Kartell-Verdacht: Razzia bei Zuckerherstellern

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Kartell-Verdacht: Razzia bei Zuckerherstellern

Zucker ist in Europa mehr als doppelt so teuer wie auf dem Weltmarkt. Die EU-Kommission reagiert mit Hausdurchsuchungen bei großen Zuckerproduzenten wegen des Verdachts von Preisabsprachen. Dabei ist es die EU-Zuckermarktordnung, die dringend auf den Prüfstein gehört.

Europas Verbraucher haben möglicherweise jahrelang zu viel für Zucker und Süßigkeiten gezahlt. Die EU-Kommission verdächtigt mehrere europäische Zuckerproduzenten, die Preise für Weißzucker über Jahre hinweg abgesprochen und damit künstlich hoch gehalten zu haben. Bei Razzien durchsuchten Ermittler Ende April europaweit die Büros großer Hersteller, teilte die EU-Kommission nun in Brüssel mit. Darunter war auch Europas größter Zuckerproduzent Südzucker sowie Nordzucker, die Nummer zwei im Markt.

„Auch bei uns waren sie“, hatte Südzucker-Chef Wolfgang Heer bei der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens in Mannheim gesagt. Den Anlass kenne er zwar nicht. „Wir gehen aber davon aus, dass die Untersuchung keine Folgen für uns haben wird.“ Insgesamt haben die Wettbewerbshüter nach Brancheninformationen sechs europäische Zuckerproduzenten im Visier.

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Die Durchsuchungen seien ein erster Schritt und sagten noch nichts über die tatsächliche Schuld der Unternehmen aus, betonte die EU-Behörde. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia hatte erklärt, dass EU-Vertreter vergangenen Monat unangemeldete Besuche bei einer Vielzahl von Herstellern weißen Zuckers in mehrere Mitgliedsstaaten durchgeführt hätten. Wie lange die Ermittlungen dauern, ist völlig offen. Preis- und Marktabsprachen zum Schaden von Verbrauchern und Kunden sind in der EU streng verboten. Ein Verstoß gegen die Kartellregeln könnte für die Firmen teuer werden. Die EU-Kommission droht mit Strafen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes.

Süßes Investment Zückerchen für Anleger

Auf dem Zuckermarkt herrscht Krisenstimmung. Der Zuckerpreis in Europa ist fast doppelt so hoch wie in der restlichen Welt. Über Gewinner und Verlierer der Zuckerkrise und wie Anleger profitieren.

Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Die kräftigen Preissteigerungen für europäischen Zucker ließen die Kartellwächter aufhorchen. Auf dem Weltmarkt kostet die Tonne lediglich 370 Dollar, umgerechnet knapp 290 Euro. In Europa kostet Zucker somit mehr als doppelt so viel, wie auf dem Weltmarkt. Die Preise für weißen Zucker hatten im Januar mit durchschnittlich 738 Euro je Tonne den höchsten Stand seit 2006 erreicht. Im Februar lagen die Zuckerpreise bei 725 Euro je Tonne. Hauptgrund für den großen Unterschied zum Weltmarktpreis ist die Zuteilungswirtschaft der EU, die hiesigen Zuckerfabriken nicht erlaubt, den Gesamtbedarf in Europa zu decken. Etwa 15 bis 20 Prozent der Zuckernachfrage sollen durch Importe aus Entwicklungsländern gedeckt werden. Da diese Länder jedoch keine ausreichenden Mengen und Qualitäten liefern können, wurde Zucker in Europa in den vergangenen Jahren immer wieder knapp und damit teurer. Zugleich durften die Hersteller ihre Produktionsüberschüsse auf dem Weltmarkt verkaufen.

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