
Luxus kennt keine Krise. Während die Börsen taumeln, halten sich die Aktienkurse der Produzenten von Schampus und sündhaften teuren Taschen nahe einstiger Höchststände. Das gilt für die Papiere von Moët Hennessy Louis Vuitton (LVMH) ebenso wie für Prada-Aktien. Dazu tragen reiche Scheichs bei, die trotz oder gerade wegen der Euro-Krise auf Shoppingtour sind. Erst vor gut zwei Wochen erwarb das Emirat Katar für rund 700 Millionen Euro das italienische Modehaus Valentino, bei dem sich Hollywood-Stars wie Scarlett Johansson oder Nicole Kidman einkleiden lassen. Zwei Jahre zuvor hatten die Ölscheichs bereits das Londoner Nobel-Kaufhaus Harrods übernommen. Angeblich kassierte der Vorbesitzer, der Ägypter Mohamed Al-Fayed, für die Pretiose 1,5 Milliarden Pfund Sterling.
Besser als Hedgefonds
Auch Privatanleger sollten die Aktivitäten der Staatsfonds aufmerksam verfolgen. Wie alle Investoren sind zwar auch Sovereign Wealth Funds (SWF) wie Katar während der Finanzkrise gerupft worden. Insgesamt aber hatten sie in den vergangenen Jahrzehnten eine deutlich bessere Wertentwicklung als etwa Hedgefonds. „Die Investments von Staatsfonds sind eine gute Richtschnur. Es ist sicher nicht falsch, wenn sich Privatanleger daran orientieren“, sagt Helmut Reisen, Forschungsdirektor bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris.
Bild: APCitigroup
An der amerikanischen Bankengruppe Citigroup sind Investoren aus zwei Ländern beteiligt. Das Emirat Abu Dhabi hält mit der Aabar Investment und der Abu Dhabi Investment Authority insgesamt 4,0%. Die Investoren aus Singapur, namentlich die Government of Singapore Investment Corporation und Temasek, halten zusammen 5,0% der Citigroup. Früher galt das Citigroup-Papier als dividendenstark, heute ist es ein Schatten seiner selbst. Empfehlung: Meiden.
Bild: APDaimler
Auch an Daimler sind Staatfonds aus zwei Ländern beteiligt. Die Investoren aus Abu Dhabi halten derzeit 3,1% der Anteile, besitzen allerdings noch weitere 6,0%, die momentan verliehen sind.
Neben Abu Dhabi ist der Staatsfonda aus Kuwait ist mit 7,4% beteiligt. Fazit: Negatives Sentiment, aber prima Zahlen zum Halbjahr. Empfehlung: Kaufen.
Bild: REUTERSUniCredit
An dem italienischen Finanzinstitut sind die beiden Staatsfonds aus Abu Dhabi mit 6,5% beteiligt. Zudem stellt die Euro-Krise eine Megalast für den Aktienkurs dar. Empfehlung: Nur für extrem spekulative Anleger.
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Das Energieunternehmen aus Frankreich hat 4,8% seiner Unternehmensanteile an die Investoren aus Kuwait abgetreten. Es verdient weiterhin gut am Ausbau und am Rückbau von Atomkraftwerken. Empfehlung: Kaufen.
Bild: PresseGea
Auch beim deutschen Maschinenbauer Gea sind die Kuwaitis mit 8,3% beteiligt. Es handelt sich um ein zyklisches Unternehmen, doch die Bewertung fällt angesichts der momentanen Konjunkturschwäche zu hoch aus.
Bild: dapdBarclays
Vom Finanzunternehmen aus Großbritannien gehören 6,8% den Staatfonds aus Katar. Barclays ist tief in Zinsmanipulationsskandalen verstrickt. Empfehlung: Abstand nehmen.
Bild: dpaCredit Suisse
Gleiches gilt für die Credit Suisse, an der die Fonds aus Katar mit 6,2% beteiligt sind. Das Institut ist in Steuerskandale verstrickt und hat einen hohen Kapitalbedarf. Empfehlung: Finger weg.
