Klage vor US-Gericht: Waren Platin- und Palladiumpreise jahrelang manipuliert?

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Klage vor US-Gericht: Waren Platin- und Palladiumpreise jahrelang manipuliert?

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Platin ist in der Industrie und für die Schmuckherstellung ein wichtiger Rohstoff. Ein Schmuckhersteller wirft nun drei Banken und dem Chemiekonzern BASF vor, den Platin- sowie den Palladiumpreis manipuliert zu haben.

Großbanken haben schon den Libor-Zinssatz und womöglich auch Goldpreis beeinflusst. Jetzt hat ein US-Juwelier Klage wegen Preismanipulation bei Platin- und Palladium eingereicht. Das trifft auch einen deutschen Chemiekonzern.

Das Image der Banken hat sich noch nicht von Libor-Skandal und dem Verdacht der Goldpreis-Manipulation beim Fixing erholt, da droht schon der nächste Manipulationsverdacht: Die Preise für die beiden Edelmetalle Platin und Palladium sollen jahrlang illegal beeinflusst worden sein. Erweisen sich die Vorwürfe als stichhaltig, würde die Serie der Bankenskandale einen neuen Höhepunkt erreichen - und sich der Verdacht erhärten, dass einige Großbanken keinesfalls vor unseriösen oder sogar illegalen Praktiken zurückschrecken, wenn es ihnen nützt. Das haben auch die zahlreichen Bankenskandale um gewaschene Drogengelder und umstrittene Rüstungsgeschäfte trotz Waffenembargos gezeigt.

Wissenswertes zu Platin

  • Wertvoller als Gold

    Platin gilt gemeinhin als das wertvollste Edelmetall der Welt. Allerdings lag sein Preis pro Unze schon mehrfach unter dem Goldpreis. Im ausklingenden Goldboom 2012 und 2013, als der Goldpreis vom 2011er-Rekordhoch bei 1869 Dollar pro Feinunze schrittweise nach unten korrigierte, war Platin bereits billiger als das gelbe Edelmetall zu haben. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung gegenüber dem Gold fiel der Platinpreis auch 2015 hinter den Goldpreis zurück.

  • Hauptproduzenten

    Rund drei Viertel der weltweiten Platin-Förderung kommt aus südafrikanischen Bergwerken. Allein auf den größten Platinproduzenten Anglo American Platinum – eine Tochter des Rohstoffkonzerns Anglo American – entfallen 40 Prozent des weltweit geförderten Platins. Zusammen mit Lonmin und Impala Platinum sitzen die drei größten Hersteller in Südafrika.

  • Fördermenge

    Während jährlich etwa 2.500 Tonnen Gold und 20.000 Tonnen Silber aus dem Boden geholt werden, sind es bei Platin nur etwa 200 Tonnen. Das Metall ist seltener und schwerer als Gold.

  • Knappheit durch Streiks

    Der Streik im Jahr 2014 der Mitarbeiter in den südafrikanischen Platin-Minen war der bislang längste und kostspieligste der Landesgeschichte. Mehr als 70.000 Minenarbeiter gingen im Januar 2014 in den Ausstand. Erst Ende Juni 2014 verständigten sich unter Einflussnahme der Regierung Südafrikas Minenbetreiber und Arbeiter auf eine Lohnerhöhung um 20 Prozent. Die Förderkosten für Platin sind dementsprechend gestiegen.

  • Streikfolgen

    Die drei großen Platinproduzenten Anglo American Platinum, Lonmin Plc and Impala Platinum schätzten die Umsatzeinbußen durch den Streik auf knapp zwei Milliarden US-Dollar. Die Minenarbeiter verzichteten durch den fortgesetzten Streik Löhne in Höhe von 9,5 Milliarden Rand, umgerechnet 882 Millionen Dollar. Dennoch bewegte sich der Platinpreis trotz des Förderungsausfalls in dieser Zeit kaum aufwärts, weil Lagerbestände den Produktionsausfall kompensieren konnten. Das Beispiel zeigt, dass der Platinpreis kaum oder nur sehr langsam auf das Angebot reagiert, sondern vielmehr die Nachfrager die Preise bestimmen.

  • Verwendung

    Platin wird vor allem in der Autoindustrie zur Herstellung von Katalysatoren für verwendet. Besonders für Dieselmotoren sind Katalysatoren mit Platinbeschichtung gefragt. Schätungsweise 44 Prozent des Gesamtverbrauchs entfallen auf die Verwendung in Katalysatoren. Andere Industrien sind für etwas mehr als 20 Prozent der Nachfrage verantwortlich. Zudem ist Platin auch in der Schmuckindustrie gefragt, sie steht für rund ein Drittel der Nachfrage. Für Anleger gibt es auch Münzen oder Barren – allerdings ist das Angebot deutlich geringer als bei Gold oder Silber. Lediglich neun Prozent der Nachfrage kommt von Investoren.

