Investmentfonds: BaFin verbietet unfaire Kostenmodelle

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Investmentfonds: BaFin verbietet unfaire Kostenmodelle

von Heike Schwerdtfeger

Drei Viertel ihrer Fonds legen deutsche Anbieter in Luxemburg auf - und kassieren kräftig ab. Dagegen geht die deutsche Finanzaufsicht nun vor.

Die heimische Finanzaufsicht BaFin geht gegen moderne Raubritter vor und verbietet unfaire Kostenmodelle bei Investmentfonds. Leider sind die EU-Parlamentarier in Brüssel vergangene Woche dem deutschen Vorbild nicht gefolgt. Als über eine neue Investmentfonds-Richtlinie abgestimmt wurde, wehrten sich ausgerechnet deutsche CDU- und FDP-Parlamentarier erfolgreich dagegen, dass die strengeren deutschen Kostenvorschriften EU-weit gelten. Statt ihre Wähler haben sie dadurch den Finanzplatz Luxemburg geschützt. Dort legen deutsche Fondshäuser etwa drei Viertel der hierzulande angebotenen Fonds auf. Dort dürfen Fonds die Anleger nahezu für jeden Handgriff extra zur Kasse bitten und Preismodelle konstruieren, die vor allem der Gewinnmaximierung der Verwalter dienen.

Die wichtigsten Fondstypen im Überblick

  • Aktienfonds

    Wie der Name schon sagt, legen diese Investmentfonds in Aktien an. Aufgrund der breiten Anlagestreuung ist ein Investment in Aktienfonds weniger risikoreich als eine Direktanlage in Einzeltitel. Aktienfonds haben spezielle Anlageschwerpunkte – etwa bestimmte Branchen, Länder, Regionen oder Anlagestile.

  • Börsengehandelter Indexfonds (ETF)

    Dieser Investmentfonds – auch Exchange Traded Funds (kurz ETF) genannt – bildet einen Index wie beispielsweise den Dax eins zu eins nach. Die Zusammensetzung dieses Fonds verändert sich nur, wenn sich die Zusammensetzung des zugrunde liegenden Index verändert. Deshalb spricht man von einem passiven Investment. ETFs können fortlaufend über die Börse gehandelt werden. Ihre Verwaltungsgebühren sind sehr gering, Ausgabeaufschläge wie bei „aktiv“ gemanagten Fonds entfallen.

  • Geldmarktfonds

    Für die kurzfristige Anlage eignen sich vor allem Geldmarktfonds. Sie investieren in Geldmarktinstrumente wie beispielsweise Festgeld und kurz laufende, festverzinsliche Wertpapiere. Die Kursschwankungen dieser Fonds sind gering, die Renditeaussichten allerdings auch.

  • Immobilienfonds

    Offene Immobilienfonds legen das Geld der Anleger in Grundstücken, Erbbaurechten und Beteiligungen an Büro- und Geschäftsimmobilien an. Anleger profitieren von den Miet- und Zinseinnahmen sowie den Wertsteigerungen der Immobilien. Die Anzahl der ausgegebenen Anteile ist anders als bei geschlossenen Immobilienfonds nicht begrenzt.

  • Lebenszyklusfonds (Zielfonds)

    Sogenannte Lebenszyklusfonds sind im Grunde Mischfonds mit einem bestimmten Anlageziel beziehungsweise -horizont. Die Lebenszyklusfonds haben eine feste Laufzeit, gegen Ende dieses Zeitraums – das können 20, 25 oder 30 Jahre sein – schichtet das Fondsmanagement schrittweise von Aktien in Anleihen um, um das Kapital und die angefallenen Kursgewinne zu sichern.

  • Mischfonds

    Diese Fonds legen in Aktien und Anleihen an. Der Fondsmanager kann so in stagnierenden oder fallenden Märkten verzinsliche Wertpapiere übergewichten, bei steigenden Aktienkursen den Anlageschwerpunkt aber wieder verlagern. Das Ziel: einen höheren Ertrag als reine Rentenfonds zu erzielen und beim Risiko niedriger als bei einem Aktienfonds zu liegen. Der typische Aktienanteil liegt zwischen 30 und 70 Prozent – je nach Geschmack der Anleger.

  • Rentenfonds

    Rentenfonds investieren ausschließlich oder überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere wie Pfandbriefe, Kommunalobligationen oder Länder- beziehungsweise Unternehmensanleihen. Da regelmäßig Erträge in Form von Zinszahlungen anfallen, bieten Rentenfonds in der Regel stetige Erträge.


In Deutschland werden einige Fonds günstiger durch Anpassungen bei der Erfolgsprämie, darunter bekannte Portfolios wie Allianz Vermögensbildung Global, DekaFonds, UniDividendenAss, DWS Internationale Aktien Typ 0 und Metzler Wachstum International. Die Anbieter verzichten aber nicht freiwillig - und auch nicht bei in Luxemburg aufgelegten Fonds. Bei deutschen Fonds, so will es die BaFin, müssen sie die Kosten für Ratings, Werbung und Vertrieb selbst bezahlen, sie dürfen dafür nicht extra Geld aus dem Fonds entnehmen. Die BaFin kippt auch unfair konstruierte Erfolgsprämien. Mancher Fondsverwalter legte die Latte für seinen Erfolg extra niedrig und wählte unpassende Vergleichsmaßstäbe. Das Fondshaus C-Quadrat etwa kassiert schon dann eine Prämie, wenn der aus Anleihe- und Aktienfonds gemischte Dachfonds "Arts Total Return Global AMI" besser abschneidet als der Geldmarktzins Euribor. Der liegt bei gigantischen 0,22 Prozent. Ein Fünftel von allem, was der Fonds darüber hinaus verdient, geht als Prämie an das Fondshaus. Die neuen Regeln verbieten es jetzt immerhin, diese Prämie jeden Monat zu kassieren. Der Fonds darf sie nur einstreichen, wenn die 0,22 Prozent über das gesamte Geschäftsjahr geschafft werden.
Für Fondsmanager soll es sich künftig nicht mehr lohnen, die Performance kurzfristig hochzutreiben, um Erfolgsprämien zu kassieren. Bei einem anschließenden Kursabsturz blutete bisher nur der Anleger, die ungerechtfertigte Prämie rückte der Verwalter nicht raus.

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Ausgesorgt

Wenn Fonds gut laufen, verdienen die Manager extrem schnelles Geld. Beim in Luxemburg im Jahr 2001 aufgelegten Aktienfonds FPM Stockpicker Germany All Cap etwa hat auch Co-Fondslenker Manfred Piontke an halbjährlichen Erfolgshonoraren verdient, sobald der Fonds die niedrig angesetzte Marke von jährlich vier Prozent plus überschritten hat. In einem Jahr kamen so allein an Erfolgsprämien für die Verwalter 12,9 Millionen Euro zusammen, 2012 immerhin noch zwei Millionen. Piontke steigt jetzt aus und widmet sich seiner privaten Vermögensverwaltung - mit Anfang 50. Für Anleger doppelt bitter. Sie haben den Aktienexperten üppig bezahlt, jetzt verlässt er sie.

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