Investitionen: Bond-König verzockt sich mit Staatsanleihen

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Investitionen: Bond-König verzockt sich mit Staatsanleihen

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Bill Gross, Fondsmanager

von Andreas Toller

Bill Gross, Starinvestor und Chef des größten Anleihefonds der Welt, hat im Mai herbe Verluste mit US-Staatsanleihen eingefahren. Aber er hält an seiner Strategie fest.

Alle Anleihefonds haben im Mai Verluste gemacht. Schuld daran sind Befürchtungen, die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) könnte in der Geldpolitik langsam wieder die Zügel anziehen und ihre Anleihekäufe reduzieren. Seit Anfang des Jahres kauft die Fed jeden Monat für 85 Milliarden Dollar Anleihen auf und pumpt noch mehr Geld in die Wirtschaft, als in den Jahren zuvor. Insgesamt hat die Zentralbank dafür 2,5 Billionen Dollar Verbindlichkeiten in ihrer Bilanz stehen.

Weil Investoren damit rechnen, dass die Zinswende und das Ende der Geldschwemme vor dem Hintergrund einer sich aufhellenden US-Konjunktur in naher Zukunft erfolgen könnten, stießen sie Anleihen ab. Im Ergebnis sanken die Kurse und stiegen die Renditen am Anleihemarkt. Dieser Vorgang hat offenbar selbst den "Bondkönig" Bill Gross, Gründer und Chef der Fondsgesellschaft Pimco, eine Tochter der deutschen Allianz, kalt erwischt. Gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg sagte Gross, die US-Notenbank würde mit ihrer Politik verzweifelt versuchen, eine Wirtschaft zu heilen, die strukturelle Reformen jenseits einer expansiven Geldpolitik benötige.

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1,9 Prozent verloren

"Zentralbanken – einschließlich des heutigen Super-Geldmengenerhöhers Kuroda, dem Chef der japanischen Notenbank – scheinen zu glauben, dass immer höhere Preise für Vermögensanlagen, - hervorgerufen durch mehr und mehr Notenbank-Schecks - durch die überschießenden Vermögen unvermeidbar realwirtschaftliches Wachstum stimulieren", sagte Gross. Dass Bill Gross offenbar nicht daran glauben mag, hat ihn und seine Anleger zumindest im Monat Mai ordentlich Geld gekostet. Der Pimco-Fonds Total Return verlor in diesem Monat 1,9 Prozent seines 300 Milliarden Dollar schweren Anlageportfolios.

Das Minus fiel im Vergleich zu den meisten Wettbewerbern besonders hoch aus, weil Gross offenbar erst Ende April den Anteil an US-Staatsanleihen von 33 auf 39 Prozent erhöht hatte. Wenig später deutete Fed-Chef Ben Bernanke eine mögliche Wende der expansiven Geldpolitik an und schickte damit die Anleihekurse auf Talfahrt. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen waren im Mai im Gegenzug von 1,66 Prozent auf mehr als zwei Prozent gestiegen. Das historische Tief bei den Renditen hatte der Markt im Juli 2012 mit 1,4 Prozent erreicht.

Der Bullenmarkt ist vorbei

Damit erwischte der Kursrückgang bei US-Staatsanleihen Börsenlegende Gross zum falschen Zeitpunkt. Die niedrigen Renditen und Handelsmargen sowie niedrig erwartete Erlöse am Anlagemarkt hätten einen zunehmend negativen Effekt auf die Realwirtschaft, konstatiert Gross. Bereits von zwei Wochen äußerte er öffentlich die Befürchtung, dass der 30 Jahre währende Bullenmarkt für festverzinsliche Anlagen vorbei sei. Eine Zunahme der privatwirtschaftlichen Kredite sei durch eine ansteigende Bilanzsumme und die Beschränkungen des Anleihekaufprogramms der Fed begrenzt.

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Schon mehrfach lag Investorenlegende und Regierungsberater Bill Gross mit seinen Prognosen daneben. Noch Ende 2011 musste sich Gross bei seinen Anlegern dafür entschuldigen, dass er gegen US-Staatanleihen gewettet und so deutliche Verluste zu verantworten hatte. 2012 hatte er wieder auf US-Anleihen gesetzt und von Euro-Anleihen abgeraten. Letztere hätten allerdings aufgrund sehr hoher Zinsaufschläge die bessere Rendite abgeworfen. Dennoch hält Gross bis heute an US-Staatsanleihen fest und stockt ihren Anteil im Portfolio auf.

Anlegern rät Gross mit Blick auf Anlagen, die erkennbar riskanter als Wertpapiere wie etwa Staatsanleihen und langlaufende Schuldentitel sind, die Risiken zu begrenzen. Erst Ende vergangener Woche erklärte Gross, dass Pimco Staatsanleihen bevorzuge, die erst in fünf bis zehn Jahren fällig werden. Vorerst werde es auch keine Reduzierung dieser Positionen geben. Passend dazu erklärte Pimco-Co-Chef Mohammed El-Erian gegenüber dem Handelsblatt: "Auf lange Sicht werden die Renditen steigen."

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