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Jürgen Meyer im Interview: „Mein ganzes Geld steckt in Aktien“

von Jörg Hackhausen Quelle: Handelsblatt Online

Wer nur den Trends hinterherläuft, wird Geld verlieren, sagt Jürgen Meyer von SEB Asset Management. Deshalb kauft er Aktien - und warnt vor Immobilien und Gold. Im Interview erklärt er, warum und welche Aktien er kauft.

Jürgen Meyer ist Leiter für europäische Aktien bei SEB Asset Management. Er investiert auch privat fast alles in Aktien. Quelle: Handelsblatt
Jürgen Meyer ist Leiter für europäische Aktien bei SEB Asset Management. Er investiert auch privat fast alles in Aktien. Quelle: Handelsblatt

Herr Meyer, in den vergangenen zehn Jahren haben Anleger zweimal mitansehen müssen, wie sich der Wert ihrer Aktien in Luft auslöste. Warum sollten die Leute jetzt wieder Aktien kaufen?

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In Luft aufgelöst hat sich sicherlich nichts. Es gab zwei heftige Einbrüche. Und danach hatten sich die Kurse ähnlich schnell erholt, wie sie zuvor gefallen waren. Aber wenn ich höre, dass man mit Aktien in dieser Zeit kein Geld verdienen konnte, dann ärgert mich das. Es stimmt einfach nicht. Wenn Sie beispielsweise im Jahr 2003 eingestiegen sind, dann war sogar sehr viel drin. Wer die Volatilität von Aktien nicht ertragen kann, sollte keine besitzen.

Die meisten Kleinanleger sind um die Jahrtausendwende eingestiegen, als der Dotcom-Hype seinen Höhepunkt erreichte.

Im Jahr 2000 wurden in vielen Fällen selbst für erstklassige Unternehmen Nonsenspreise bezahlt – dazu kamen auch noch einige Nonsensunternehmen. Wenn eine Aktie mit dem 50-fachen eines Jahresgewinns bewertet war, dann war das damals nichts Ungewöhnliches. Da ist wohl mit vielen Käufern die Gier durchgegangen. Generell gilt: Wer nur Trends hinterherläuft, sollte am besten gar nicht investieren. Im Jahr 2000 wurden übrigens genauso viele Aktien verkauft wie gekauft. Die Verkäufer waren cleverer.

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Und heute?

Heute passen Dinge wie Gold oder Wohnimmobilien vermutlich besser ins Raster von Trendfolgern. Auch hier vermute ich derzeit die clevereren Leute auf Seiten der Verkäufer. Bei Aktien erstklassiger Unternehmen liegen selbst die Dividendenrenditen höher als die Mietrenditen vieler Wohnimmobilien. Von den Gewinnen ganz zu schweigen.

Was spricht für steigende Aktienmärkte?

Die Mischung aus hohen Gewinnen, starken Bilanzen und niedrigen Kaufpreisen. Dazu gesellt sich noch Wachstum. Auch die Inflation wird zumindest nominal zu wachsenden Gewinnen und damit auch zu steigenden Kursen führen. Selbst der Chefvolkswirt des IWF erwartet, dass die Inflationsrate im Euroraum bei zwei Prozent gehalten werden kann, indem der Süden bei null und der Norden bei vier Prozent liegt. Mit risikolosen Anleihen können Sie diese nicht erwirtschaften. Eine sinnvolle Alternative sind Aktien von Unternehmen, die ihren Kunden die Preise erhöhen können, sobald diese mehr Geld in der Tasche haben.

Im Moment spricht einiges eher für Deflation als für Inflation. Die Löhne stagnieren oder sinken sogar. Die Zahl der Arbeitslosen steigt.

Es gibt beides. Entscheidend ist, von welchem Warenkorb Sie ausgehen. Die Rabatte für den Skoda können steigen und der Porsche trotzdem teurer werden – um mal nur bei den Produkten eines Konzerns zu bleiben. Im privaten Wohnungsbau sind die Preissteigerungen nach meiner Beobachtung zweistellig.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 05.12.2012, 12:45 UhrBoersendurchblicker

    Das Auf und Ab der Aktienkurse innerhalb der letzten 10 Jahre (oder auch darüber hinaus) kann sich heute jedes Kind im Internet anschauen. Wo ein eingesetztes Kapital von z.B. 10.000 € morgen 20.000 € und übermorgen nur noch 5.000 € wert ist, hält sich nur ein Spieler auf oder jemand, der Insiderwissen besitzt.

    Das Prinzip der Börse beruht darauf, Geld von den kleinen Leuten, also von den Unwissenden, zu denjenigen zu verschieben, die Insiderwissen haben, die gut vernetzt sind und die die kommenden Ereignisse deshalb besser kennen. Aus diesem Informationsvorsprung ziehen sie den Gewinn, denn allein sie kennen die Zeitpunkte für günstigen Kauf bzw. Verkauf. Da an der Börse nichts erschaffen wird, muß deren Gewinn irgendwo herkommen: Von den kleinen Leuten natürlich, die nicht in den entspr. Klubs sind.

    Die Börse ist ein Vermögensverschiebebahnhof von den kleinen Leuten hin zu den großen. Die kleinen Leute versucht man dabei mit Gewinnversprechen blind zu machen. Das ist eine seit Jahrtausenden bewährte Methode. Ein Spieler fällt darauf herein und hofft auf sein Glück.

    Es sind eigentlich bedauernswerte Menschen, die auf Glück und Zufall setzen müssen, weil sie sich einfach nicht zutrauen, selbst Werte durch Arbeit gezielt zu erschaffen. Stattdessen glauben sie an das Glück und an das Märchen "keine Arbeit- trotzdem Geld".

    In Deutschland gehören zu diesen Desparados aber nur wenige Menschen, und trotz aller Propaganda ist die Zahl privater Aktienbesitzer innerhalb der letzten 10 Jahre gesunken. Dieser Beitrag wird daran nichts ändern, schon gar nicht, weil sogar noch der Grundsatz der Risikostreuung ('mein ganzes Geld steckt in Aktien') verletzt wird. Das ist ein Witz. Unglaubwürdiger geht es nicht.

  • 05.12.2012, 12:07 Uhrchlodwig

    Der Mann hat leider nichts begriffen oder will es nicht,
    von diesem Herrn würde ich keine Anlageberatung wollen.
    Edelmetalle dienen nicht der Spekulation, sondern sind
    hauptsächlich als Vermögenserhalt gedacht, und genau zu dem
    Zweck ist es von Nutzen, und mit seinen Aktien kann er
    die starken Inflationsraten nicht reinholen.




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