Moderne Zahlsysteme: Warum Schweden beim bargeldlosen Zahlen vorn liegt

Moderne Zahlsysteme: Wie bargeldlos ist unsere Zukunft?

Warum Schweden beim bargeldlosen Zahlen vorn liegt

Thilo Weichert, Landes-Datenschutzbeauftragter in Kiel, sieht die Datenspuren, die Nutzer von digitalen Zahlungsmitteln hinterlassen, mit Sorge: „Auch bei allen denkbaren technischen Sicherungen sind digitale Spuren zumeist leichter festzustellen, automatisiert auszuwerten und dadurch umfassend zu überwachen.“ Knackpunkt dabei: Die Zahlungsströme laufen fast alle über die USA. Im Rahmen der Snowden-Enthüllungen wurde im Herbst bekannt, dass die amerikanische NSA auch Kreditkartendaten in den USA ausliest. „Dass wir keine europäische Infrastruktur haben, ist ein Problem. Auch das europäische Überweisungssystem SEPA wird daran nichts ändern, dazu war es gar nicht gedacht“, sagt Constanze Kurz, Projektleiterin am Forschungszentrum für Kultur und Informatik der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. „Nur über Bargeld lässt sich auch nur ansatzweise langfristig die Anonymität des Zahlungsverkehrs gewährleisten“, sagt Weichert.

Bargeld-Lösungen sind auf der Düsseldorfer Messe zwar noch vertreten, aber schon in Nischen gedrängt – wie die Münzprüfmaschinen von WH Münzprüfer aus Berlin. Die CD-großen Elemente lassen Münzen durch ihren Einwurfschlitz in einen transparenten Schaukasten klackern, scheinen in Halle 6 aber nur noch geduldet, vereinsamt in einem Durchgang neben den pompösen Multimedia-Ständen der bargeldlosen Konkurrenz.

„An unserem Geschäft sehen wir, dass Münzen weltweit immer noch eine wichtige Rolle spielen, trotz der Weiterentwicklung beim bargeldlosen Zahlen“, sagt Geschäftsführer Christian Trenner. Spiel- und Ticketautomaten, aber auch Selbstbediener-Kassen im Supermarkt brauchen Maschinen, die Euro-Münzen von Hosenknöpfen unterscheiden können. Den Messebesuchern erscheint das irgendwie bieder – sie erliegen dem Charme von Tablets und Smartphones. Wer will da noch Münzen prüfen?

Schweden jedenfalls braucht heute schon nur noch wenige Münzprüfautomaten. Bargeld spielt kaum noch eine Rolle. Selbst Zeitungen und Kaugummi können mobil oder mit Karte gezahlt werden. Die schwedischen Banken, vorneweg die Großbanken SEB und Nordea, haben sich für ein mobiles Zahlsystem namens Swish zusammengetan. Zahlungen von privat zu privat sind einfach über eine App auf dem Smartphone möglich. Wer etwa sein Fahrrad gebraucht verkaufen möchte, kann vor Ort von einem Telefon zum anderen bezahlen. Im Sommer sollen auch schwedische Unternehmen mit Swish die Zahlungen ihrer Kunden entgegennehmen können. In Deutschland gibt es einen ähnlichen Ansatz namens Kesh, von der BIW Bank. Generell halten sich Deutschlands Banken aber zurück; man beobachte die Entwicklungen, sagt der Bankenverband, der die Privatbanken vertritt.

Shopping im Netz Deutsche zahlen online am liebsten per Rechnung

Online-Bezahldienste sind zwar auf dem Vormarsch, eine Umfrage zeigt jedoch, dass der klassische Rechnungskauf noch viel beliebter ist – und auch als sicherer empfunden wird.

Quelle: Presse

Schwedische Banken haben seit 2010 ihren Bargeldservice schrittweise eingestellt. Nordea etwa bietet nur noch in einem Drittel ihrer 256 Filialen Bargeldservices an. „Bargeld ist immer noch teuer zu transportieren und zu verwalten, die Risiken von Überfällen haben es in den vergangenen Jahren auch nicht günstiger gemacht,“ sagte bereits 2008 Lars Nyberg, damals Vorstand der schwedischen Zentralbank.

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Prominentester Unterstützer der schwedischen Bargeldlos-Bewegung ist Abba-Star Björn Ulvaeus. Im Stockholmer Abba-Museum können Besucher inzwischen nur noch mit Karte zahlen. Privat verzichtete Ulvaeus in einem Selbstversuch ein Jahr lang auf Bargeld: „Die einzige Unannehmlichkeit, die mir im Alltag begegnet ist: Man braucht eine Münze, um im Supermarkt einen Wagen zu leihen“, schreibt er auf der Homepage des Museums. Seine Kritiker werfen Ulvaeus vor, er sei bei der Aktion vor allem durch einen der Hauptsponsoren seines Abba-Museums getrieben worden: Kreditkarten-Gigant Mastercard.

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