Klaus Kaldemorgen: "Privatanleger haben viel zu wenig Aktien"

InterviewKlaus Kaldemorgen: "Privatanleger haben viel zu wenig Aktien"

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Fondsmanager Klaus Kaldemorgen nutzt in schwierigen Börsenphasen wie diesen alle Anlagemärkte und investiert auch mal in Terminkontrakte auf Währungen.

von Andreas Toller

Klaus Kaldemorgen gehört zu den bekanntesten deutschen Fondsmanagern. Wie er mit fallenden Aktienkursen umgeht - und was Privatanleger in schwierigen Märkten tun können.

WirtschaftsWoche Online: Herr Kaldemorgen, sehen wir nach den herben Kursverlusten im Oktober gerade eine Trendwende am Aktienmarkt?

Klaus Kaldemorgen: Was wir jetzt sehen, ist nicht ungewöhnlich und taucht mit großer Regelmäßigkeit immer wieder auf. In den vergangenen zehn Jahren hatten wir mit einer Ausnahme jedes Jahr eine Korrektur im Dax von zehn Prozent oder mehr – selbst, wenn am Jahresende ein Plus zu verzeichnen war. Ich würde die Kursverluste erstmal als kurzfristige Korrektur ansehen. Das ist vielleicht ein Zeichen, dass die Erwartungen zur Wirtschaftsentwicklung und der Unternehmensergebnisse zu hoch waren, die jetzt korrigiert werden. Damit muss ein Anleger rechnen. Eine Trendwende sehe ich aber noch nicht. 

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Zur Person

  • Klaus Kaldemorgen - Kurzporträt

    Klaus Kaldemorgen arbeitet bereits seit 1982 für die Fondgesellschaft DWS, eine Tochter der Deutschen Bank. Zwei Jahrzehnte lang leitete er dort den Milliarden schweren Vermögensbildungsfonds I sowie den DWS-Fonds Akkumula. Beide führte er in den Neunzigerjahren zur Blüte, Privatanleger steckten scharenweise ihr Geld in den Fonds. 2003 stieg der Star-Investor in die Geschäftsführung der DWS auf, 2006 wurde Kaldemorgen deren Sprecher. Nach zwei schwachen Jahren mit dem Vermögensbildungsfonds und viel öffentlicher Kritik zog sich der heute 61-Jährige 2011 aus allen Aufgaben zurück, um sich ganz einem neuen Total-Return-Fonds zu widmen. Ziel des Fonds Concept Kaldemorgen ist es, Investmentchancen an allen Anlagemärkten zu nutzen - bei gleichzeitiger Absicherung in Verlustphasenmit vielfältigen Anlageinstrumenten. Derzeit verwaltet Kaldemorgen in seinem Fonds ein Anlagevermögen von 1,2 Milliarden Euro. Seine durchschnittlich erzielte Rendite beträgt 8,2 Prozent pro Jahr.

Haben Sie trotzdem ihr Portfolio angepasst? 

Ich bin in den Oktober nur mit einem Aktienanteil von gerade mal 20 Prozent gestartet. Ich überlege derzeit, ob ich diesen Anteil nach den sehr raschen Rückgängen wieder etwas erhöhe. Das Portfolio war ja doch relativ stark abgesichert. Die Absicherung kann ich auflösen. Der Ertrag, den ich in diesem Jahr erzielen konnte, kam ja nicht im Wesentlichen von den Aktien, sondern in geringem Umfang von den Renten und vor allem über die Währungen. Dank der positiven Entwicklung kann ich jetzt dieses Risikobudget nutzen, um in einem stärker gedrückten Aktienmarkt wieder etwas zu kaufen – auch in der Hoffnung, dass sich der Markt auch kurzfristig wieder erholt. Der Dax ist ja in den vergangenen vier Wochen um gut zehn Prozent gefallen. Das ist von der Höhe und der Geschwindigkeit her schon bemerkenswert. 

Womit rechnen Sie denn jetzt?  

Ich kann in so einem Umfeld nur auf Sicht fahren. Was wir im Augenblick sehen, können Sie nicht schon drei Monate im Voraus antizipieren. Im Großen und Ganzen hat ein revidiertes Bild beim Wirtschaftswachstum die Korrektur ausgelöst – vor allem in Europa. Hinzu kamen sehr starke Schwankungen auf den Währungsmärkten. Typischerweise schwappen Schwankungen in einem Teil des Kapitalmarktes sehr schnell auf andere über.

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Ist die Euro-Schwäche schuld an den Kursverlusten? 

Dass es Europas Aktienmärkte so stark erwischt, finde ich schon etwas überraschend, denn die Währungsentwicklung an sich ist ja für den Euro-Raum nicht so schlecht. Die unterdurchschnittliche Entwicklung seit Jahresanfang wurde ja immer damit begründet, dass europäische Unternehmen unter dem starken Euro leiden. Das Argument kann man ja nicht mehr heranziehen. 

Glauben Sie, der Euro fällt noch weiter? 

Ich denke, wenn die Märkte jetzt nach unten gehen – das verstärkt sich ja immer auch selber – sind die professionellen Anleger ziemlich schnell dabei, ihre Positionen abzusichern. Worauf ich jetzt warten würde, sind Maßnahmen und Kommentare der Europäische Zentralbank und Signale aus den USA, dass die Notenbank die Zinserhöhung vielleicht nicht so schnell vornimmt. Von Japans Notenbank erwarte ich, dass sie ähnlich wie hier in Europa weitere geldpolitische Maßnahmen, sprich stärkere Anleihekäufe in Erwägung zieht.

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