Kassel wird zu "Girocard City": Stadt testet kontaktloses Bezahlen

Kassel wird zu "Girocard City": Stadt testet kontaktloses Bezahlen

Technische Alternativen zu Schein und Münze gibt es längst. Doch die wenigsten Deutschen nutzen sie. Nun will die Bankenbranche digitales Bezahlen in großem Stil in einer Testregion erproben. Die wichtigsten Fakten.

Bezahlen im Vorbeigehen, Bankgeschäfte per Smartphone oder Computer-Uhr - Digitalisierung schreibt die Bankenbranche inzwischen groß. In Kassel will die Branche nun eine Testregion für innovative Bezahlverfahren schaffen: „Girocard City“.

Was ist die Idee?

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Konkret geht es darum, in einem repräsentativen Umfeld möglichst viele Händler sowie Banken und Sparkassen zu gewinnen, um zu erproben, ob Neuerungen auf Basis der Girocard (EC-Karte) von Kunden angenommen werden. „Wir wollen eine Testregion schaffen, um zu entscheiden, ob man innovative Bezahlverfahren deutschlandweit ausrollt und wie man das dann am besten kommuniziert“, erklärt Projektleiter Ingo Limburg von Euro Kartensysteme. Die Frankfurter Einrichtung kümmert sich im Auftrag der Kreditwirtschaft um das Sicherheitsmanagement für Zahlungskarten.

Aus welchen Gründen Amerikaner auf das Bezahlen per Handy verzichten

  • Die Studie

    Befragt wurden 1386 US-Amerikaner über 18, die auf das mobile Bezahlen per App verzichteten.

    Quelle: Thrive Analytics/Statista

  • 7 Prozent fanden...

    7 Prozent fanden es zu zeitaufwändig, ihr Smartphone für mobiles Bezahlen einzurichten.

  • 8 Prozent sagten...

    8 Prozent sagten, ihr Handy biete nicht die nötigen Voraussetzungen, um mobile Bezahldienste zu nutzen.

  • 18 Prozent sahen...

    18 Prozent sahen keinen Vorteil in der neuen Zahlungsmethode.

  • 32 Prozent sagten...

    32 Prozent sagten, sie hätten schlichtweg noch nicht darüber nachgedacht.

  • 37 Prozent antworteten...

    37 Prozent antworteten, sie fänden es einfacher, mit Geld- oder Kreditkarte zu zahlen.

  • 46 Prozent gaben an...

    46 Prozent gaben an, auf das Bezahlen per Handy zu verzichten, weil sie sich Sorgen um die Sicherheit dieser Zahlungsmethode machen.

  • 6 Prozent nannten...

    6 Prozent nannten "andere Gründe".

Warum gerade Kassel?
„Die einzige Großstadt Nordhessens bildet einen Knotenpunkt für den Einzelhandel und alle Shoppingbegeisterten. Und rein demografisch ist ... hier nahezu eine identische Alters- und Gesellschaftsstruktur wie in der Bundesrepublik gegeben“, heißt es in einer Publikation der Branche. Ähnlich macht es die Nürnberger GfK, die seit 1986 die Gemeinde Haßloch in Rheinland-Pfalz als eine Art „Mini-Deutschland“ für ihre Marktforschung nutzt.

Was soll in der „Girocard City“ getestet werden?

Voraussichtlich 2017 wird nach Angaben von Projektleiter Limburg die bereits seit Oktober 2015 laufende Testphase für kontaktloses Bezahlen ausgeweitet. Etliche weitere Innovationen seien in Planung.

Wie funktioniert kontaktloses Bezahlen?

Ein spezieller Chip wird per Funktechnik NFC („Near Field Communication“) ausgelesen. „Kontaktlos“ bedeutet, dass der Kunde seine Kreditkarte oder Girocard nicht in ein Gerät einschieben muss. Die Daten werden verschlüsselt mit dem Terminal an der Kasse ausgetauscht, wenn die Karte vor das Lesegerät gehalten wird. Bei geringen Beträgen ist nicht einmal die Eingabe der Geheimnummer (PIN) nötig. Bei „Girogo“ muss der Bankkunde zuvor ein Guthaben auf den Chip seiner Karte laden - auf dieses wird dann beim Zahlen via NFC-Chip zurückgegriffen. Auch Kreditkartenanbieter wie Mastercard („Paypass“) und Visa („Paywave“) setzen auf kontaktloses Bezahlen. Die Technik wird zudem in Mobiltelefone und auch Computer-Uhren integriert. Gedacht ist das vor allem für Kleinbeträge, die üblicherweise bar bezahlt werden: die Tageszeitung am Kiosk, der Kaffee am Bahnhof.

Mobile Payment Mobiles Bezahlen kommt nur schleppend voran

Bargeldbeschränkung, Abschaffung des 500-Euro-Scheins - die Diskussion ist in vollem Gange. Technische Alternativen zu Schein und Münze gibt es längst. Viele Verbraucher nutzen sie aber nicht.

Mobiles Bezahlen kommt nur schleppend voran  Quelle: dpa

Ist die Funk-Technik sicher?

Ja, versichern die Anbieter. Die Sparkassen erklären, es würden nur zahlungsrelevante Daten wie Betrag und Kartennummer ausgetauscht. Die Kreditkartenanbieter betonen, moderne Verschlüsselungstechniken schützten sensible Kundendaten. Die Karte mit dem Funkchip funktioniere zudem nur, wenn sie sich im Abstand von höchstens vier Zentimetern vom Bezahlterminal befinde. Viele Verbraucher sind skeptisch: Neun von zehn Deutschen (85 Prozent) sehen einer repräsentativen PwC-Umfrage zufolge die Gefahr, bei mobilen Bezahlverfahren könnten Daten gehackt und missbraucht werden. Die Wirtschaftsprüfer befragten in diesem Januar 1035 Erwachsene in Deutschland.

Setzen sich die modernen Techniken in Deutschland durch?

Schleppend. Während etwa Schweden und Dänemark ihren Zahlungsverkehr radikal digitalisieren, zahlen die Menschen in Deutschland weiterhin vor allem bar: Bei 79 Prozent der Transaktionen, wie die Bundesbank anhand Daten von 2014 errechnet hat. Gut die Hälfte (53 Prozent) der Umsätze im Einzelhandel werden mit Bargeld abgewickelt. In der PwC-Umfrage gab nur jeder Dritte (30 Prozent) an, er habe bereits bargeldlos mobil bezahlt. Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele konstatierte kürzlich: „Bis es soweit ist, dass Verbraucher eher das Smartphone als die Banknote und die Münze zum Bezahlen an der Ladenkasse nutzen, wird noch einige Zeit vergehen.“

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