Investmentgipfel: "Ich lasse die Finger von Autos"

Investmentgipfel: "Ich lasse die Finger von Autos"

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Investmentgipfel: Henning Gebhardt, Klaus Kaldemorgen, Manuela Thies, Frank Fischer und Jens Ehrhardt (vlnr)

von Hauke Reimer und Heike Schwerdtfeger

Fünf Topanlagestrategen sagen, wer in diesem Jahr die Kurse treibt, welche Aktien Anleger kaufen können und was sie von den Notenbanken erwarten.

Über 70 Milliarden Euro legen die Fondsmanager an, die von der WirtschaftsWoche in Frankfurt zum Gipfeltreffen gebeten wurden. Ihre Anlageentscheidungen bewegen Aktienkurse, ihre Meinung hat Gewicht. Fast drei Stunden stellten sie sich den Fragen der WirtschaftsWoche und der Mitglieder des WiWo Clubs. Eine Frage beherrschte die Diskussion: Brechen die Börsen nach fast neun Jahren Anstieg bald ein? Die Milliardenmanager mögen daran noch nicht glauben, selbst für den Fall, dass die Notenbanken jetzt allmählich das üppig verteilte Geld wieder einsammeln.

Die Topanlagestrategen des Investmentgipfels

  • Manuela Thies

    Manuela Thies verantwortet bei Allianz Global Investors 45 Milliarden Euro. Im Depot Balance sind 60 Prozent Anleihen und zu 40 Prozent Aktien, zum Teil auch Derivate, die von fallenden Kursen profitieren sollen.

  • Frank Fischer

    Frank Fischer ist Chef des Fondsanbieters Shareholder Value Management und investiert nach dem Vorbild von Warren Buffett. Topaktien: Alphabet, Novo Nordisk, Washtec.

  • Henning Gebhardt

    Henning Gebhardt wechselte im Januar von der Deutschen Bank als Chef der Vermögensverwaltung zur Privatbank Berenberg. Topaktien: Wirecard, Grenke, Norma.

  • Jens Ehrhardt

    Jens Ehrhardt leitet seit 1974 seine Vermögensverwaltung und ist Experte für Geldpolitik und Kapitalmärkte. Seine größten Aktienpositionen: Blackrock, Allianz, DMG Mori Seiki (Maschinenbau).

  • Klaus Kaldemorgen

    Klaus Kaldemorgen ist der wohl erfahrenste Fondsmanager der Deutschen Asset Management. In seinem Fonds mischt er Aktien, Anleihen und Derivate, um gleichmäßig Erträge zu schaffen. Topaktien: Evonik, Monsanto, Nestlé.

WirtschaftsWoche: Frau Thies, meine Herren, die Börsen sind in diesem Jahr schon gut gelaufen, jetzt machen Nordkorea und der Euro Probleme. War’s das mit dem Börsenaufschwung?
Ehrhardt: Glaube ich nicht. Politische Krisen wie die um Nordkorea sind unkalkulierbar, wirken sich aber nur kurzfristig aus – hoffentlich auch in diesem Fall. Aber, ja, die Unsicherheit nimmt zu, auch in der Frage, wie sich die Geldpolitik der Notenbanken entwickelt. Ich habe in diversen Fondsdepots etwas Aktien verkauft, schon vor Nordkorea.

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Frau Thies, Sie haben 45 Milliarden Euro zu verteilen. Kaufen Sie keine Aktien mehr?
Thies: Wir haben deren Anteil zuletzt etwas reduziert. Aber unsere Fonds brauchen auch Aktien, viele Zinsanlagen sind unattraktiv. 40 Prozent der Staatsanleihen aus dem Euro-Raum rentieren unter null, und die Renditeaussichten für andere Anleihesegmente sind eher schwach.

Investorenlegende Warren Buffett sitzt auf 100 Milliarden, die er nicht ausgeben kann, weil ihm viele Unternehmen zu teuer sind.
Fischer: In Branchen, die gerade nicht beliebt sind, finden wir günstige Aktien. Bei Autos, Pharma, Generika etwa. Die Aktie des Weltmarktführers bei Diabetes ...

... Novo Nordisk ...
Fischer: ... war sehr günstig, solche Gelegenheiten nutzen wir kurzfristig.

Kaldemorgen: Ich kann Buffetts Vorsicht verstehen. Die Digitalisierung zerstört Geschäftsmodelle. In den USA kommen wegen Amazon die großen Einzelhändler unter Druck. Banken verlieren, weil ihnen Mastercard oder Visa den Zahlungsverkehr streitig machen. Und in der Vermögensverwaltung machen ihnen die Fintechs Sorgen.

Wie sehr belastet der starke Euro?
Gebhardt: Der Euro könnte durchaus noch weiter steigen, und das drückt die Stimmung. Die Aktienkorrektur der vergangenen Wochen war völlig angemessen, sie spiegelt die Stärke des Euro gegenüber dem Dollar wider. In den nächsten Monaten werden wir sehen, dass die Gewinne europäischer Konzerne darunter leiden. Bei einigen könnten die mittelfristigen Ziele in Gefahr sein. US-Unternehmen, die günstiger im Ausland verkaufen können, werden profitieren.

„Wenn es in der nächsten Zeit einen Einbruch an den Börsen gibt, dann wegen des Haushaltsstreits in den USA“, Klaus Kaldemorgen, Deutsche Asset Management. Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

„Wenn es in der nächsten Zeit einen Einbruch an den Börsen gibt, dann wegen des Haushaltsstreits in den USA“, Klaus Kaldemorgen, Deutsche Asset Management.

Bild: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Sind US-Technologiewerte zu teuer?
Ehrhardt: Ich habe in 50 Jahren Börse gelernt, dass man möglichst lange mit dem Strom schwimmen soll. Der Technologiesektor wächst überdurchschnittlich stark, der Trend wird anhalten. Mich beunruhigt nur, dass viele Hedgefonds sehr konzentriert dort investiert haben. Die sind auch ganz schnell wieder draußen. Aber noch sind die Zinsen niedrig, und wo sollte man sonst investieren, wenn nicht in gute Aktien?

Gebhardt: Der Spätsommer ist schwierig. Die Nervosität spüren wir jetzt, insbesondere wegen der chaotischen US-Politik.

Kaldemorgen: Ich lege mich fest. Wenn es einen Börseneinbruch gibt, dann wegen des US-Haushaltsstreits. In den USA läuft die Diskussion, dass Donald Trumps Mauer zu Mexiko über den Staatshaushalt finanziert werden soll. Der Kongress will den Haushalt womöglich nicht freigeben. Dann wäre er blockiert, und die Börse leidet.

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