Investorenszene: Lehrer bitten Hedgefonds um Hilfe

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Investorenszene: Lehrer bitten Hedgefonds um Hilfe

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Die Renditen der bissigen, aktivistischen Hedgefonds, sind verglichen mit ihren höflich-zurückhaltenden Wettbewerbern häufig deutlich höher.

von Martin Seiwert

Aggressive Hedgefonds galten lange als Schmuddelkinder der Investorenszene. Doch ihr Erfolg führt dazu, dass sich große, etablierte Fonds heimlich mit ihnen verbünden – darunter sogar der Pensionsfonds kalifornischer Lehrer.

Die Vorgehensweise aktivistischer Hedgefonds, sich mit einem kleinen Anteil bei Firmen einzukaufen und dann lautstark Änderungen in der Strategie oder im Management zu fordern, ist nicht die feine englische Art. Den Hedgefonds bescherte das einen miserablen Ruf: bei Unternehmen ohnehin, die ihre Attacken fürchten, aber auch in der Investorenszene. Doch die Strategie der Krawallmacher ist wirksam. Deutlich höher sind häufig die Renditen der bissigen Fonds, verglichen mit ihren höflich-zurückhaltenden Wettbewerbern.

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Daniel Loeb und Carl Icahn. Quelle: REUTERS

Die ins Hintertreffen geratenen Fonds – schwergewichtige Hedgefonds wie BlackRock, aber auch Pensionsfonds und andere institutionelle Investoren – stimmen deshalb immer versöhnlichere Töne gegenüber ihren krawalligen Kollegen an. Mitunter stärken sie den aktivistischen Investoren bei ihren Angriffen öffentlich den Rücken oder, und das ist der neuste Trend an der Wall Street, spannen sie für ihre eigenen Ziele ein.

„Regelmäßig werden wir von großen Anlegern kontaktiert, die mit der Performance von Unternehmen unzufrieden sind“, sagt William A. Ackman, Gründer des 13 Milliarden Dollar schweren aktivistischen Hedgefonds Pershing Square Capital der Zeitung New York Times. Die Anleger bitten die Hedgefonds, bei den Unternehmen auf Änderungen zu drängen, um Kurse und Renditen zu steigern. Solche an Hedgefonds herangetragenen Bitten haben an der Wall Street sogar schon einen Namen: Request for Activist (Anforderung eines Aktivisten), kurz: RFA.

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Quelle: Fotolia

Meist finden die RFAs hinter verschlossenen Türen statt, doch einzelne Fälle aus der Vergangenheit wurden bekannt. So soll etwa ein großer Investor verzweifelt gewesen sein mit der Strategie des kleinen Mobilfunkanbieters Dobson Communications. Der Fonds bat einige aktivistische Kollegen, Druck auf das Management aufzubauen.

Dobson stimmte letztlich, wie von dem Fonds gewünscht, einem Verkauf an den Telefonriesen AT&T zu. Auch der 176 Milliarden Dollar schwere Pensionsfonds kalifornischer Lehrer tat sich im vergangenen Jahr mit einem aktivistischen Hedgefonds zusammen, um seine Ziele bei einem Unternehmen durchzudrücken. 2011 bediente sich ein Pensionsfonds von Lehrern der kanadischen Provinz Ontario ebenfalls der Hilfe eines aktivistischen Hedgefonds.

Die Kommunikation funktioniert aber auch in die andere Richtung, von Aktivist zu großem Fonds. Denn immer häufiger wollen aktivistische Hedgefonds vor einer Attacke wissen, ob die Fondgesellschaften, die große Anteile am angegriffenen Unternehmen halten, ihren Kurs mittragen würden. Mit den anderen Anteilseignern im Rücken werden die Angreifer zu echten Angstgegnern der Unternehmen.

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Nur so ist zu erklären, dass der vergleichsweise kleine Hedgefonds ValueAct im vergangenen Jahr einen Sitz im Verwaltungsrat von Microsoft eroberte, obwohl er nur 0,8 Prozent des Software-Konzerns erworben hatte. Microsoft wusste, dass andere Großaktionäre die Forderung von ValueAct nach Strategieänderungen unterstützten.  

Die Zusammenarbeit zwischen aktivistischen und etablierten Fonds ist inzwischen so eng, dass manche schon die Trennung für obsolet halten. Die Grenzen würden zunehmend verschwimmen, heißt es etwa bei Goldman Sachs. Aktivistische Hedgefonds würden, sagt der US-Chef des Goldman-Sachs-Bereichs Mergers and Aquisitions, zunehmend als „ganz normale Investoren“ gesehen.

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