
Herr Rogers, wie bewerten Sie die Situation in Griechenland?
Also wenn Sie mich fragen, ändert das Wahlergebnis nicht viel. 40 Prozent der Wähler haben für die Gewinner-Partei gestimmt, aber 60 Prozent waren dagegen. Das löst doch das Problem nicht! Es wird das passieren, was in der Vergangenheit immer passiert ist: An den Märkten wird die Stimmung für kurze Zeit gut, bis die Erkenntnis eintritt, dass die Kuh noch lange nicht vom Eis ist. Dann geht es wieder bergab, und wir sind wieder da, wo wir aufgehört haben.
Die Bundesregierung hat angedeutet, dass der Sparzwang für Griechenland nun etwas gelockert werden könnte. Sorgt das nicht für etwas Stabilität?
Klar könnten die Griechen eine Verschnaufpause bekommen. Aber dann werden die Spanier auch sagen, dass sie weniger strenge Sparziele wollen. Natürlich können wir alle unsere Vorgaben ein bisschen lockern. Aber das führt nur zu mehr Inflation und mehr Währungsinstabilität auf der ganzen Welt.
Das bis zu 100 Milliarden Euro teure Rettungspaket für Spanien haben Sie scharf kritisiert.
Das Paket war eine sehr schlechte Idee. Frau Merkel will ja im nächsten Jahr eine Wahl gewinnen. Also wird sie alles tun, was in ihrer Macht steht, um sicherzustellen, dass Europa bis zur Wahl nicht auseinanderfällt. Danach wird es ihr nicht mehr so wichtig sein.
Echte Anleger sind...
...gelassen
"Sie wissen, dass Aktienkurse von allen möglichen unvernünftigen Kräften beeinflusst werden, dass sie ebenso fallen wie steigen können und dass das auch für Aktien gilt, die sie selbst besitzen. Wenn das passiert, reagieren sie darauf mit Gleichmut. Sie wissen, dass der Preis wieder zurückkommt, solange das Unternehmen die Eigenschaften behält, die sie als Anleger zunächst angezogen hatten."
...geduldig
"Anstatt sich von der Begeisterung der Menge mitreißen zu lassen, warten echte Anleger die richtige Gelegenheit ab. Sie sagen öfter Nein als Ja."
...rational
"Sie gehen auf der Basis klaren Denkens an den Markt und die Welt heran. Sie sind weder übermäßig pessimistisch noch irrational optimistisch; sie sind vielmehr logisch und rational."
Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.
Also ich weiß nicht.
Sie halten offensichtlich mehr von Politikern als ich. Ich habe noch nie einen Politiker mit reinem Herzen getroffen - das gilt auch für Angela Merkel, so smart und aufregend wie sie ist.
Wie würden Sie Frau Merkels Führungsstil in der Eurokrise bewerten?
Niemand in Europa hat richtig gehandelt, außer vielleicht Island und Estland. Also würde ich die Leistung aller Politiker als schlecht bewerten.
Was müsste denn aus Ihrer Sicht getan werden?
Man muss die schwachen Länder, die ganz offensichtlich pleite sind, auch pleitegehen lassen. Griechenland ist ganz klar pleite. Das zu bestreiten ist absurd. Also lasst Griechenland pleitegehen. Dann würden Banken und Anleihebesitzer zwar eine Menge Geld verlieren. Aber darf ich Sie mal fragen: Warum sollten hart arbeitende deutsche Steuerzahler Geld bezahlen, damit die Griechen am Strand sitzen und Wein trinken und die Banker ihre Lamborghinis behalten können? Das ist absurd.
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