Bild: dapdHochtief
Katar ist an dem deutschen Bauunternehmen insgesamt mit 10,0% beteiligt. Das Papier ist derzeit zu teuer bewertet, Hochtief zudem in den Händen der spanischen ACS. Empfehlung: Derzeit kein Kauf.
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Seit 2011 hält der Staatsfonds aus Katar insgesamt 12,8% an dem französischen Rüstungsunternehmen Lagardère, dessen Dividendenrendite mit sechs Prozent recht hoch ausfällt. Empfehlung: Ein Kauf, wenn man an Kriegen verdienen will.
Bild: dpaLondon Stock Exchange
Der Betreiber der Londoner Börse gehört zu 20,0% dem Emirat Katar. Das Unternehmen ist angemessen bewertet, auch die Dividende fällt mit 3,0% ordentlich aus. Empfehlung: Bei Schwäche ein Kauf.
Citigroup
An der amerikanischen Bankengruppe Citigroup sind Investoren aus zwei Ländern beteiligt. Das Emirat Abu Dhabi hält mit der Aabar Investment und der Abu Dhabi Investment Authority insgesamt 4,0%. Die Investoren aus Singapur, namentlich die Government of Singapore Investment Corporation und Temasek, halten zusammen 5,0% der Citigroup. Früher galt das Citigroup-Papier als dividendenstark, heute ist es ein Schatten seiner selbst. Empfehlung: Meiden.
So hat der weltgrößte Staatsfonds, die Abu Dhabi Investment Authority (Adia), die ein Vermögen von 627 Milliarden Dollar verwaltet, nach eigenen Angaben zwischen 1991 und 2011 eine durchschnittliche Rendite von 6,9 Prozent im Jahr erzielt. Laut offiziellen Indizes schafften Hedgefonds in diesem Zeitraum nur rund sechs Prozent pro Jahr. Allerdings sind diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen, weil Pleitefonds und schwache Performer aus der Hedgebranche zum Teil nicht erfasst werden. Temasek, einer der beiden Staatsfonds von Singapur, schaffte sogar durchschnittlich 17 Prozent Rendite pro Jahr. Vergleichsweise bescheiden nimmt sich da die Durchschnittsrendite von 4,5 Prozent aus, die der norwegische Staatsfonds erreicht. Mit einem verwalteten Vermögen von 611 Milliarden Dollar ist der Government Pension Fund Global des ölreichen Nordlandes weltweit die Nummer zwei unter den Staatsfonds.
Das Erfolgsrezept der SWF besteht nicht zuletzt darin, dass sie nur mit eigenem Kapital arbeiten – und den Finanzsektor nicht anzapfen. „Im Gegensatz zu Hedgefonds nehmen Staatsfonds für ihre Investments kein Fremdkapital auf. Sie geraten daher nicht in Panik, wenn eine Finanzkrise ausbricht und die Kurse plötzlich fallen“, erklärt Reisen. Hingegen müssen Investoren, die mit gehebelten Strategien arbeiten, also Kredite benötigen, regelmäßig unter hohen Verlusten Investments abstoßen – immer dann, wenn ihnen die Banken den Geldhahn zusperren.
Reisen gilt als einer der besten Kenner der Staatsfonds. Der Wissenschaftler prophezeit, dass die SWF bald nicht nur „aggressiver“ auftreten, sondern auch ihre Investmentstrategien nachhaltig ändern werden. In Europa verlagern sie Schwerpunktinvestments aus den südlichen Krisenstaaten in den sicheren Norden. Zugleich reduzieren die Fonds ihre Anlagen in Anleihen, um sich stärker in Immobilien und anderen Sachwerten zu engagieren – eine Strategie, der Privatanleger nacheifern sollten. Gekauft werden Aktien aus dem Konsumgüterbereich, der Pharmaindustrie, von Versorgern und aus anderen, wenig konjunkturanfälligen Branchen.
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