Minibonds: Windreich-Anleger müssen zittern

Minibonds: Windreich-Anleger müssen zittern

Bild vergrößern

Der Windpark-Entwickler Windreich hat am Montag Insolvenz in Eigenregie angemeldet. Anleger sorgen sich jetzt um ihr Vermögen, insgesamt 125 Millionen Euro hat Windreich mit der Emission von zwei Mittelstandsanleihen eingesammelt.

von Saskia Littmann

Nach der Insolvenz des Windpark-Entwicklers Windreich fragen sich vor allem die Anleger der Mittelstandsanleihen, wie es jetzt weitergehen soll.

Die Gerüchte kursierten schon lange im Markt, am Montagabend war dann alles klar: Windpark-Entwickler Windreich ist insolvent. Unternehmensgründer Willi Balz sagte, er habe das Verfahren in Eigenregie nach dem neuen Insolvenzrecht beantragt. Eingereicht wurde der Antrag beim Amtsgericht Esslingen, als Sachverwalter wurde der Stuttgarter Anwalt Holger Blümle eingesetzt. Balz selber hat sich nach dem Antrag aus der Geschäftsführung zurückgezogen, um den Weg freizumachen für eine erfolgreiche Sanierung, wie das Unternehmen am Montagabend bekannt gab. Balz Nachfolger ist sein bisheriger Berater Werner Heer.

Vor allem für die zahlreichen Käufer der Windreich-Anleihen war die Nachricht ein Schock. Die Anleger der umstrittenen Minibonds fürchten jetzt um ihr Geld. Insgesamt 125 Millionen Euro Kapital hatte Windreich mit zwei 2010 und 2011 aufgelegten Mittelstandsanleihen eingesammelt. Schon seit Monaten notierten die Papiere auf einem sehr niedrigen Niveau, schließlich wurden die Zahlungsschwierigkeiten des Unternehmens immer offensichtlicher. Auch die WirtschaftsWoche warnte vor den Anleihen, seit März ist bekannt, dass die Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen den Windpark-Entwickler ermittelt.

Anzeige

Bilanzmanipulation bei Windparkentwickler Staatsanwaltschaft nimmt Windreich hoch

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen Führungskräfte des Windparkentwicklers. Im Zentrum sollen Geschäfte stehen, die Windreich-Chef Willi Balz mit sich selbst gemacht hat.

Quelle: dpa/Montage

Anleger, die trotz der Ungereimtheiten im Unternehmen - einen testierten Geschäftsbericht für 2012 konnte Balz trotz entsprechender Ankündigungen zuletzt nicht vorlegen - an ihrer Anleihe festgehalten haben, sorgen sich jetzt um ihr Vermögen. Denn mittlerweile ist ein Anleihe-Verkauf nicht mehr möglich, die Börse Stuttgart hat den Handel ausgesetzt. Schrillen bei Anlegern zu recht die Alarmglocken? "Anleihegläubiger stehen traditionell am Ende der Nahrungskette", sagt der Frankfurter Anlegeranwalt Klaus Nieding von der Kanzlei Nieding + Barth.

Hinsichtlich der Frage, ob Anleger überhaupt eine Chance haben, zumindest einen Teil ihres Geldes wiederzusehen, kann zur Zeit nur spekuliert werden. Anlegeranwälte wittern derzeit ein gutes Geschäft und werben um Anleger, um möglichst viele davon zu bündeln. Je größer die Masse der vertretenen Anleger, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass diese auch Ernst genommen würden. "Die Gläubiger sollten sich zusammenschließen", sagt Daniela Bergdolt, Anwältin der Kanzlei Bergdolt und Schubert, die bereits mehrere Mandanten in Sachen Windreich berät. Ziel müsse es laut Nieding sein, einen Vertreter der Anleiheinhaber im Gläubigerausschuss zu platzieren. Schließlich werde dort über die Verwendung der Insolvenzmasse entschieden.

weitere Artikel

Als erstes sollte allerdings jeder Anleger rekapitulieren, wie er an das Windreich-Investment gelangt ist. Anleger, die von einer Bank beim Kauf einer Anleihe beraten wurden, können möglicherweise auch gegenüber der Bank Ansprüche wegen Falschberatung geltend machen. Unter anderem hat die als besonders nachhaltig geltende Schweizer Bank Sarasin ihren Kunden Windreich-Anleihen verkauft. Vor dem Landgericht Regensburg haben bereits Anleihebesitzer Klage gegen Sarasin eingereicht, weil sie sich von der Bank schlecht informiert fühlten. "Sarasin hat Windreich nicht nur mit einem 70 Millionen schweren Darlehen unterstützt, sondern auch die Anleihen verkauft", sagt Bergdolt. Über diesen Interessenkonflikt habe die Bank ihre Kunden allerdings nicht aufgeklärt. "Das ist eindeutig Falschberatung, hier sehe ich für Anleger eine gute Chance auf Schadenersatz", sagt Bergdolt. Die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) sei an der Stelle eindeutig.

Wie aus Finanzkreisen zu hören ist, hat nicht nur die Bank Sarasin kräftig Windreich-Anleihen verkauft, sondern auch mindestens eine andere große deutsche Bank. Allerdings: "Viele Anleger haben die Anleihen auch im Internet gekauft", sagt Anwältin Bergdolt. Die stünden noch schlechter da, denn Ansprüche wegen Falschberatung können sie nicht geltend machen. Diese Anleger müssen auf Ansprüche aus der Insolvenzmasse hoffen. Für deren Höhe wird entscheidend sein, wo das Windreich-Kapital hingeflossen ist. Zuletzt plante Windreich den Milliarden-Windpark MEG I in der Nordsee. Eines der Generalunternehmen, Hochtief, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, man wolle grundsätzlich das Projekt fortsetzen. Allerdings müsse abgewartet werden, was die Auswirkungen der Windreich-Pleite für das Projekt bedeuteten.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%