Kreditblase: Der Crash der Notenbanken

KommentarKreditblase: Der Crash der Notenbanken

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Notenbanken wie die Federal Reserve Bank verursachen durch exzessive Geldpolitik erneut Anlageblasen

von Frank Doll

Notenbanken sind verantwortlich für die kommende Finanzkrise. Diese wird nicht nur Banken, sondern ganze Volkswirtschaften ruinieren.

Der Crash kommt. Fünf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise haben die Notenbanken, mit einer noch exzessiveren Geldpolitik als zuvor schon, gleich mehrere spekulative Anlageblasen gleichzeitig verursacht – an den Aktien- und Staatsanleihenmärkten sowie an den Kreditmärkten. Alle drei Märkte sind miteinander verbunden - über die Notenpressen der amerikanischen, europäischen und japanischen Zentralbanken. Allein die Federal Reserve (Fed) und die Bank of Japan (BoJ) bringen derzeit zusammen monatlich umgerechnet 160 Milliarden Dollar druckfrisch in den Umlauf. Das ist der Unterschied zu 2008. Damals waren es vor allem die Geschäftsbanken, die mit strukturierten Produkten die Kreditblase und den US-Immobilienmarkt aufgeblasen hatten und so die Finanzkrise ausgelöst haben. Heute nehmen das die Notenbanken gleich selbst in die Hand. Das Ergebnis ist die größte Kreditblase aller Zeiten.

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Die Maßnahmen der Notenbanken gegen die Krise

  • August 2007

    Die Probleme an den Hypotheken- und Kreditmärkten greifen auf den Interbanken-Geldmarkt über. EZB und Fed sehen sich gezwungen, zusätzlich Liquidität in den Markt zu pumpen.

  • 12. Dezember 2007

    Die Notenbanken in den fünf wichtigsten Währungsräumen greifen gemeinsam ein, um ein Austrocknen der Geldmärkte zu verhindern.

  • 15. September 2008

    Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers öffnen die großen Zentralbanken die Geldschleusen, um mitten in der Panik an den Finanzmärkten die Geschäfte am Geldmarkt am Laufen zu halten.

  • 8. Oktober 2008

    Die wichtigsten Notenbanken weltweit senken gemeinsam die Zinsen - ein historischer Schritt. 4. Dezember 2008: Die EZB senkt ihren Leitzins überraschend um einen dreiviertel Prozentpunkt auf 2,5 Prozent. Es ist der größte Zinsschritt seit der Einführung des Euro und der Gründung der europäischen Notenbank.

  • 16. Dezember 2008

    Die Fed kappt ihren Leitzins auf eine Spanne zwischen null und 0,25 Prozent - ein Rekordtief.

  • 18. März 2009

    US-Notenbankchef Bernanke kündigt den Ankauf von Staatspapieren für zunächst 300 Milliarden Dollar an. Die Fed erweitert außerdem ihre bestehenden Programme zur Stützung der Kreditmärkte und Banken auf rund eine Billion Dollar.

  • 7. Mai 2009

    Die EZB senkt ihren Leitzins auf das Rekordtief von einem Prozent.

  • 24. Juni 2009

    Die EZB stellt den Banken der Euro-Zone erstmals für ein ganzes Jahr Liquidität zur Verfügung. Mehr als 1000 Banken rufen die Riesensumme von 442 Milliarden Euro ab.  6. Juli 2009: Die EZB beginnt offiziell mit dem Ankauf von Pfandbriefen.

  • 16. Dezember 2009

    224 Banken aus der Euro-Zone rufen beim letzten Jahrestender der EZB knapp 100 Milliarden Euro ab. Das ist ein Wendepunkt.

  • 19. Februar 2010

    Die Federal Reserve erhöht den Zinssatz für Übernachtkredite von 0,5 auf 0,75 Prozent und verteuert damit Notkredite für Banken erstmals seit Ausbruch der Krise.

  • 25. März 2010

    EZB-Chef Trichet kündigt an, dass die Notenbank auch über das Jahresende 2010 hinaus Sicherheiten mit einem schwächeren Rating als „A-“ akzeptieren wird. Sie hilft damit indirekt den griechischen Banken und erleichtert die Refinanzierung Griechenlands.

  • 10. Mai 2010

    Die EZB kündigt im Kampf gegen die eskalierende Schuldenkrise in der Euro-Zone an, am öffentlichen und privaten Anleihemarkt in großem Stil aktiv werden zu wollen. Die Notenbank gibt damit ihren Widerstand gegen den Ankauf von Staatsanleihen der Euro-Länder auf, der Kritikern zufolge zu einem Ansteigen der Inflation führen könnte. Laut EU-Vertrag kann die EZB die Anleihen nur am Sekundärmarkt erwerben und nicht direkt bei den Regierungen.

  • 10. August 2010

    Die Fed stoppt unter dem Eindruck der nur zähen Konjunkturerholung in den USA und der andauernden Misere am Arbeitsmarkt den begonnenen Exit. Sie will Geld, dass sie durch Fälligkeit bereits erworbener Immobilienpapiere bekommt, wieder reinvestieren und neue Staatsanleihen kaufen.

