Investmentfonds: "Liebling, ich habe den Index geschlagen"

von Heike Schwerdtfeger

Laut Studien gelingt es nur selten, doch dieses Jahr haben es US-Fondsmanager häufig geschafft: Ihren Vergleichsindex zu schlagen. Schön für sie! Warum deutsche Anleger ihnen trotzdem nicht ihr Geld anvertrauen sollten.

Ein Aktienindex ist anscheinend etwas Großartiges. Ehrfurchtsvoll blicken die Deutschen auf ihren Dax, in dem die 30 größten deutschen Aktiengesellschaften vereint sind. Die Amerikaner haben ihren Dow Jones und den S&P 500, in denen sich das Who-is-who der amerikanischen Wirtschaft versammelt.

Sorgen bereiten die Indizes allerdings allen Fondsmanagern, deren Aufgabe es ist, mit ihren Aktien, die sie angeblich mühsam auswählen und prüfen, auf Dauer besser abzuschneiden als ein Index. Mit einem Buch, dessen Titel „Liebling, ich habe den Index geschlagen“ wie der Stoßseufzer eines Fondsmanagers klingt, hat es der Paar- und Single-Berater Christian Thiel sogar in die Bestsellerlisten geschafft. Es ist nicht bekannt, ob er zuvor manchen Fondsmanager therapieren musste, der eben dieses Ziel, den Index zu schlagen, nicht erreichen konnte und deshalb Bonusverzicht oder schlimmere Strafen erdulden musste.

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Aber zumindest in den USA haben die Manager in diesem Jahr ein gutes Händchen für die Aktienauswahl bewiesen. Von den hierzulande angebotenen 509 Aktienfonds, die sich auf große US-Standardwerte konzentrieren und dabei keine besonderen Einschränkungen haben, konnten immerhin rund 350 den S&P 500 Index schlagen.

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Rentenfonds im schwierigen Zinsumfeld. Quelle: Illustration: Mark Conlan

Die Erfolgsstory hat aber einen Haken. Der S&P 500 hat in Euro gerechnet in diesem Jahr nur 0,8 Prozent zugelegt. Das ist ein schwaches Ergebnis, denn an europäischen Aktienmärkten konnte ein Anleger um die 15 Prozent verdienen. Aber in diesem Jahr hat der Dollar hiesigen Anlegern das Ergebnis verhagelt, denn der Greenback hat gegenüber dem Euro seit Jahresbeginn acht Prozent an Wert eingebüßt und damit manchem Anleger aus dem Euro-Land das Ergebnis verhagelt.

Besser als der Index waren dann mitunter die Aktienfonds, bei denen die Dollar-Risiken speziell für die Euroland-Anleger abgesichert wurden. Besser waren aber auch diejenigen, die sich gegen Technologieaktien entschieden hatten, die zuletzt hohe Kursverluste hatten. Alles in allem haben die Fondsmanager aber meist auch keine Wunder vollbracht. Mit einem Plus von zwei Prozent haben sie vielleicht ein gutes Festgeld übertroffen. Nicht schlecht in diesen Zeiten, aber eben auch nicht wirklich meisterhaft.

Wer als Fondsmanager einen Index schlagen will, hat es in bestimmten Zeiten schwer. Etwa dann, wenn es eine Börsenrally gibt, die alle Aktien nach oben spült. In solchen Zeiten wird kaum differenziert zwischen teuren, günstigen, zukunftsfähigen, margenschwachen oder abgehalfterten Unternehmen. In den vergangenen Jahren liefen Technologieaktien extrem gut. im S&P 500 hat Apple einen Anteil von 3,6 Prozent und ist damit der schwerste Brocken im Index. Gefolgt von Microsoft mit 2,6 Prozent, Amazon mit 1,8, Facebook mit 1,7 Prozent. Dann erst kommt Johnson&Johnson mit 1,7 Prozent.

Ein Manager, der bei den hochgejazzten Technologieaktien vorsichtig war, fiel in der Vergangenheit hinter den Index zurück, konnte aber mitunter in diesem Jahr wieder Boden gutmachen. Innerhalb einer Woche haben Apple, Microsoft, Amazon und Facebook zwischen sechs und acht Prozent eingebüßt, während etwa die Aktie von  Konsumgüterhersteller Johnson&Johnson weiter gestiegen ist.

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Quelle: Getty Images

Wer einen US-Aktienfonds hält, ist bestenfalls noch leicht im Plus, hat jahrelang gut verdient auch an den früheren Währungsgewinnen des Dollar und kann jetzt mal überlegen, ob er seine US-Positionen etwas reduziert. In globalen Aktienfonds ist der US-Markt zudem ebenfalls gut vertreten, in dem maßgeblichen MSCI Welt-Index haben US-Aktien einen Anteil von gut 55 Prozent. Fondsmanager, die hier etwas zurückhaltender waren, konnten mitunter ebenfalls Vorteile gegenüber dem Index ausspielen. Aber das gute Abschneiden der Fondsmanager bei US-Aktien allein, sollte für Anleger jetzt kein Grund sein, sich ihnen anzuvertrauen.

Noch immer gelten die Technologieaktien an der Wall-Street, die im Index Nasdaq versammelt sind, zu den Investments, die Fondsmanager für überteuert halten. 84 Prozent der Teilnehmer einer monatlichen Vermögensverwalter-Umfrage von  Bank of America Merrill Lynch halten den US-Aktienmarkt für den weltweit teuersten. Die Experten mögen derzeit eher europäische Aktien sowie Aktien aus Schwellenländern. Und auch für diese Märkte gibt es immer Fondsmanager, die ihre Indizes schlagen. Wöchentlich finden Sie die Anlageempfehlungen aus der WirtschaftsWoche unter wiwo.de.

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