Kurz vor der Staatspleite: Argentinien lässt deutsche Sparer darben

Kurz vor der Staatspleite: Argentinien lässt deutsche Sparer darben

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Ein Plakat mit der Aufschrift "Stoppt die Aasgeier" ist in den Straßen von Buenos Aires zu sehen.

von Andreas Toller und Heike Schwerdtfeger

Argentinien droht die Staatspleite, nun sollen China und Russland finanziell helfen. Währenddessen warten deutsche Fondssparer auf hunderte Millionen Dollar aus der argentinischen Staatskasse.

Argentinien ist ein aufstrebendes Land voller Widersprüche. Mit dem WM-Titel im Fußball ist ein historischer Erfolg zum Greifen nah, es wäre der dritte WM-Titel. Zugleich steht das Land vor der Zahlungsunfähigkeit - es wäre schon die zweite Staatspleite der Südamerikaner. Offenbar spielen die Argentinier deutlich besser Fußball, als sie ihre Staatsfinanzen im Griff haben.
Doch was kaum jemand weiß: Die Deutschen wären nicht nur vom WM-Finale direkt betroffen - denn eine Staatspleite Argentinien würde auch deutsche Sparer Geld kosten.

Zum Hintergrund: Argentinien ist nach einem zehnjährigen Rechtsstreit in letzter Instanz vom Obersten Gerichtshof der USA dazu verurteilt worden, zuerst die 1,5 Milliarden Dollar an mehrere Hedgefonds zurückzuzahlen, die dem Land nach der Staatspleite 2001 Geld geliehen hatten - und zwar bevor das Land an andere Gläubiger zurückzahlt.

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Argentinien verweigert die Zahlung bislang mit dem Argument, dass das Land dann zahlungsunfähig wäre. Immerhin hat die Regierung unter Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner erreicht, dass die Hedgefonds nochmals einen Zahlungsaufschub bis zum 30. Juli gewähren, um in Gesprächen eine Lösung für den Streit zu finden.

Freytags-Frage Ist Argentinien ein Opfer von Aasgeiern?

In dieser Woche hat der Supreme Court denjenigen Investoren um den Hedgefonds NML Capital Recht gegeben, die die argentinische Regierung auf Rückzahlung ihrer Anleiheschulden verklagt haben.

In dieser Woche hat der Supreme Court denjenigen Investoren um den Hedgefonds NML Capital Recht gegeben, die die argentinische Regierung auf Rückzahlung ihrer Anleiheschulden verklagt haben. Quelle: dpa

Deutsche Anleger, die teilweise bereits vor mehr als einem Jahrzehnt in Investmentfonds investiert haben, könnten von US-Urteil zu den Argentinien-Anleihen ebenfalls profitieren. Würde das Land die von Hedgefonds erstrittenen 1,5 Milliarden Dollar zahlen, rechnet etwa der Vermögensverwalter HWB Capital Management aus Trier mit rund 200 Millionen Euro. Für mehrere Fonds hatte HWB lange vor der Staatspleite 2001 Argentinien-Bonds gekauft, die zwölf Prozent Zinsen boten. Die von HWB gekauften Anleihen waren unter US-Recht aufgelegt worden, wurden aber später wie alle anderen nicht mehr bedient.

Auf Umstrukturierungsangebote, bei denen Gläubiger niedriger verzinste und länger laufende Anleihen bekamen und so zwei Drittel Verlust machten, ist HWB wie schon die Hedgefonds nie eingegangen. Vielmehr hoffte HWB auf die US-Justiz.

Aktuell sitzen alle auf dem Trockenen: Für die umgetauschten Anleihen darf Argentinien keine Zinsen zahlen, weil nach dem US-Urteil zuerst die Altanleihen zu 100 Prozent zurückgezahlt werden müssten. Für HWB zwar ein Erfolg, aber Geld gibt es noch nicht.

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