Max Otte und Dirk Müller: Die Krisenerklärer

Max Otte und Dirk Müller: Die Krisenerklärer

, aktualisiert 12. November 2011, 10:27 Uhr
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Die Bücher von Max Otte und Dirk Müller sind Bestseller. In Talkshows sind die beiden gerngesehene Gäste.

von Jörg Hackhausen und Christian PansterQuelle:Handelsblatt Online

Dirk Müller und Max Otte sind die bekanntesten Gesichter der Finanzwelt. Kaum eine Talk-Show kommt ohne sie aus. Warum die Ansichten eines Börsenhändlers und eines Crashpropheten derzeit so gefragt sind.

Düsseldorf, FrankfurtDirk Müller. Das klingt nicht nach großer, weiter Welt, eher nach deutschen Niederungen. Der Name könnte kaum passender sein für den Mann, der sich derzeit Deutschlands gefragtester Ratgeber in Geldfragen nennen darf. Müller, 43, schreibt Bücher, die in den Bestsellerlisten ganz oben stehen, er reist durch die Lande, hält Vorträge, sitzt zur besten Sendezeit in Talkshows.

Europa ächzt unter Schulden, Italien steht am Abgrund, Dirk Müller sagt, warum. Krisenerklärer, das ist sein Geschäftsmodell. Die Zeiten könnten schlechter sein für ihn.

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Müller ist nicht allein im Krisengewerbe. Sitzt er mal nicht auf dem Talkshow-Sofa, dann ist mit ziemlicher Sicherheit Max Otte da, der Wirtschaftsprofessor und Crashprophet aus Köln. Seit der Ökonom in seinem Buch "Der Crash kommt" 2006 die Finanzkrise vorhersah, ist er ein gefragter Mann. 500.000-mal verkaufte sich das Buch, auch im Fernsehen, im Radio, in Zeitungen und im Internet ist Otte präsent. Der 47-Jährige sendet auf allen Kanälen. Griechenland müsse raus aus dem Euro, nur so könne das Land gesunden. Die Politik müsse den Menschen endlich sagen, woran sie seien. Applaus. Müller oder Otte - einer ist immer da.

Die Menschen verstehen es

Ihr Erfolg lässt sich erklären: Wenn die beiden Krisenexperten über die Finanzmärkte reden, dann hört sich das anders an als das, was die Experten in den Bankentürmen von sich geben. Die Menschen verstehen die beiden. Sie sprechen einfach, geradeheraus, Müller meist etwas schneller. Otte, geboren im westfälischen Plettenberg, redet langsamer und meist bedächtig. Beide kennen sich, beide schätzen sich, sind mittlerweile befreundet. Auch wenn sie nicht immer einer Meinung sind.

Müllers wichtigste Botschaft: Kümmert euch selbst um eure Finanzen, bevor es andere tun und euer Geld weg ist. Manche seiner Ratschläge mögen banal daherkommen: ein Haushaltsbuch führen, schauen, dass jeden Monat mehr Geld reinkommt als rausgeht, nur solche Verträge abschließen, die man wirklich versteht.

Kritiker werfen Müller und Otte vor, ihre Erklärungen seien zu simpel. Die Kritik kommt meist aus Kreisen, denen es lieber ist, wenn Bankkunden gar nicht so genau hinschauen, was sie unterschreiben - und stattdessen auf die vermeintlichen Fachleute in den Finanzkonzernen hören. Manche fragen sich, warum ausgerechnet die beiden so populär sind.


"Die Schweinehunde bestimmen, wo es langgeht"

Ganz einfach: Sie kommen von der Basis, und viele ihrer Ratschläge haben sich bewährt. Müller hat eine Lehre bei der Deutschen Bank gemacht. Von dort gelangte er auf das Frankfurter Börsenparkett - erst als Assistent eines Kursmaklers, später handelte er selbst mit Aktien. In dieser Rolle kennen ihn die meisten Wirtschaftsinteressierten. Seinen Arbeitsplatz hatte er im großen Handelssaal, direkt unter der Dax-Tafel, fast zehn Jahre lang. Wenn die Fotografen den Index ablichteten, war er mit im Bild. Ging es mit dem Dax rauf, strahlte er, ging es runter, sah man die tiefen Falten auf seiner Stirn. Die Medien tauften ihn "Mister Dax".

Die ersten Interviews zeigten: Er kann nicht nur gute Miene machen, er hat auch etwas zu sagen. Sein 2009 erschienenes Buch "Crashkurs", in dem er vor den Gefahren der Finanzkrise warnte, verhalf ihm zu bundesweiter Bekanntheit. 170.000 Exemplare wurden verkauft.

Sein Pendant Otte hat dagegen studiert. In Köln und Washington. Er ist Professor an der Fachhochschule in Worms und an der Universität Graz. In Köln leitet er das Institut für Vermögensentwicklung. Warren Buffett, der bekannte US-Investor, ist sein großes Vorbild. Im Frühjahr 2009, als die Aktienkurse am Boden waren, riet Otte Privatanlegern, Aktien zu kaufen. Viele Unternehmen seien spottbillig bewertet, sagte er - und er behielt mit seiner Empfehlung recht.

Seine Medienpräsenz ist manchem allerdings nicht geheuer. "Dampfplauderer" wird er genannt. Einer, der Geschäfte mit der Krise mache. Natürlich tut er das; auch Müller macht das. Für ihn ist das allerdings kein Widerspruch. "Es gibt einen anständigen, ehrlichen Teil der Finanzwelt. Für den spreche ich", sagt Müller. Und fügt hinzu: "Nur leider bestimmen die Schweinehunde, wo es an den Märkten langgeht."

Er selbst bezeichnet sich als "Dolmetscher zwischen den Finanzmärkten und den Menschen außerhalb". Das klingt harmloser, als er ist. Besonders die Banker bekommen ihr Fett weg. Die seien mit ihren Zockereien mitschuldig an dem Schlamassel der Finanzkrise. Ein Großteil des Geschäfts habe gar nichts mehr mit der Realwirtschaft zu tun. "Damit haben die Banken lange extrem gut verdient. Aber jetzt, wo es schiefgeht, da soll bitte schön der Steuerzahler einspringen. Das ist nicht in Ordnung", sagt Müller.

Man kann den Krisenerklärern wirklich nicht vorwerfen, sie drückten sich gestelzt aus.

Quelle:  Handelsblatt Online
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