung eines Bankenfachmannes. Und dieser bewertet diese Situation aus Sicht dieser Branche. Monetarisierung, die Vergemeinschaftlichung und die damit verbundenen Sozialisierung von Fremdschulden und von Fremdrisiken fördert das Anlagen- und Bankengeschäft. Zudem erlaubt es die derzeitige Zinsstruktur, dass sich die Banken fast umsonst bei der EZB Geld leihen können, diese aber zu sehr hohen Kreditzinsen dieses wieder weiterreichen können. Mit erheblichen Folgen für die Privatwirtschaft und die Sparer.
Die ökonomischen Ungleichgewichte, die völlig verschiedenen Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeiten der einzelnen Eurovolkswirtschaften, die Risiken aus der EZB-Geld- und Währungspolitik (Target 2, ELA, LTRO, Ankauf von Staatsanleihen), EFSF, EFSM, ESM werden hingegen nicht beachtet. Vorsatz? Wohl kaum, eher ein marktwirtschaftliches Kalkül mit einer großen Gewinn- und Verdienstspanne. Fragt sich nur, für wen? Und wer trägt die tatsächlichen Risiken?