Kunstmarkt: Der Schatz der Kunsteditionen

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Kunstmarkt: Der Schatz der Kunsteditionen

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Kunstsammler Thomas Olbricht will als Nächstes die kompletten Editionen des Künstlers Thomas Schütte zu sammeln

von Manfred Engeser

Von Joseph Beuys bis Gerhard Richter, von Sigmar Polke bis Andy Warhol: Originale bedeutender Künstler werden für Millionen gehandelt, ihre Editionen kosten oft nur einen Bruchteil – und haben selbst Potenzial für Wertsteigerungen.

Die Haare sind akkurat hochgesteckt, unter dem rot-weiß geblümten Kapuzenpulli lugt ein Oberteil in Altrosa hervor, der Kopf ist von der Kamera abgewandt: „Betty“ gehört zu den bekanntesten Motiven aus dem Werk Gerhard Richters. Gemalt hat er es 1988 nach der Vorlage eines von ihm 1978 geknipsten Fotos seiner damals zehn Jahre alten Tochter.

Das Original gehört dem Saint Louis Art Museum in Missouri. Auch im Düsseldorfer Museum K20 konnten Besucher das Motiv gerade in Augenschein nehmen – allerdings nicht das Unikat in Öl, sondern „Nr. IV/V a.p.“, aufgezogen „auf leichtem Karton mit farblosem Nitrolack auf weißer Kunststoffplatte“. Also der 29. von 30 Abzügen einer Edition, die Richter 1991 produzieren ließ – nach Vorlage eines Fotos, das er von seinem Ölbild geschossen hatte. Der Offsetdruck ist nun Teil der Sammlung des Wella-Erben Thomas Olbricht, der 162 der 163 Editionsmotive zusammengetragen hat, die Richter seit 1965 in Auftrag gegeben hat – „und die ich nie und nimmer gegen ein Original Richters eintauschen würde“.

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„Ich sah – und sehe immer noch – Editionen als einen willkommenen Ausgleich für die Produktionen von Gemälden, die Unikate sind“, beschreibt Richter 1998 in einem Brief an das New Yorker Museum of Modern Art seine Beweggründe, Werke in größerer Auflage zu produzieren – so wie den Offsetdruck von „Betty“. „Es ist eine großartige Möglichkeit, meine Arbeiten einer größeren Öffentlichkeit zu vermitteln.“

Denn gute Kunst ist schön, aber auch teuer. Ob Richter, Warhol oder Beuys – Originalwerke dieser Kunstikonen des 20. und 21. Jahrhunderts werden längst für Millionen Euro gehandelt. Selbst für Unikate weniger etablierter Künstler werden schnell hohe fünf- und sechsstellige Beträge aufgerufen. Wer Arbeiten dieser Künstler nicht nur im Museum betrachten, sondern zu Hause um sich haben, dafür aber nur moderate Summen ausgeben möchte, ohne auf Poster oder Kaffeetassen aus dem Museumsshop zurückgreifen zu müssen, für den können Editionen eine attraktive Alternative sein.

Seit den Sechzigerjahren greifen Künstler auf die Möglichkeit zurück, ihre Arbeit vom Diktat des Unikats zu befreien und in Auflagen ab 20 Stück bis hin zu unlimitierten Ausgaben zu produzieren. Die Ursprungsidee: Jeder Arbeiter sollte sich Kunst leisten können.

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