  • 5. Oktober 2010

    Japans Notenbank zieht im Kampf gegen Wirtschaftskrise, Deflation und den starken Yen weitere Register. Sie senkt den Leitzins auf null und legt einen fünf Billionen Yen (60 Milliarden Dollar) schweren Fonds auf, über den sie die unterschiedlichsten Wertpapiere ankaufen und so weiteres Geld in die Wirtschaft pumpen will.

  • 3. November 2010

    Die Fed beschließt den Ankauf von weiteren Staatsanleihen im Volumen von 600 Milliarden Dollar bis Ende der ersten Jahreshälfte 2011. Zusätzlich sollen auslaufende Papiere aus dem Bestand ersetzt werden. Insgesamt hat die neuerliche Geldspritze damit ein Volumen von 850 bis 900 Milliarden Dollar.

  • 16. Dezember 2010

    Die EZB beschließt eine Verdoppelung ihres Grundkapitals auf knapp elf Milliarden Euro. Bezahlen müssen dies die ihr angeschlossenen nationalen Notenbanken: Die Bundesbank muss entsprechend des Kapitalschlüssels gut eine Milliarde Euro auf ihren Anteil dazupacken.

  • 18. März 2011

    Nach Erdbebenkatastrophe, Tsunami und Atomdebakel in Japan intervenieren die wichtigsten Notenbanken der Welt gemeinsam am Devisenmarkt.

  • 8. August 2011

    Die EZB beginnt mit dem Ankauf von Anleihen Italiens und Spaniens. Beide Länder waren zuvor ins Visier der Märkte geraten.

  • 9. August 2011

    Die Fed erklärt, dass sie ihren Leitzins wegen der mauen Konjunktur noch für „mindestens“ zwei Jahre nahe Null halten will.

  • 30. November 2011

    In einer koordinierte Aktion stellen EZB und Fed sowie die Notenbanken Kanadas, Japans, Großbritanniens und der Schweiz den von der Krise gebeutelten europäischen Banken Dollar zur Verfügung. Den Instituten fiel es zuletzt schwer, sich Dollar-Kredite zu beschaffen - viele US-Investoren haben ihnen aus Angst vor den Folgen der Schuldenkrise den Geldhahn zugedreht. Fast gleichzeitig lockert auch die chinesische Notenbank unerwartet ihre Geldpolitik. Sie senkte erstmals seit drei Jahren die Mindestreserve-Anforderungen der Banken.

An den Kreditmärkten ist die spekulative Blase ziemlich einfach festzustellen. Zuletzt  rutschte die Durchschnittsrendite der im Barclays High Yield Index enthaltenen spekulativen, auf Dollar lautenden langfristigen Unternehmensanleihen unter der Schwelle von fünf Prozent. Das ist deutlich tiefer im Vergleich zu den letzten spekulativen Exzessen am Kreditmarkt vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 und entspricht etwa dem damaligen Renditeniveau von US-Staatsanleihen. Die Jagd nach Rendite trägt pathologische Züge.

Rezession steht kurz bevor

Auch wenn es die Investoren nicht wahrhaben wollen: Die USA stehen kurz vor einer Rezession. Der Kupferpreis, ein bisher stets verlässlicher Konjunkturindikator, ist seit Jahresanfang um fast 20 Prozent gefallen - wie 2007 vor der damaligen Rezession. Die Realeinkommen in den USA sind, ohne Berücksichtigung von Transferleistungen, im ersten Quartal im Jahresvergleich um 5,8 Prozent eingebrochen. Einen vergleichbaren Kollaps der Realeinkommen war in den USA, deren Wirtschaft zu 70 Prozent am Konsum hängt, zuvor nur vor und während Rezessionen festzustellen. So gesehen steht ein Großteil der spekulativen Unternehmensanleihen vor dem Absturz. Auch amerikanische Aktien notieren gemessen am Index S&P 500 je nach Berechnungsmethode um bis zu 60 Prozent über ihrem fairen Wert.

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27 Kommentare zu Kreditblase: Der Crash der Notenbanken

  • Sehr guter Kommentar von Frank Doll, der die wahren Realitäten und Hintergründe der außer Kontrolle geratenen Geldpolitik beleuchtet.
    In der heutigen Zeit leider nur noch sehr selten in den anderen, sogenannten "Qualitätsmedien" zu lesen.

  • Ich warte da schon seit längerem drauf. Gerade wenn man sieht, wie sich die Aktienmärkte entwickeln, bar jeder Vernunft und ohne jeden Rückhalt, dann weiß man: Das muß irgendwann ein Ende haben und zwar ein ziemlich derbes. Als klar denkender Mensch muß man sich ja auch fragen: Wenn es so einfach ist, einfach Geld in unfassbaren Mengen zu drucken, um den Karren irgendwie am Laufen zu halten, warum hat man das nicht vorher gemacht? Es ist doch so easy und keiner schert sich drum. Es ist halt wie überall: Die Rechnung wird erst ganz zum Schluß aufgemacht. Und je mehr man sich vorher danebenbenommen hat, desto höher fällt sie aus. Wenn alles so einfach wäre, wäre jeder Staat vollkommen bescheuert, der vernünftig wirtschaftet.

  • guter artikel endlich jemand der zunindest einen teil der wahrheit ausspricht. die ganze angelegenheit ist ja in wirklichkeit noch viel schlimmer. wer sind die wahren kriminellen in diesen betrugs system und pyramidenspiel??

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