Doch diesmal trifft es nicht nur durch Großbanken, sondern auch ein deutsches Industrieunternehmen.

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Konkret droht dem weltgrößten Chemiekonzern BASF Ärger mit der US-Justiz: Der Industriegigant sieht sich zusammen mit drei Großbanken einer Klage gegenüber, die Schadenersatz aufgrund manipulierter Platin- und Palladiumpreise fordert. Die Juwelier-Firma Modern Settings aus Florida wirft BASF sowie den Großbanken Goldman Sachs, HSBC und der südafrikanischen Standard Bank vor, seit 2007 bei der Feststellung beim Preisfixing in London illegale Absprachen getroffen zu haben. Diese vier Teilnehmer beraten zweimal täglich in einer Telefonkonferenz die Preise, zu denen sie kaufen und verkaufen würden. Darauf basierend einigen sie sich auf einen fairen Preis, der den übrigen Marktteilnehmern als Referenzpreis für die beiden Edelmetalle dient. An diesem Preis orientiert sich somit auch der Spotpreis am Metallmarkt, der durch Angebot und Nachfrage um dieses Preisfixing schwankt.

Wissenwertes zu Palladium

  • Förderung und Herstellung

    Palladium gehört zur Gruppe der Platinum-Metalle und wird meist als Beiprodukt aus Nickel-, Blei-, Silber- und Kupfererzen, teilweise auch aus Golderzen sowie in Platinerzen gewonnen. Das Verfahren zur Gewinnung ist aufwendiger als bei Platin.

  • Größte Vorkommen

    Russland gilt als größter Palladiumproduzent, mit mehr als 80 Tonnen Förderung pro Jahr. Weltweit liegt die Palladiumproduktion bei rund 200 Tonnen jährlich, was in etwa auch der Fördermenge des Schwestermetalls Platin entspricht. Heute steht Russland für gut 40 Prozent der weltweiten Fördermenge. Zweitgrößter Lieferant weltweit ist Südafrika mit knapp 39 Prozent der globalen Produktionsmenge.

  • Größter Abnehmer

    Hauptabnehmer von Palladium ist die Autoindustrie, die für rund 80 der Nachfrage verantwortlich ist. Insbesondere als Beschichtung in Katalysatoren für Benzinmotoren ist das Edelmetall gefragt. Zudem ist es in der Schmuckindustrie Bestandteil von Weißgold und wird in Uhren verwendet.

  • Anlagevarianten und Preis

    In Form von Münzen oder Barren ist Palladium nur selten anzutreffen. Anleger greifen statt dessen häufiger auf börsengehandelt Rohstofffonds, sogenannten ETF oder ETC zurück. Diese Investorennachfrage ist vor allem für die kurzfristigen Preisschwankungen verantwortlich. Aufgrund seiner Seltenheit besitzt Palladium allerdings auch einen inneren Wert, der ein gewisses Niveau nicht unterschreiten sollte. Langfristig bleiben für den Preis die Förderkosten und -menge - sprich die Angebotsseite - sowie die Nachfrage der Autoindustrie maßgeblich.

  • Krim-Krise stützt

    Zuletzt hat der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland den Palladiumpreis gestützt. Viele Marktteilnehmer befürchten Sanktionen der westlichen Industriestaaten gegen Russland, die Lieferungen behindern könnten.

Dass BASF seinen Platz in diesem Quartett hat, verdankt der Chemiekonzern seiner großen Bedeutung auf dem Markt für Platin und Palladium. Beide Edelmetalle sind unentbehrlicher Rohstoff für die Herstellung von Katalysatoren, zahntechnische Produkte und die Schmuckherstellung. Seitdem BASF den US-Konzern Engelhard - der weltweit größte Hersteller von Katalysatoren -im Jahr 2006 für 3,8 Milliarden Dollar übernahm, führen die Ludwigshafener auch einen Edelmetallhandel. Die Katalysatoren sind für rund 40 Prozent der Platinnachfrage verantwortlich. Palladium wird ebenfalls hauptsächlich für Herstellung der Abgasfilter benötigt.

Das BASF-Edelmetallgeschäft mit Handelsbüros in London ist nicht klein: 2013 brachte es BASF immerhin 2,36 Milliarden Euro Umsatz ein. Insgesamt erlöste der Konzern vergangenes Jahr knapp 74 Milliarden Euro.

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