Kreditnachfrage in Europa: Zurückhaltung beim Konsum auf Pump

Kreditnachfrage in Europa: Zurückhaltung beim Konsum auf Pump

von Andreas Toller

Die Kreditzinsen sind so niedrig wie nie, das macht Konsum auf Pump verlockend. Doch die Europäer bleiben standhaft – und hauen lieber ihre Ersparnisse auf den Kopf. Doch künftig könnte sich das ändern.

Die „Null Prozent Zinsen“-Schilder lachen uns überall im Elektrohandel und Möbelhaus an, auch Autofinanzierungen oder unspezifische Konsumentenkredite sind günstig wie nie. Und doch widerstehen die Europäer, die Deutschen sowieso.

Eine europaweite Studie der Konsumentenkreditbank CreditPlus, einer Tochter der französischen Bankengruppe Crédit Agricole, weist eher in die andere Richtung. Demnach sind die Konsumentenkredit der europäischen Verbraucher bis Ende 2014 sogar leicht rückläufig gewesen. Nach fünf Jahren mit sinkenden Kreditvolumen ist der Rückgang um 0,3 Prozent sogar eher als Stabilisierung zu werten.

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Aber allmählich bröckelt die Zurückhaltung beim Schuldenmachen für den Konsum.

Kreditnachfrage war in der Krise rückläufig

Insgesamt belief sich das Kreditvolumen auf 1069 Milliarden Euro. Auf Deutschland entfielen dabei 222 Milliarden Euro, ein minimaler Rückgang gegenüber dem Vorjahr um ein Milliarde. Die kreditgebenden Banken sehen darin eine Erholung ihres Geschäfts, denn seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 hat sich das Kreditvolumen um 9,2 Prozent verringert. In Krisenzeiten halten die Leute eben ihre Groschen beisammen.

Wo Verbraucher Kredite aufnehmen

  • Beim Händler

    Am sogenannten Point of Sale, also direkt beim Händler haben die Deutschen 2014 ein Drittel aller vergebenen Kredite aufgenommen. Typisch ist das etwa für Autohändler, Elektronik-Märkte und Möbelhäuser.

    Das hat eine repräsentative Umfrage des Online-Kreditvergleichsportals smava.de in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut IPSOS ergeben, für das 1001 Kreditnehmer befragt wurden, die 2014 einen Ratenkredit abgeschlossen haben

  • In der Filialbank

    Von den vergebenen Ratenkrediten wurden 30 Prozent in Bankfilialen vergeben. Damit liegen die Banken und Sparkassen vor Ort an zweiter Stelle was die Zahl der Kreditgeschäfte mit Verbrauchern angeht.

  • Auf den Online-Seiten der Kreditinstitute

    Gut 13 Prozent der Verbraucher nehmen einen Ratenkredit über die Internetseite ihrer Bank auf. Das ist der höchste Anteil unter den Online-Kreditabschlüssen.

  • Via Online-Kreditvergleichsportal

    Der Vergleich der Kreditkonditionen bewegt neun Prozent der Ratenkreditnehmer direkt auf einem Online-Vergleichsportal zum Kreditabschluss.

  • Beim Finanzberater oder Kreditvermittler

    Direkt beim Kreditvermittler bzw. Finanzberater werden sieben Prozent der Ratenkredite abgeschlossen.

  • Kreditaufnahme über andere Wege

    Vier Prozent der Verbraucher schließen Ratenkreditverträge über andere Wege ab. Die Befragten konnten hier frei antworten. Andere könnten etwa ein Kredit von Verwandten oder vom Arbeitgeber sein.

  • Beim Online-Händler

    Noch relativ unbeliebt sind Kreditgeschäfte beim Online-Händler, im Fachjargon Point of Sale im Internet genannt. Nur drei Prozent der Verbraucher nutzen diese Möglichkeit.

Am härtesten hatte die Branche das Jahr 2011 getroffen, als das Volumen der Kredit um 3,5 Prozent absackte. Seitdem haben sich die Rückgänge im Kreditgeschäft deutlich abgeschwächt. „Die Nachfrage nach Konsumentenkrediten im Euroraum dürfte in den nächsten Jahren nicht das Vorkrisen-Niveau erreichen", sagt Jan W. Wagner, Vorstandsvorsitzender der CreditPlus Bank.

Den höchsten Bestand an Konsumentenkrediten unter den 28 untersuchten Ländern Europas weist Großbritannien mit 286 Milliarden Euro auf. Deutschland liegt demnach mit 222 Milliarden Euro auf Platz zwei, gefolgt von Frankreich (148 Milliarden) und Italien (103 Milliarden Euro). Lediglich in acht europäischen Staaten ist die Kreditnachfrage gestiegen, konkret in Luxemburg (plus 16 Prozent), Slowenien (plus acht Prozent) und Großbritannien sowie Polen (plus vier Prozent). In 16 Ländern sank die Nachfrage hingegen, vor allem in den Niederlanden (minus 17 Prozent) und Lettland (minus 16 Prozent). Auch in den Euro-Staaten mit hoher Arbeitslosigkeit und niedrigen Einkommen wie Griechenland, Spanien und Italien war die Kreditnachfrage rückläufig.

In Deutschland ist die Lage unverändert. Der leichte Anstieg der Pro-Kopf-Verschuldung um knapp 40 Euro auf 2754 Euro ist dem demografischen Wandel geschuldet. Die höchste Pro-Kopf-Verschuldung weisen die Norweger mit 5500 Euro auf, bei den Briten sind es 4446 Euro und die Dänen gönnen sich 3300 Euro Schulden. Bei den Konsumkrediten besteht also aus deutscher Sicht noch viel Luft nach oben.

Immobilien statt Konsum

Statt zu konsumieren, kaufen die Deutschen lieber ungebremst Immobilien. Das zeigen nicht nur die seit Jahren steigenden Immobilienpreise für Neu- und Altbauten im Bundesdurchschnitt, sondern auch die große Nachfrage nach Forward-Darlehen, mit denen sich künftige Eigenheimbesitzer die niedrigen Zinsen sichern. Deren Nachfrage ist in den vergangenen Monaten spürbar gestiegen. Das Kalkül der Bauherren: Der Immobilienwert bleibt erhalten, auch wenn die Inflation irgendwann steigen sollte.

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Ob diese Kreditstrategie aufgeht, ist schwer vorauszusagen. Berechnungen des DIW zufolge ist das reale Nettovermögen – nach Abzug der Inflation – zwischen 2003 und 2013 um 20.000 Euro gesunken, auf nunmehr durchschnittlich 116.840 Euro. Der volkwirtschaftlichen Gesamtrechnung des statistischen Bundesamtes zufolge, ist es im gleichen Zeitraum jedoch real um 20.000 Euro gestiegen. Diese Unterschiede liegen im Wesentlichen an den unterschiedlichen Erhebungsmethoden und der Bewertungsmethoden für die Ermittlung der vorhandenen Immobilienvermögen. Dennoch sind Immobilienkäufe sicher nachhaltiger als der Verbrauch von Konsumgütern, selbst wenn diese langlebig sind.

Zumindest lassen die Bundesbürger auch bei der Immobilienfinanzierung trotz der historisch niedrigen Finanzierungskosten Vernunft walten. Der Eigenkapitalanteil ist in den vergangenen Jahren stabil geblieben oder sogar gesunken. Gleichzeitig ging der Zinsrückgang bei Baufinanzierungen mit höheren Tilgungsraten einher. Kreditnehmer agieren also weiterhin keineswegs verschwenderisch, sondern mit viel Bedacht.

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