Kunstauktionen: "Es gibt keine Blase auf dem Kunstmarkt"

Kunstauktionen: "Es gibt keine Blase auf dem Kunstmarkt"

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„Double Elvis“ von Andy Warhol (links) und „Sleeping Girl“ von Roy Lichtenstein werden am Donnerstag bei Sotheby's in New York City,versteigert.

von Annina Reimann

Der Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach erklärt im Interview, warum die neuen Käufer soviel Geld für Gemälde ausgeben. Und was er für zwei Werke vom Künstler Gerhard Richter hinblättern würde.

Eine Woche nach der Rekordversteigerung von Edvard Munchs „Der Schrei“ kommen in der Nacht auf Donnerstag Werke von Andy Warhol („Double Elvis“, geschätzt 50 Millionen Dollar) und das „Sleeping Girl“ von Roy Lichtenstein (40 Millionen Dollar) unter den Hammer. Gibt es eine Blase auf dem Kunstmarkt? Die WirtschaftsWoche hat mit dem legendären Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach gesprochen.

WirtschaftsWoche: Herr Achenbach, das Bild „Der Schrei“ von Edvard Munch hat dem Auktionshaus Sotheby's jetzt mit fast 120 Millionen Dollar einen neuen Weltrekord-Preis in einer Auktion gebracht. Hat sich auf dem Kunstmarkt eine Blase entwickelt?

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Achenbach: Nein, ich beobachte schon seit rund zehn Jahren, dass sich die Kunstszene verändert. Allein von 2008 bis heute hat sich die Wertentwicklung von Bluechips, also Kunst von international anerkannten Künstlern in einem engen Markt, pro Jahr um bis zu 25 Prozent gesteigert. Der Hauptgrund hierfür ist, dass stetig neue Käuferschichten hinzukommen – vor allem aus China und Russland. Das Werk „Der Schrei“, welches Sie ansprechen, ging letzten Endes nach Katar. Der Kunstmarkt wird also durch neue Spieler immer größer. Eine Blase sehe ich daher aber nicht.

Was sind das für neue Kunstfreunde?

Ich möchte das so ausdrücken: Früher kamen Menschen zu mir, bei denen ein vorrangig intellektuelles Interesse an Kunst bestand. Heute lassen sich mehr und mehr Menschen von mir beraten, die eine andere Motivation haben. Auf den ersten Blick würde man ihnen eher eine große Immobilie als eine Kunstsammlung zutrauen. Viele von Ihnen sagen aber: ‚Ich möchte mein Portfolio gerne runder machen.‘

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"Viele der neuen Kunstfreunde sagen zu mir: 'Ich möchte mein Portfolio gerne runder machen.'" Helge Achenbach, Kunstberater aus Düsseldorf.

Wieso wollen diese Leute bei ihrer Geldanlage breiter streuen?

Viele Menschen sind durch die andauernde Finanzkrise verunsichert. Sie misstrauen dem Papiergeldsystem und haben Angst, dass ihr Geld bald nichts mehr wert sein könnte. Daher glaube ich, dass die Preise für Kunst weiter steigen werden. Wer auf die richtigen Künstler gesetzt hat, konnte schon immer faszinierende Gewinne machen. Ich selber habe Anfang der 80er Jahre mal ein Kerzenbild von Gerhard Richter für 18 000 D-Mark gekauft. Drei Jahre später wollte ich das Werk zurück erwerben und konnte meinem früheren Kunden schon 60 000 D-Mark dafür zahlen. Später wurde das Werk für mehrere Millionen Pfund in einer Auktion versteigert.

Wie können Privatanleger von der Entwicklung profitieren?

Zunächst ist es wichtig, sich Wissen über die Qualität und die Mechanismen des Kunstmarktes anzueignen. Außerdem sollten nie mehr als fünf Prozent eines Vermögens in Kunst investiert werden.

Wie viel muss ich für ein viel versprechendes Werk mindestens einsetzen?

100 000 Euro.

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Bis ich die zwei Millionen Euro zusammen haben, spare ich wohl noch ein bisschen…

Ja, das könnte sich für Sie lohnen. Mitte der 80er Jahre habe ich einer großen Versicherung zwei Bilder von Gerhard Richter für rund 300 000 D-Mark verkauft. Heute hätte ich ein Museum an der Hand, das sogar extra für diese Bilder einen neuen Raum bauen würde. Ich habe der Versicherung vor kurzem 50 Millionen Euro für beide Bilder geboten, aber der Vorstand hat nur gelacht und gesagt: ,Danke, so schlecht geht es uns in der Versicherungsbranche nun auch noch nicht.’

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