Leitzins bei 0,25 Prozent: Die größten Verlierer der Zinssenkung

Leitzins bei 0,25 Prozent: Die größten Verlierer der Zinssenkung

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Für den Sparer sieht es nach dem Zinsentscheid düster aus.

von Saskia Littmann und Sebastian Kirsch

Die EZB hat mit ihrer Zinssenkung gemischte Reaktionen ausgelöst. Beifall aus den Krisenländern mischt sich mit dem Unmut der deutschen Sparer. Wie sich der Minizins auf Ihr Geld auswirkt.

Mit ihrer Zinssenkung am Donnerstag hat die Europäische Zentralbank (EZB) ganz Europa wachgerüttelt. EZB-Chef Mario Draghi zeigt einmal mehr, dass er auch handelt, wenn kaum einer damit rechnet. Viele Beobachter waren der Meinung, dass die Zentralbank ihr Repertoire an Maßnahmen bereits fast vollkommen ausgeschöpft hat. Draghi dagegen stellt klar, dass das Ende des Tunnels noch nicht erreicht ist. Im Gegenteil: "Wir könnten den Zins auch auf Null senken", erklärte der Italiener. Vorerst begnügte sich die Notenbank, den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent zu senken.

Als Grund für die überraschende Zinssenkung verweist die EZB auf die niedrigen Inflationsraten im Euro-Raum. Im Oktober stiegen die Preise im Vergleich zum Vorjahr nur noch um 0,7 Prozent. "Draghi hat wieder gezeigt, dass er zupacken kann", erklärt Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater gegenüber WirtschaftsWoche Online. Allerdings sei der Schritt in Ordnung, die EZB erfülle damit ihr ursprüngliches Mandat stabiler Preise. Unumstritten war die Entscheidung trotzdem nicht. Angeblich soll ein Viertel der insgesamt 23 EZB-Ratsmitglieder dagegen gewesen sein. Draghi erklärte, man habe sich einstimmig dafür ausgesprochen, dass die EZB angesichts der niedrigen Inflationsraten handeln müsse. Umstritten sei lediglich der Zeitpunkt gewesen. Einige Notenbanker wollten eine Zinssenkung bis Dezember aufschieben, um die nächsten Konjunkturdaten abzuwarten. Bisher galt Bundesbank-Chef Jens Weidmann als größter Widersacher Draghis im EZB-Rat. Bei der Zinsfrage seien die Fronten allerdings längst nicht so klar wie bei anderen Themen, so Kater.

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Möglicherweise war das nicht das letzte Kapitel in Draghis Niedrigzins-Roman. „Die Signalwirkung dieser Entscheidung ist hoch“, erklärt der Ökonom. Es sei klar, dass es sich nicht um einen normalen Niedrigzins-Zyklus handelt. Diese Phase niedriger Zinsen dürfte laut Kater extrem langwierig werden. „Wer bei seiner Geldanlage auf steigende Zinsen setzt, könnte sich geschnitten haben“.

Auslöffeln müssen die Niedrig-Zins-Suppe vor allem die deutschen Sparer. Die fürchten um ihr Erspartes. Denn bei nahezu Nullzinsen und einer Inflationsrate von derzeit 1,6 Prozent in Deutschland fahren Anleger mit den meisten Anlageformen reale Verluste ein. Wie sich die lange anhaltenden Minizinsen auf die einzelnen Anlageformen auswirken und was Anleger jetzt beachten müssen.

Immobilien

Ist viel billiges Geld im Umlauf, fürchten Anleger über kurz oder lang steigende Preise. Sachwerte gelten als sicherer Hafen - allen voran Immobilien. Da die Deutschen weiterhin wenig Vertrauen in Aktien haben, streben sie umso stärker in Immobilien. Schon jetzt sind die Preise in Ballungsräumen sehr hoch. Die Bundesbank sieht gerade Wohnungen in Städten um bis zu 20 Prozent überbewertet. Experten fürchten deshalb bereits seit längerem Blasen am Immobilienmarkt. "Mittel- bis längerfristig nehmen die Risiken der Niedrigzinspolitik weiter zu - insbesondere die Gefahr von falschen Risikoeinschätzungen, verzerrten Investitionsentscheidungen und Vermögenspreisblasen", sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes BdB.

Noch gibt die Bundesbank Entwarnung. "Wir können bisher nicht feststellen, dass Banken ihre Kreditvergabe erhöhen oder ihre Vergabestandards senken", erklärte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret vor kurzem im Interview mit der WirtschaftsWoche. Erst wenn die Zahl der vergebenen Kredite merklich steigt und die Banken ihre Anforderungen an die Darlehensnehmer senken wird es wirklich gefährlich.

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